Es mag befremdlich klingen, wenn mit derselben Besetzung aus einem japanischen ein französisches Restaurant wird. Aber der Küchenchef hat in beiden Ländern gearbeitet, die eine Liebe zur höchstpräzisen Produktküche verbindet. Aus dem Hiro wurde also Le Bouquet, wo Keisuke Yamao den Gründer Hiroki Yukawa abgelöst hat. Ansonsten ist das Team im Familienbetrieb identisch. Und auch der Sushi-Meister Toshi Miyaji ist weiterhin dabei, nun eben mit anderen Aufgaben in der Küche.
Für 68 Euro kann man sich drei Gänge aussuchen
Das Konzept dieser manchmal eleganten, manchmal rustikalen „Bistronomie“ sieht so aus, dass man sich aus den wechselnden Vorspeisen, Hauptgerichten und Desserts für 68 Euro ein Drei-Gänge-Menü zusammenstellen kann, bei Produkten wie Trüffel mit Aufpreis. Nach einem Gruß und Süßkartoffel-Espuma zum Brot bekommen wir eine flambierte, saftige Makrele. Der Rettichsalat dazu hat eine leicht überpräsente Ingwernote, das Kartoffel-Nori-Püree ist recht blass, was aber durch eine Physalis-Miso aufgefangen wird. Die zweite Vorspeise mit einer Potage aus Pilzen, Hafermilch und Maronen ist rund, aber ohne besonderen Kick.
Herzhafte Hauptgerichte, effektvolle Desserts, spannende Weine
Den gibt es dafür in einem herzhaften Iberico-Schwein-Eintopf, in dem zwei große zarte Stücke mit grünen Bohnen in einer kleinen Cocotte mit samtiger Rotweinsoße baden. Auf einem Extrateller sind im Kreis angerichtet frisches Gemüse und ein Gratin Dauphinois, eine Art Kartoffel-Millefeuille mit nicht tausend, aber doch zehn Schichten. Sehr gut gefällt uns auch das zweite Hauptgericht: eine Wirsingroulade mit Kabeljau in einer nicht zu dicken Yuzu-Butter-Soße, dazu ein saftiges Artischockenherz, knackiger Rosenkohl und wilder Brokkoli. Bei den Desserts wird noch einmal aufgetrumpft: Das Matcha-Tiramisu mit Azukibohnen, Mango und einer großen Schaumnocke Mascarpone-Espuma ist angenehm herb statt süß. Die im Kern noch leicht flüssige Creme brûlée mit der fein-säuerlichen Note eines Cranberry-Eises zum Ausgleich wird am Tisch mit Grand Marnier flambiert.
Das eher nüchterne Ambiente mit viel Holz und hohem Geräuschpegel wird durch einen sehr zugewandten Service kompensiert. Die Tochter Hana Yukawa ist nicht nur fröhlich-freundlich, sondern agiert auch souverän mit den Weinen am Tisch. Das Angebot ist – zwischen einigen Sake – zwar überschaubar, aber mitunter sehr hochwertig, auch bei den offenen. Und: Der von uns bestellte Arbois Savagnin von der Domaine André et Mireille Tissot, der uns mit seiner strengen Naturnote partout nicht schmecken will, wird nicht berechnet (13 Euro für 0,1 l) und gegen einen Campana Blanc vom Château Beauregard-Mirouze (6, 50 Euro für 0,1 l) ausgetauscht. So eine Gastfreundschaft ist wirklich selten!
Service
Le Bouquet, Rotenwaldstraße 43, S-West, 07 11 / 95 89 95 59, Mittwoch bis Sonntag 18 bis 22 Uhr, Samstag/Sonntag auch 12 bis 14.30 Uhr, www.lebouquetstuttgart.com
Bewertung
Essen ****Service *****Atmosphäre ******** = herausragend, ****= überdurchschnittlich, *** = gut, **= Luft nach oben, * = viel zu verbessern