Auf der schattigen Terrasse des Sulzburghofs hat Michael Kuch seine Familie um sich geschart. Bei Träubles- und Käsekuchen samt einer Tasse Kaffee beantwortet der Landwirt im hellgrünen Poloshirt mit dem schwungvollen Firmennamen geduldig die vielen Fragen, die ihm die drei angereisten Juroren stellen. Landwirt des Jahres will der Lenninger werden und den ersten Schritt hat er bereits gemacht: Kuch zählt zu den 21 Landwirten, die es unter 180 Teilnehmenden in sieben Kategorien in die Endrunde geschafft haben.
Der Hof ist die Keimzelle
„Ich wollte einfach mal schauen, was dabei herauskommt“, beschreibt Kuch seine Motivation, während er die Gäste zu seinem Fleckvieh führt. Rund 170 Rinder, darunter 80 Kühe, stehen in zwei großen Ställen. Viele Ausflügler kennen den Sulzburghof vor allem als Café-Restaurant mit Hofladen. Doch die Keimzelle des Anwesens, auf dem heute vier Generationen leben und arbeiten, ist der gleichnamige Bauernhof, ein Betrieb mit zwei Drittel Grünland mit Streuobstbestand und einem Drittel Ackerland.
Ausgeschrieben wurde der bundesweite Wettbewerb namens Ceres Award zum elften Mal von der Fachzeitschrift für Landwirte agrarheute aus dem Hause Deutscher Landwirtschaftsverlag. Michael Kuch hat sich in der Kategorie Rinderhalter beworben und wetteifert in der Finalrunde mit zwei Betrieben aus dem saarländischen Eppeldorn und der Gemeinde Wald im Ostallgäu.
Während die Vierbeiner mit Silagefutter versorgt werden, fachsimpeln die Besucher, zu denen auch Redakteur Markus Pahlke von agrarheute zählt, über Themen wie Milchpreis, Eiweißgehalt und Laktationsperiode. Eine ganze Liste solcher Details hat Juror Josef Schmidt vom Bundesverband Bioland bereits abgefragt, während sich Stephan Schneider vom Bundesverband Rind und Schwein für Kuchs Betriebsphilosophie interessiert.
„Wir verarbeiten so viele eigene Rohstoffe wie möglich und backen wie früher ohne Zusatzstoffe“, berichtet Mutter Angelika. Das eigene Getreide aus dem Lenninger Tal wird nach dem Weg über die örtliche Mühle zu Brot, Kuchen und Torten verarbeitet. Eier liefern die Tiere aus dem hofeigenen Hühnermobil, und die Milch landet im hofeigenen Eis und in sieben verschiedenen Käsesorten, die eigens im Allgäu hergestellt werden. Die Milch dafür wird alle paar Wochen in Lenningen abgeholt. Zu den Sorten gehört auch eine Art Bergkäse, der aber erst ab einer Lage von 800 Metern über dem Meeresspiegel als Bergkäse bezeichnet werden darf und auf dem Sulzburghof deshalb Lenninger Talkäse heißt. Echt schade findet Angelika Kuch, dass sich die eigene Rohmilch nicht aufschäumen lässt und sich daher nicht für den Cappuccino im Café eignet, also muss etwas zugekauft werden, während von der eigenen Milch rund 530 000 Liter pro Jahr an eine Molkerei in Bad Wörishofen verkauft werden. Der Vertrag mit Müller-Milch sei vor eineinhalb Jahren gekündigt. „Deren Philosophie passt nicht so gut zu uns“, sagt Michael Kuch mit Blick auf die europaweit agierende Unternehmensgruppe. Sein Hof suche nun nach einem regionalen Vermarkter. Auf dem Sulzburghof machte der landwirtschaftliche Betrieb mit der Milchviehhaltung früher den Hauptumsatz, doch längst haben Hofladen und Gastronomie dem Bauernhof den Rang abgelaufen, erklären Mutter und Sohn. Nachdem der Großvater Heinz Gökeler 1970 mit dem Hof aussiedelte, haben sie die Direktvermarktung nach und nach ausgebaut. Aus einer Verkaufsstelle für Milch wurde ein Minihofladen, dann kam ein Vesperstüble dazu, das nach zehn Jahren angebaut wurde. Und als klar war, dass neben Sohn Michael auch Tochter Sandra als Konditormeisterin einsteigen würde, entschied sich die Großfamilie laut Angelika Kuch zum vorerst letzten großen Schritt und baute für rund 3,5 Millionen Euro den neuen Hofladen mit Café, Wintergarten, Backstube und großzügigem Außenbereich. Die hofeigenen Backwaren werden inzwischen auch im Hofcafé in der Kirchheimer Innenstadt kredenzt. Während sich die Arbeit in Backstube, Gastronomie und Hofladen auf insgesamt 85 Schultern verteilt, bleiben Bauer Michael Kuch, seine Ehefrau Tina, der Vater Bernhard und der Großvater im landwirtschaftlichen Betrieb mit Ausnahme von wenigen Helfern unter sich. Auch Oma Gretel ist aktiv und für Lieferfahrten eingeteilt.
Auf der Suche nach einer regionalen Molkerei
„Es gibt nichts Schöneres als zu sehen, wie die nächste Generation in die beiden Betriebe hineinwächst“, ergänzt die Meisterin für ländliche Hauswirtschaft, Angelika Kuch, die stolz auf die vielen eigenen Produkte vom Gsälz, Sirup, Kartoffeln bis zu Eierlikör, Gebäck und Schokolade aus der hofeigenen Confiserie verweist. Und die Nudeln im Regal stammen vom Hof von Tochter Carmen im schwäbisch-fränkischen Jagstzell.
Das Image der Landwirtschaft soll gestärkt werden
Information
Wer sich für den Weg vom landwirtschaftlichen Rohstoff bis zum Endprodukt interessiert, kann auf dem Themenweg, der um den Sulzburghof führt, an acht Stationen vieles über Kälberaufzucht, Futtergewinnung, Streuobst und Kartoffelanbau erfahren. Ziegen und Hühner sind auch zu sehen.
Entdeckung
Am 21. Juli eröffnet in der Nähe des Sulzburghofs pünktlich zu den Sommerferien wieder das Maislabyrinth.
Wettbewerb
Mit dem Ceres Award, benannt nach der römischen Göttin des Ackerbaus, werden Landwirte in Deutschland und den Nachbarländern ausgezeichnet. Der Wettbewerb soll als öffentlichkeitswirksame Plattform dienen und das Image der Landwirtschaft stärken. Banken und Versicherungen für Landwirte zählen zu den Sponsoren. Der Hauptpreis ist mit 20 000 Euro dotiert und wird am 30. Oktober in Berlin verliehen. Schirmherr ist Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes.