An den Gymnasien im Landkreis tauchen schon die ersten Motivationsplakate auf, wie etwa am Göppinger Mörike-Gymnasium. Foto: Staufenpress
Für viele Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg hat die heiße Phase begonnen: das schriftliche Abitur. Rund um die Prüfungen hängen vielerorts auch Motivationsplakate. Lehrer aus dem Landkreis Göppingen sprechen über die damit verbundenen Mottos und Scherze.
Greta Schmid
30.04.2025 - 06:00 Uhr
Es ist wieder die Zeit der Abiturprüfungen. Eigentlich Stress pur für die Schülerinnen und Schüler. Mit dem Abitur kommen aber auch allerlei andere Dinge, wie Abimottos, -plakate oder -scherze. Am Freihof-Gymnasium in Göppingen hingen vor den Ferien noch keine Plakate, sagt der Schulleiter Andreas Pfletschinger. Das werde aber sicher noch kommen.
Spezielle Vorgaben für die Gestaltung der Plakate gebe es vonseiten der Schule nicht, es sollte allerdings nichts Anzügliches oder Diskriminierendes abgebildet sein, „da gab es aber noch nie Probleme“, berichtet der Schulleiter. Er selbst ist überzeugt, dass nicht die Größe des Plakates entscheidend ist, sondern die Botschaft, die die Schüler motivieren soll.
Auch am Stuttgarter Karls- Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt
Auch am Erich-Kästner-Gymnasium (EKG) in Eislingen suchte man vor Kurzem noch vergeblich nach Abiturplakaten. Der Schulleiter Stephan Arnold erklärt, die Schule gebe einen Zeitraum vor, in dem die Abiplakate an von der Schule bereitgestellten Wäscheleinen hängen dürfen. Auch bei der Größe wurde inzwischen eine Beschränkung eingeführt, „da manche Eltern in der Vergangenheit lastwagengroße Planen aufgehängt haben“, berichtet der Schulleiter. An eine sehr kreative Idee eines Vaters, der in der Baubranche tätig war, erinnere er sich immer noch. Dieser habe eine LED-Anzeigetafel auf einem Anhänger vor der Schule abgestellt.
Sind die Prüfungen überstanden, können die Schüler mit dem Abischerz noch einen letzten bleibenden Eindruck hinterlassen. Für die Späße gibt es aber durchaus Vorgaben, am EKG sogar einen Abischerzvertrag, „da schon einiges schieflief“, sagt Arnold. Die einzige andere Regelung, die immer gelte, sei das Verbot von Wasser beim Abischerz. Vor allem die Verantwortung für die Kinder in den unteren Klassenstufen, welche sich schnell erkälten könnten, wenn sie den ganzen Tag in nassen Klamotten ausharren müssten, sei hier entscheidend. In den letzten Jahren hätten sich die Abiturienten aber große Mühe gegeben, alle Schüler und Lehrer in das Programm einzubinden, erzählt Arnold. Davon hätten dann alles etwas.
Am Freihof-Gymnasium in Göppingen müsse vor allem der Termin abgesprochen werden, so Pfletschinger. Da der Unterricht wegen der Aktionen üblicherweise ausfalle, sei es wichtig, dass keine Klassenarbeiten oder ähnliches dadurch gestört würden. „Es sollte aber auch ein schönes Programm vorliegen“, erklärt er. Zudem sollte natürlich niemand durch den Scherz zu Schaden kommen. Der Schulleiter erinnert sich an einen Abistreich an einer früheren Schule, der nach hinten losging: Dabei wurden Lehrer zum Zweck des Bodypaintings in Overalls gesteckt, um die Kleidung vor der Farbe zu schützen. Leider ließen die Overalls die Farbe durch – und die Kleidung war ruiniert.
Ein passender Slogan zum Schulabschluss darf natürlich nicht fehlen. Sucht man im Internet, findet man viele Ideen wie „ABIn die Freiheit“ oder „ABI-Vegas“ oder „TeletABI – wir sagen Winke Winke“. Andreas Pfletschinger mahnt aber, dass es auch manche Mottos gibt, die eher unpassend sein können. Am schönsten sei es natürlich, wenn die Schüler sich das Motto selbst ausdenken, sagt Pfletschinger. In seiner Schulzeit gab es kein Abimotto, wohl aber ein Abi-T-Shirt, welches eine Mitschülerin damals selbst gestaltet habe. „Darauf ist ein Hürdenläufer abgebildet, der das Abi als letzte Hürde mit einiger Mühe gerade noch nimmt“, erzählt er. Das Shirt habe er noch und „es passt mir auch noch“, sagt er stolz.
Auch Stephan Arnold ist der Meinung, dass nicht jedes Motto passend ist. Die Vorschläge der Schüler werden von ihm und seiner Stellvertreterin geprüft. No-Gos seien für ihn „alle Themen, die mit Drogen oder Alkohol zu tun haben. Damit möchten wir das EKG ungern in Verbindung bringen“, erklärt er. Man bemühe sich aber, so offen wie möglich zu bleiben. Manchmal werde es ein Thema, bei dem man „im ersten Moment als Lehrer schlucken muss“, gesteht Arnold. In den vergangenen Jahren hätten die Abiturienten vor allem aktuelle Serien oder Spielfilme aufgegriffen, wie beispielsweise die spanische Erfolgsserie „Haus des Geldes“.
Nicht jeder Abischerz ist lustig
Ritual Woher die Idee der Abischerze stammt, ist nicht wirklich bekannt. Die Streiche werden meist als ein Ritual betrachtet und inszeniert, bei welchem die Abiturienten für einen bleibenden Eindruck sorgen wollen.
Schaden Doch diese Späße können auch nach hinten losgehen. Wie der SWR berichtete, führte ein Abistreich 2024 an einem Tübinger Gymnasium zu einer Überschwemmung in der Schule. Die Schüler hatten wohl über Nacht die Wasserhähne laufen lassen, wodurch das Foyer und der Fahrstuhl der Schule überflutet wurden. Anschließend wollten sie für den Schaden aufkommen und sich offiziell entschuldigen.