Nach dem Renteneintritt bleibt Ruheständlern in Deutschland meist nur ein Bruchteil ihres früheren Einkommens. Wie viel Rente monatlich auf dem Konto landet, hängt von mehreren Faktoren ab.

Leben: Markus Brauer (mb)

Ende Juni gab es gute Nachrichten für die 21,22 Millionen Rentner in Deutschland: Im Westen sind die Renten zum 1. Juli um 5,35 Prozent, im Osten um 6,12 Prozent gestiegen. Auf das gesamte Jahr 2022 gesehen, handelt es sich um eine Rentenerhöhung von 2,68 Prozent in Westdeutschland und 3,06 Prozent in Ostdeutschland.

Einnahmen der Deutschen Rentenversicherung

2021 nahm die Deutsche Rentenversicherung insgesamt 347,66 Milliarden Euro ein. Davon waren rund 260 Milliarden Beitragseinnahmen der 56,77 Millionen Versicherten, der Rest waren unterschiedliche Bundeszuschüsse aus Steuergeldern.

Eigentlich, so denken jetzt viele, müsste das doch genug Geld sein, um allen Rentnern ein auskömmliches Altersgeld zukommen zu lassen. Doch wie sieht die Realität aus? Wie hoch ist die Durchschnittsrente in Deutschland?

Hier kommen Sie zur Gesamtstatistik der Deutschen Rentenversicherung.

Rentenniveau

Da das Rentenniveau derzeit bei 48 Prozent liegt, müssen Rentner mit etwas weniger als der Hälfte des bisherigen Einkommens auskommen. Für viele Senioren reicht die Rente kaum zum Leben.

Durchschnittsrente

Die Standardrente – auch Eckrente oder Durchschnittsrente genannt liegt der aktuellen Statistik der Deutschen Rentenversicherung zufolge in den alten Bundesländern bei 1620,90 Euro brutto. In den neuen Bundesländern kann ein Standardrentner mit einer Brutto-Rente von 1598,40 Euro rechnen (Stand: 1. Juli 2022).

Das sind netto vor Steuern in den alten Bundesländern 1442,60 Euro und in den neuen Bundesländern 1422,58 Euro monatlich.

Doch was bekommt der Ruheständler von dieser Netto-Durchschnittsrente tatsächlich netto auf sein Konto ausgezahlt?

Brutto- und Nettorente

Die individuelle Rentenhöhe in Euro wird durch die Bruttorente, den Rentenzahlbetrag nach Abzug der Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung sowie die Nettorente vor und nach Steuern angegeben.

Steuerpflichtige Rentner

Jeder Rentner ist steuerpflichtig. Ob er auch Steuern zahlen muss, hängt unter anderem von der Höhe seiner Rentenbezüge ab.

Wie viel Steuern ein Durchschnittsrentner zahlen muss, lässt sich nicht pauschal sagen. Grund ist die Einführung der sogenannten nachgelagerten Besteuerung im Jahr 2005. Seitdem werden Renten nicht mehr einheitlich besteuert.

Abzüge von der Durchschnittsrente

Neben dem steuerlichen Grundfreibetrag, der allen Steuerzahlern zusteht, gibt es für Rentner noch den sogenannten Rentenfreibetrag. Wie hoch dieser ist, richtet sich nach dem Jahr, in dem man in Rente gegangen ist. Bis 2040 soll der Rentenfreibetrag auf null sinken. Von da an müssen Neurentner ihre gesamte Rente versteuern.

Nachdem die Freibeträge berechnet sind, werden von der Bruttojahresrente vor Steuern die gesetzlichen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung abgezogen (zusammen 10,95 Prozent). Berechnungsgrundlage hierfür ist die volle Jahresrente ohne Abzüge der Freibeträge.

Nettorente nach Steuern

Die Nettorente nach Steuern meint den Geldbetrag, der dem Ruheständler wirklich monatlich zur Verfügung steht. Wie hoch ist dieser im Durchschnitt?

Bei Frauen lag die reguläre Altersrente – auch Regelaltersrente genannt – 2021 nach allen Abzügen im Schnitt bei 856,05 Euro. Männer erhielten durchschnittlich 1203,53 Euro. Damit erhalten Männer im Schnitt weiter rund 40 Prozent mehr gesetzliche Rente als Frauen.

Nach Angaben des Bundessozialministeriums stehen jeder fünften Rente beziehenden Person monatlich weniger als 500 Euro zur Verfügung.

Der tatsächliche Betrag, der jeden Monat ausgezahlt wird und den ein Rentner zur Verfügung hat, ist also deutlich niedriger als die Durchschnittsrente 1620,90 bzw. 1598,40 Euro.

Der Eckrentner – eine fiktive Rechengröße

Maßstab für die Berechnung der Durchschnittsrente ist der sogenannte Eckrentner. Man könnte auch sagen Durchschnittsrentner.

Die fiktive Rechengröße des Eckrentners wird dazu verwendet, das Standardrentenniveau sowie den Nachhaltigkeitsfaktor zu berechnen.

Der Eckrentner zahlt 45 Jahre Beiträge in die Rentenversicherung ein.

Er verdient jedes Jahr das Durchschnittsgehalt aller Versicherten.

Beim Rentenbeginn erreicht der Eckrentner die Regelaltersgrenzen.

Beim Rentenbeginn besitzt der Eckrentner 45 Entgeltpunkte.

Der reale Rentner

Auf 45 Beitragsjahre kommen nur sehr wenige Rentner. Viele Versicherte müssen aber mit wesentlich niedrigeren Altersrenten als der Standardrente rechnen.

Abzüge gibt es beispielsweise, wenn das Gehalt regelmäßig unter dem Durchschnitt liegt. Lücken im Erwerbsleben führen ebenfalls zu einer niedrigeren Rente. Insgesamt kommt der Durchschnittsdeutsche auf deutlich weniger Beitragsjahre als der Standardrentner der Deutschen Rentenversicherung.