Rems-Murr-Kreis: Was bedeuten die schwarzen Manschetten an den Strommasten?

Holzstrommasten werden zurzeit kontrolliert und saniert. Dabei spielen auch Manschetten eine wichtige Rolle.
RodenhausenVon außen wirken sie unscheinbar. Doch was in diesen Tagen mit einigen Holzmasten im Rems-Murr-Kreis geschieht, hat es in – beziehungsweise um sich. Wie der Netzbetreiber Syna mitteilt, erhalten hunderte Masten derzeit eine Art Holzverband.
Wer genau hinsieht, entdeckt am unteren Ende der Strommasten eine dunkel glänzende Manschette: Eine unscheinbare Rettungsmaßnahme für ein oft übersehenes Rückgrat unserer Stromversorgung.
Holzschutz für stabile Energieversorgung im ländlichen Raum
Was auf den ersten Blick wirkt wie eine kosmetische Maßnahme, ist in Wahrheit eine strategische Pflege: Die Masten tragen künftig Schutzbandagen aus Holzschutzmittel – ein Schild gegen Pilzbefall, Insektenfraß und langsamen Verfall. Denn dort, wo Holz auf feuchten Boden trifft, beginnt unweigerlich ein biologischer Abbauprozess. „Die Bandagen verhindern, dass sich Fäulnis und Schädlinge in das Holz fressen“, erklärt ein Sprecher der Firma Kremer Mastenschutz, die im Auftrag der Syna die Maßnahmen durchführt.

Die Manschette am Fuß des Strommasts dient dem Holzschutz.
Foto: Frank RodenhausenEs geht um mehr als um Ästhetik: Die Holzmasten tragen Strom – und Verantwortung. Besonders in ländlichen Regionen wie dem Rems-Murr-Kreis verlaufen viele Nieder- und Mittelspannungsleitungen noch als Freileitungen über hölzerne Träger. Werden diese schwach, wackelt die Versorgung.
Seit dieser Woche ist die Fachkolonne zwischen Allmersbach im Tal und Winnenden im Einsatz. Mit GPS, Augenschein und Werkzeug prüfen sie Standfestigkeit, Holzqualität – und verarzten, was gerettet werden muss. Auf Privatgrundstücken bittet die Syna die Anwohner um Verständnis und Zugang. Ausgewiesen sind alle Mitarbeiter mit Dienstausweis und Lichtbild.
Parallel in Auenwald: Strom unter die Erde verlegt
Während die Masten oben versorgt werden, tut sich im Boden ebenfalls Entscheidendes: Parallel zu den Arbeiten beginnt in Auenwald die Verlegung neuer Mittelspannungs-Erdkabel. Zwischen Oberbrüden und Heslachhof entstehen auf 1500 Metern neue Stromadern. Auch in der Rosenstraße, im Tulpenweg und im Forstweg wird gegraben, angeschlossen, modernisiert.
Besonders bemerkenswert: Im Heslachhof wird das gesamte Ortsnetz von der alten Freileitung auf moderne Erdkabel umgestellt – samt 17 neuen Hausanschlüssen. „Die Maßnahme erhöht die Leistungsfähigkeit und Versorgungssicherheit des Netzes erheblich“, erklärt Michael Kronmüller, der Planungsleiter der Syna in Murrhardt.
Erdkabel sichern das Netz von morgen – jetzt in Auenwald
Die sichtbare Modernisierung wird von einer unsichtbaren Revolution begleitet: In Oberbrüden und Heslachhof entstehen zwei digitale Ortsnetzstationen – smarte Transformatoren, die das Stromnetz nicht nur steuern, sondern auch überwachen. Temperatur, Spannung, Auslastung: Alles wird in Echtzeit an die Syna-Leitstelle gesendet. Fehler werden früh erkannt, Ausfälle schneller behoben.
Was auf den ersten Blick wie Routine aussieht – Bandagen, Bagger, Kabel – zeigt sich bei genauerem Hinsehen als ein leiser Kraftakt im Hintergrund unseres Alltags. Der Energiemarkt ist im Wandel, Stromflüsse werden komplexer, Netze sensibler. Die Maßnahmen der Syna im nördlichen Rems-Murr-Kreis sind kein Selbstzweck, sondern ein Baustein für ein resilienteres Energiesystem. Bis spätestens Frühjahr 2026 sollen die Tiefbauarbeiten abgeschlossen sein.
