Remshalden in der Region Stuttgart Tausende Euro Verlust – Dieser Blitzer stellt nur 27 Verstöße im Jahr fest

Der Landkreis Rems-Murr betreibt nur noch einen stationären Blitzer. Foto: imago//Eibner

Seit 30 Jahren steht eine stationäre Messanlage zur Verkehrsüberwachung in Remshalden im Rems-Murr-Kreis. Laut einer Auswertung unserer Zeitung hat sie einen einzigartigen Status. Warum steht sie dort, obwohl sie große Verluste einfährt?

Stadtkind: Erdem Gökalp (erg)

Er ist der letzte seiner Art. Wie ein Mahnmal steht der Blitzer einsam und wacker im Ortskern und bewacht die Straße, ohne viel zu tun zu haben. Die Autofahrer halten sich in der Schorndorfer Straße in Remshalden (Rems-Murr-Kreis) brav an das Tempolimit von 50 Kilometern pro Stunde. Die Menschen in der 14 000-Einwohner-Gemeinde dürften mit der Anlage, die dort seit 30 Jahren steht, auch durchaus schon vertraut sein. Der Blitzer im Ortsteil Grunbach war im Jahr 2022 für gerade mal 27 Buß- und Verwarngelder für das gesamte Jahr verantwortlich. 985 Euro wurden in dem Jahr eingenommen – die Verwaltungskosten liegen etwa beim Fünffachen.

 

Blitzer wurde Anfang der 90er aufgestellt

Eine Auswertung unserer Zeitung hat ergeben, dass der Blitzer in der Gemeinde entlang der Bundesstraße B 29 eine der unlukrativsten Messanlagen in der Region Stuttgart ist. Der Grund, warum der Blitzer noch immer dort steht, ist, dass er für die Bewohner in Remshalden eine Art sentimentalen Wert zu haben scheint.

„Der Blitzer wurde Anfang der 1990er Jahre auf Wunsch der Gemeinde Remshalden errichtet, nachdem es einen schweren Unfall gegeben hatte“, sagt Rojda Firat, Pressesprecherin des Landratsamts im Rems-Murr-Kreis. Zum damaligen Zeitpunkt seien in der Gemeinde Remshalden vier Messstellen eingerichtet worden. Heute steht dort nur noch eine, es ist die letzte stationäre Messanlage, die das Landratsamt im gesamten Kreis noch betreibt.

Mehr mobile Blitzer

Fünf Jahre zuvor gab es in Remshalden noch einen zweiten Blitzer. Dieser stand laut Auskunft des Landratsamtes im Bereich des Ortsausgangs in Richtung Grunbach in der Großheppacher Straße und hat sich bedeutend mehr gelohnt. Gemeinsam haben die beiden Blitzer 65 000 Euro Einnahmen generiert. Die Verwaltungskosten von 4500 Euro wurden da mit weitem Abstand wieder reingeholt. Er wurde jedoch bei Straßenbauarbeiten vor einigen Jahren zerstört und seitdem nicht mehr aufgebaut. Zuständig ist die Gemeinde Remshalden.

Ohnehin liegt der Fokus für das Landratsamt bei der Verkehrsüberwachung seit geraumer Zeit nicht mehr bei stationären Blitzer-Anlagen, die nach kurzer Zeit jeder kennt. Laut dem aktuell geltenden Beschluss des Umwelt- und Verkehrsausschusses aus dem Jahr 2008 liegt der Schwerpunkt bei der Geschwindigkeitsüberwachung bei mobilen Messungen. Doch von dem letzten Blitzer im Kreis will sich das Landratsamt trotz roter Zahlen dennoch nicht trennen.

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