Reisen in Japan Eiskaltes Vergnügen auf der Insel Hokkaido

„Drift Ice Walks“ – Wandern auf dicken Eisplatten vor der Shiretoko-Halbinsel im Nordosten von Hokkaido. Foto: (c) JNTO

Treibeis aus der Mündung des russischen Stroms Amur wandert südwärts bis zur japanischen Insel Hokkaido. Auf Shiretoko spazieren Abenteuerlustige in Thermoanzügen über Eisschollen oder floaten im Meer.

Infernalisches, dumpfes Grollen und Brummen dröhnt übers Eis, über seine Brüche, Rinnen und aufgekanteten Schollen. Es ist laut. So laut, als stamme es aus den Monster-Lautsprechertürmen eines Heavy-Metal-Konzerts. Millionen Tonnen von Eis schieben sich übereinander. Sie reiben sich aneinander, zermalmen sich, fallen auseinander. Immer wieder unter einem unfassbaren Ächzen, Knallen und brachialen Knarzen. Dazu mischt sich ein ohrenbetäubendes, schrill-hohes Pfeifen. Das ist der Sound des Treibeises vor Hokkaido. Er zählt zu den „100 Soundscapes of Japan“.

 

Eis-Driften im Ochotskischen Meer

Der Schauplatz? Das Ochotskische Meer, das bis zu 3370 Meter tief ist. Eine riesige See, die im Winter komplett zufriert und von Sibiriens Flüssen mit Treibeis gefüttert wird. Ein Meer, in dem Forscher erst vor drei Jahren eine bis dato unbekannte Schnabelwal-Art entdeckten. Das Ochotskische Meer ist die Heimat von tonnenschweren Stellerschen Seelöwen und Riesenseeadlern mit knapp drei Meter Flügelspannweite. Es markiert die Endstation des Amur.

Nach 2800 Kilometern vermischt sich dessen Wasser mit dem salzigen Meerwasser und gefriert zu dicken Eisschollen. Diese driften zwischen Ende Januar und Anfang März lärmend südwärts und kommen vor der Shiretoko-Halbinsel im Nordosten von Hokkaido zum Halt. Es ist der südlichste Punkt auf der nördlichen Hemisphäre, an dem man regelmäßig große Treibeisflächen beobachten kann.

Schwimmpartie im Eismeer

Viele Besucher bestaunen das Spektakel direkt vom Ufer aus. Andere buchen eine Fahrt mit den Eisbrechern „Garinko“ und „Aurora“, die bis zu siebenmal pro Tag von Mombetsu und Abashiri aus zu Fahrten durch die Schollen ablegen (ab 28 Euro Yen, 0,20 Euro). Wer jedoch richtigen Thrill und echte Action sucht, der macht von der Hafenstadt Utoro aus eine der geführten Wanderungen auf dem Treibeis mit (90 Minuten, ab 40 Euro).

Das Marine Enterprise Project Shiretoko und der Veranstalter Shinra bieten solche „Drift Ice Walks“ an, die auf Wunsch auch zur Schwimmpartie werden können. Aber das ist auch im eiskalten Wasser kein Problem. Denn die dicken Thermo-Trockenanzüge, die man geliehen bekommt, halten Drift-Ice-Abenteurer während der 90-minütigen Tour warm und trocken.

Bären im Nationalpark Shiretoko

Ausgangspunkt der Drift Ice Walks ist der Fischerort Utoro mit dem markanten Oronko Rock und unweit des Nationalparks Shiretoko, in dem die größte Bärenpopulation in ganz Japan zu beobachten ist. Unter Führung von orts- und eiskundigen lokalen Fischern erkunden die Teilnehmer der Drift Ice Walks sicher die Zauberwelt des Treibeises.

Manche legen sich auf die Eisschollen und lassen sich mit ihnen treiben. Die Mutigen steigen ins Wasser und „floaten“ zwischen dem Eis. Das ist im Februar am spannendsten, dann sind die Eisschollen am dicksten. Boarder und Carver gönnen sich im Anschluss an das Treibeisabenteuer den besten Puderschnee der Welt – am „anderen Ende“ der Insel Hokkaido, im äußersten Südwesten bei Sapporo.

Traum-Schnee und Tiefschnee-Vergnügen

Flockig, leicht und trocken ist dieser „Japow“, ein Traum für Backcountry-Touren auf Skiern oder Boards. Bis zu 15 Meter Pulverschnee fallen in Niseko im Lauf eines Winters. Fürs entspannte Tiefschnee-Vergnügen schließt man sich am besten ortskundigen Locals wie den Hanazono Powder Guides an.

Niseko bietet neben 45 Kilometer Piste und elf offiziellen Powder-Slopes über ein Dutzend Onsen fürs Après-Ski im wohltuenden warmen Thermalwasser. Unsere Tipps? „Goshiki“, „Ikoino Yuyado Iroha“ oder das elf Kilometer entfernte „Makkari Onsen“ mit Sauna und einem unfassbaren Blick auf den ebenmäßigen Bergkegel des Yotai. Entspannen im heilsamen Thermalwasser nach wildem Spaß in meterhohem Powder oder zwischen Treibeisschollen – so was kann man nur in Japan machen. Arigato Gozaimasu! (auf Deutsch: vielen Dank).

Info: Hokkaido

Anreise
Von Stuttgart nach Sapporo mit Swissair oder ANA mit zwei Zwischenstopps, https://ana.co.jp/de/de/. EVA Air fliegt ab München mit einem Zwischenstopp, www.evaair.com/de-de/index.html.

Unterkunft
Hotel Kifu Club Shiretoko: fantastisch gelegenes Haus in Utoro. 10 Minuten zum Shireteko National Park, Schneeschuhverleih, 15 Gehminuten zum Busbahnhof, sehr gute Küche, DZ/HP ab 200 Euro: https://kifuu.com. Shiretoko Village: Hotel mit einfachen Zimmern und Gemeinschaftsbad, DZ/F ab 125 Euro: https://Shiretoko-mura.jp. Jozankei Tsuruga Resort Spa: schöner Ryokan mit traumhaftem eigenen Onsen und ausgezeichneter japanischer Küche bei Sapporo, Cottage Rooms bieten sogar private Outdoor-Hot-Spring-Bäder, DZ/HP ab 250 Euro: www.morino-uta.com/en/ .

Aktivitäten
Drift-Ice-Touren bietet unter anderem spezielle Winter-Wanderungen auf driftenden Eisschollen an: https://shinrashiretoko.wixsite.com/shinra/winter-tour. Powderguides für geführte Tiefschneetouren in Niseko: https://hanazononiseko.com/en/winter/activities/backcountry-guiding. Eisbrecher-Cruises mit „Garinko“: https://o-tower.co.jp/.

Allgemeine Informationen
www.japan.travel/de/de/

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