Das Schlagloch in der Heilbronner Straße ist inzwischen zugeschüttet. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Durch ein Schlagloch in Stuttgart wird das Auto des Abgeordneten Christian Jung beschädigt. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr – gegen die Stadt Stuttgart. Und Jung ist sauer.
Der Landtagsabgeordnete Christian Jung ist sauer. Und das nicht nur, weil sein Auto, ein Mercedes der C-Klasse, gerade in der Werkstatt statt in seiner Garage steht. Sondern vor allem, weil der FDP-Mann der Meinung ist, dass der Schaden an seinem Fahrzeug hätte verhindert werden können – wenn man bei der Stadt schnell genug auf eine Beschwerde über ein großes Schlagloch in der Heilbronner Straße in Stuttgart reagiert hätte. Allerdings lässt sich der Weg dieser Beschwerde nicht lückenlos nachvollziehen – und eine Anzeige gegen die Stadt ist auch auf dem Weg.
Christian Jung will die Schuldfrage geklärt wissen. Foto: FDP/DVP-Fraktion im Landtag
Der Landtagsabgeordnete der FDP fuhr am Abend gegen 18.50 Uhr auf der Heilbronner Straße stadtauswärts Richtung Karlsruhe. Auf Höhe des Pragfriedhofes habe es „plötzlich ganz furchtbar geknallt“, erinnert er sich. Er und die beiden Personen, die mit ihm im Auto saßen, seien erschrocken. „Okay, das muss ein riesiges Schlagloch gewesen sein“, habe er sich gedacht und umgehend die Polizei informiert, „weil es so krass ist“. Dann habe sich auch der Bordcomputer seines Wagens gemeldet, weil einer der Hinterreifen Luft verlor. „Ich hab an der nächsten Tankstelle angehalten. Der Reifen war komplett durch“, sagt Jung. Er vermutet, dass auf der einen Seite zwei Reifen und zwei Felgen beschädigt sind. Ob die Lenkung auch etwas abbekommen hat, werde noch geklärt.
Im Winter entstehen besonders viele Schäden am Straßenbelag. Foto: Fotoagentur Stuttgart/Andreas Rosar (Archiv)
Er habe sich dann erneut mit der Polizei in Verbindung gesetzt. Dabei habe er erfahren, dass es bereits am Nachmittag gegen 15 Uhr eine Mitteilung der Polizei an die Stadt gegeben habe. Am Abend, nach Jungs Unfallmeldung, gab die Polizei erneut eine Meldung an die Stadt durch. Das sei etwa um 18.50 Uhr gewesen, der Unfall war um 18.36, sagt Christian Jung.
Er habe nicht ganz nachvollziehen können, dass zwischen 15 Uhr und 18.30 Uhr nichts geschehen sei, obwohl die Stadt von den Vorfällen wusste. Dass dies nicht in Ordnung sei, sieht er auch davon gestützt, dass die Polizei eine Anzeige wegen des Verdachts des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr aufgenommen habe – weil auf den ersten Anruf nicht umgehend reagiert wurde. Die Polizei bestätigt das, es müsse aber noch ermittelt werden.
Die Reparatur war schon geplant
Die Stadt nimmt ausführlich Stellung zu dem Vorfall. Sie habe an dem Nachmittag eine gelbe Karte erhalten, mit der Anwohner auf das Schlagloch hinwiesen. Diese Beschwerde sei umgehend an das Tiefbauamt weitergeleitet worden. „Die Ausbesserung wurde direkt für den kommenden Morgen eingeplant“, sagt der Pressesprecher Sven Matis. Die Meldung der Polizei am Abend habe die Sache beschleunigt: Nach dem Anruf um 19 Uhr sei das Loch um 20 Uhr geflickt gewesen. Die Heilbronner Straße gehöre zu denjenigen Straßen in der Stadt, die wöchentlich begutachtet würden. Daher sei das Schlagloch wohl sehr kurzfristig aufgebrochen. Im Winter könnten Schlaglöcher sehr schnell entstehen, wenn der Boden gefriere und dann die Sonne drauf scheine. Der Temperaturunterschied setze dem Material zu. Den ersten Anruf der Polizei kann man im Rathaus nicht mehr nachvollziehen.
Wenn Gefahr besteht, muss die Polizei die schadhafte Stelle absperren – und Mitarbeiter des Tiefbauamts rücken sofort aus. /Andreas Rosar
Auch die Polizei hält bei ihren Streifenfahrten in der Stadt die Augen offen, versichert deren Sprecher Stephan Widmann. Wenn Beamtinnen und Beamte ein Schlagloch sehen, von dem eine Gefahr ausgehe, dann müssten sie anhalten und das absichern. Und natürlich die Stadt verständigen, damit der Schaden behoben werde.
Die Stadt kümmert sich um die Schadensabwicklung
Nicht nur die Polizei wird die Augen offen halten. „Ich werde da jetzt mehr drauf achten. Die Stadt Stuttgart sollte das Thema auf jeden Fall ernst nehmen. Ich hatte Glück im Unglück, aber für einen Motorradfahrer wäre das lebensgefährlich“, sagt der Landtagsabgeordnete. Er habe seinen Rechtsanwalt eingeschaltet. Denn auch wenn die Versicherung den Schaden an seinem Wagen zunächst übernehme, will er die Sache geklärt haben. „Ich will wissen, wer schuld ist – denn ich bin es nicht“, sagt er in Bezug auf die anstehende Reparatur an seinem Wagen. Sven Matis, der Sprecher der Stadt, hat da eine Antwort: „Die Schadensabwicklung mit dem Verkehrsteilnehmer übernehmen wir routinemäßig, wenn der Geschädigte sich bei uns meldet und seinen Schaden nachweist.“