Reitsport Voltigieren ohne Pferd

Egal ob Aufschwung, Fahne oder Standwaage – auf dem „Dolly Jumper“ die Balance zu halten, ist gar nicht so einfach. Foto: tki

Neben echten Pferden setzt die Voltigier-Abteilung des Reit- und Fahrvereins Wernau auch auf einen „Dolly Jumper“. Der Simulator erfreut sich großer Beliebtheit.

In der Halle des Reit- und Fahrvereins Wernau beginnt das Training der Voltigier-Mädels. Wie auch beim Turnen müssen sich alle erst einmal aufwärmen. „Sonst verletzt man sich“, erklärt Julia Beuck, Kassiererin im Verein und für die Organisation der Voltigier-Abteilung zuständig. Warmlaufen, Turn- und Dehnübungen – das volle Programm. Dann kann es aufs Pferd gehen.

 

Doch von diesem fehlt am heutigen Tag jede Spur. Stattdessen steht im Trainingsraum ein Gerät, das auf den ersten Blick an einen Sprungkasten aus dem Sportunterricht erinnert. Das ist der „Dolly Jumper“, ein Voltigiersimulator, der in Wernau seit knapp zwei Jahren das Training ergänzt. Denn echte Pferde gibt es in der Voltigier-Abteilung selbstverständlich auch. Yellow, Bobby und Hilde fressen neben ihrer Stallung einige Hundert Meter entfernt ganz gemächlich ihr Heu. Sie haben an diesem Abend Pause.

Voltigieren am Simulator üben

Seit 2019 wird im Reit- und Fahrverein voltigiert. Damals begann alles mit Yellow. Die heute 30 Jahre alte Haflingerstute „bespaßt jetzt die kleinen Geschwister der Volti-Mädels“, sagt Beuck mit einem Lachen. Die Pferde gehören alle Vereinsmitgliedern, die sie dem Verein zur Verfügung stellen. Da der Reitverein selbst keine Stallungen habe, gebe es keine vereinseigenen Schulpferde für das Training, erklärt Beuck.

Aktuell gibt es in der Voltigier-Abteilung drei Gruppen mit insgesamt 22 Kindern. Trainiert werden sie von Carola Reutter. Die Trainerin aus Köngen ist seit 2019 dabei. Mittlerweile habe sich die Gruppe auch einen Namen machen können, erklärt Beuck. Insgesamt drei Voltigier-Turniere habe man bereits ausgerichtet, zwei davon haben die Kinder gewonnen. „Da sind wir auch echt stolz drauf“, sagt Beuck.

Simulator erleichtert das Training

Für die Zukunft sei es ihr Traum, auch eine Voltigiergruppe auf dem Großpferd zu haben, erklärt Beuck. Dies wäre gerade für die älteren Kinder eine Bereicherung. Aktuell suche der Verein aber noch nach Pferdebesitzern, die ihr Pferd hierfür zur Verfügung stellen würden. Ein Traum, der bereits in Erfüllung ging, ist der „Dolly Jumper“. Bei Auswärtstrainings hätten die Kinder immer wieder auf ähnlichen Voltigiersimulatoren trainiert, was allerdings meist mit einer langen Fahrt und hohem Aufwand verbunden war. Deshalb hätten sich Vorstand und Abteilung schlau gemacht und sich mit anderen Vereinen ausgetauscht, erklärt Beuck. So kam Ende 2023 der „Dolly“ – wie ihn alle nur nennen – nach Wernau. „Die Kinder haben ihn quasi zu Weihnachten bekommen“, sagt Beuck.

Für den Verein war es eine große Investition, immerhin kostete die Maschine insgesamt 9200 Euro. Man habe das Gesparte der vergangenen Jahre genommen, Sponsoren gefunden, einen Spendenaufruf gestartet und viele Waffeln verkauft, erklärt Beuck. Verein und Abteilung seien sehr familiär, jeder packe mit an. „Wir sind klein aber fein“, sagt Beuck.

Gerät simuliert die Bewegungen des Pferdes

Die Maschine ist kastenförmig, oben gepolstert und hat einen Gurt mit Haltegriffen für die Übungen. Wird sie angeschaltet, kann sie die Bewegungen des Pferdes simulieren. Dabei kann vieles eingestellt werden, beispielsweise Geschwindigkeit oder die Intensität der Bewegung. „Das sieht vielleicht einfach aus, aber wenn man oben sitzt, ist es gar nicht so einfach“, sagt Beuck.

Der Dolly bringt auch einige Vorteile mit sich. „Wenn ein Pferd mal krank ist, fällt es aus und man muss auf den Holzbock. Bei uns gehen die Kinder dann auf den Dolly“, erklärt Beuck. Außerdem werde die Maschine nie müde. „Man kann dort auch die Sachen üben, die man auf dem Pferd nicht kann“, sagt eins der Mädchen, das gerade noch eine „Fahne“, eine akrobatische Figur, auf dem Dolly gemacht hat. Für die Trainerin sei es zudem von Vorteil, dass sie direkt daneben stehen könne und nicht wie bei den echten Pferden die Longe halten müsse, erklärt Beuck. Mit den beiden Pferden und dem Dolly ist zudem gewährleistet, das jede der drei Gruppen an einem Trainingstag trainieren kann.

Aufgrund der allgemeinen Begeisterung für den Simulator – auch bei anderen Vereinen – soll am 15. November auch das erste „Dolly-Jumper-Turnier“ in Wernau ausgetragen werden. „Im Prinzip ist das ein normales Volti-Turnier, nur ohne Pferd“, erklärt Beuck. Die Vorbereitungen liefen bereits auf Hochtouren und man arbeite daran, dass das Turnier ein voller Erfolg werde, fügt sie hinzu.

Voraussetzung fürs Voltigieren ist Spaß am Turnen

Verein
Die Idee für die Gründung des Reit- und Fahrvereins in Wernau kam 1978 von einigen Pferdefreunden. Die vereinseigene Reithalle wurde 1984 eingeweiht. Um die Halle herum befinden sich zudem noch zwei Rasen-Springplätze und ein Sandplatz.

Voltigieren
Die Kinder in den Wernauer Voltigiergruppen sind etwa sieben bis zwölf Jahre alt. „Die beste Voraussetzung fürs Voltigieren ist eigentlich Spaß am Turnen und an der Bewegung“, sagt Beuck. Zudem sei es wichtig, sich immer bewusst zu sein, dass man mit einem Lebewesen arbeite.

Voraussetzungen
Um für das Voltigieren geeignet zu sein, muss ein Pferd bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Zum einen muss es in verschiedenen Gangarten longierbar sein. Die „Longe“ ist eine Art Leine, mit der das Pferd im Kreis geführt wird, während die Sportlerinnen und Sportler auf ihm ihre turnerischen und akrobatischen Übungen vollführen. Zudem darf es nicht schreckhaft und sollte unempfindlich sein.

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