Rettungsheli in Pattonville „Ich bin schockiert“ – künftig sind Nachtflüge in Pattonville erlaubt

Der Rettungshubschrauber bei Pattonville darf nun nachts starten und landen. Foto: Lichtgut/Oliver Willikonsky

Die Entscheidung des Regierungspräsidiums künftig den Nachtbetrieb des Rettungshuschraubers bei Pattonville zu erlauben, stößt auf heftige Kritik. Klagen die Anwohner nun?

Ludwigsburg: Frank Ruppert (rup)

Der Rettungshubschrauber am Flugplatz Pattonville darf künftig auch nachts starten und landen. Das Regierungspräsidium Stuttgart, das als Luftfahrtbehörde und Luftsicherheitsbehörde zuständig ist, hat den Antrag des Flugplatzbetreibers genehmigt. Künftig sind in der Zeit von 22 bis 6 Uhr jährlich bis zu 800 sogenannte Flugbewegungen zulässig.

 

Den Antrag hatte der Flugplatzbetreiber gestellt, ein Verein, der vor allem die Hobbypiloten am Flugplatz vertritt. Neben kleinen Flugzeugen befindet sich auf dem Flugplatz Pattonville, der auf Stuttgarter Gemarkung direkt gegenüber von Pattonville liegt, aber auch ein Standort der Luftrettung DRF. Im Zuge des Umbaus der Luftrettung im Land, will die Landesregierung eine bessere Abdeckung mit Rettungshubschraubern erreichern.

Ein wichtiger Bestandteil dieser Pläne ist dabei der künftige Nachtbetrieb am Standort Pattonville. Aktuell darf der Hubschrauber von 8 Uhr bis zum Sonnenuntergang starten und landen. 2024 flog Christoph 51, so der Name des Hubschraubers, zu 913 Einsätzen.

Auch die Hobbyflieger dürfen künftig häufiger startenn und landen. Foto: Simon Granville

Schon bei der Bürgerinfoveranstaltung zur geplanten Ausweitung des Flugbetreibs im Juni 2024 regte sich Widerstand. Die Bebauung in Pattonville ist nah, und keine 200 Meter vom Hubschrauberlandplatz wohnen Menschen. Die formierten sich schnell gegen die Pläne und man zweifelt die Werte im Gutachten des RP an, auf dem die Genehmigung nun fußt. Der Lärm sei viel größer als dort errechnet.

Regierungspräsidium: Fluglärm in Pattonville zumutbar

„Insbesondere die Fluglärmthematik war Gegenstand zahlreicher Einwendungen“, sagt das Regierungspräsidium. „Durch gutachterliche Ermittlung und Beurteilung der zu erwartenden Fluglärmimmissionen wurde aufgezeigt, dass die vom Flugplatz ausgehende Lärmbelastung für die angrenzenden Anwohnerinnen und Anwohner entsprechend der geltenden Vorschriften grundsätzlich zumutbar ist“, teilt das RP mit.

Lediglich für einige Wohnbebauungen im südwestlichsten Bereich von Pattonville könnten zusätzlich passive Lärmschutzmaßnahmen für einen adäquaten Lärmschutz in der Nacht notwendig werden, heißt es von der Behörde.

Anwohner-Messungen ignoriert: Lärm über Grenzwerten festgestellt

Beim Lärm hatten Anwohner schon früh ernst gemacht und selbst eine professionelle und dauerhafte Messung durchgeführt. Die kam zu deutlich über den zulässigen Grenzwerten liegenden Ergebnissen bei Starts und Landungen des Rettungshubschraubers.

„Ich bin schockiert. Es ist unbegreifbar, dass die von uns im Rahmen der Einwendungen vorgebrachten Fakten und das Gutachten der Dekra nicht berücksichtigt wurden“, sagt Jochen Siers, einer der Anwohner aus Pattonville. „Wir sind gespannt, was das RP unter dem passiven Lärmschutz versteht und welche Maßnahmen geplant sind.“ Auch seine Nachbarin Jasmine Schrägle zeigt sich konsterniert. Dass selbst die von den Städten Remseck und Kornwestheim abgelehnte Ausweitung des Hobbyflugbetriebs nun genehmigt wurde, schockiere sie.

„Wir werden uns im Nachbarschaftsverbund besprechen, welche weiteren rechtlichen Schritte nun eingeleitet werden“, sagt Schrägle. Laut Regierungspräsidium ist eine Klage gegen die Genehmigung möglich.

Wann der erweiterte Flugbetrieb bei den Hobbypiloten (mehr Flüge weniger Dokumentationspflichten) nun unter den neuen Vorgaben beginnt, hängt von der Zustellung der Genehmigung beim Antragsteller ab. In einer Bekanntmachung am Freitag ordnete die Behörde allerdings die sofortige Vollziehung der Änderungen hinsichtlich des Hubschrauber-Flugbetriebs an. Die Stadt Kornwestheim wollte zunächst keine Stellungnahme abgeben. Ähnlich äußerte sich die Verwaltung in Remseck am Neckar. Dort zeigte man sich aber „überrascht“ von der Pressemitteilung.

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