Rudersberg und Filderstadt Vom Hochzeitsstar zur Gastro-Marke – wie Timucin Kul das Achtwerk umbaut

Timucin Kul will das Achtwerk weiterentwickeln und setzt dabei auch auf Nachwuchskräfte wie Viola Weber. Foto: Gottfried Stoppel

Das Achtwerk in Rudersberg wächst über Hochzeiten und Firmenfeiern hinaus. Mit dem Einstieg ins Fildorado beginnt eine neue Phase – und die könnte erst der Anfang sein.

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)

Die Stoffbahnen hängen wie Wellen unter der Decke, das Licht fällt durch hohe Glasfronten, draußen öffnet sich das Wieslauftal wie ein gemaltes Panorama: Das Achtwerk in Rudersberg (Rems-Murr-Kreis) wirkt nicht wie ein klassischer Veranstaltungsort, sondern wie eine Bühne. Eine, auf der längst mehr passiert als Hochzeiten und Firmenfeiern.

 

Denn hinter der Kulisse arbeitet ein Unternehmen, das gerade dabei ist, sich ein Stück weit neu zu erfinden. Der Eventcaterer will sich breiter aufstellen – weg von der reinen Eventlocation hin zu einem vielseitigen Gastronomieplayer.

Expansion im Eventcatering: Achtwerk wächst weiter

Der jüngste Schritt: Seit Herbst vergangenen Jahres betreibt die Achtwerk Events GmbH die Gastronomie im Erlebnisbad Fildorado in Filderstadt (Kreis Esslingen). Ein Terrain, das mit der bisherigen Welt aus exklusiven Events zunächst wenig zu tun hat und gerade deshalb reizvoll erscheint.

Das Achtwerk zeichnet seit neuestem für die Gastronomie im Erlebnisbad Fildorado verantwortlich. Foto: Günter E. Bergmann/Fildorado

„Wir wollen auch zu den Leuten kommen“, sagt der Geschäftsführer Timucin Kul. Der 35-Jährige ist das Gesicht des Unternehmens, Koch, Gastgeber, Stratege. Einer, der früh verstanden hat, dass Catering mehr sein kann als Warmhalteboxen und Buffetreihen. Indoor-Smokers statt Silberbehälter, Live-Cooking statt Standardmenü – das ist sein Anspruch.

Kul kommt aus Deizisau (Kreis Esslingen), hat klassisch als Koch gelernt, später als Food-Blogger Aufmerksamkeit gewonnen. Seine ersten größeren Schritte machte er auf Stuttgarter Dachflächen, bei Rooftop-Partys mit veganem Konzept. Acht Jahre später steht er an der Spitze eines Unternehmens, das inzwischen knapp 100 Menschen beschäftigt.

Fildorado als Türöffner für Systemgastronomie

Mit der Übernahme im Fildorado hat sich die Belegschaft auf einen Schlag verdoppelt. 18 Festangestellte, zwei Auszubildende und 74 Minijobber gehören inzwischen dazu. Viele sind seit Jahren dabei, gewachsen mit dem Unternehmen. Küchenchef Heiko wird zum Küchendirektor – auch das ein Zeichen für neue Strukturen.

Der Schritt ins Erlebnisbad ist dabei mehr als nur ein Zusatzgeschäft. Er ist ein Testlauf. Systemgastronomie soll künftig eine größere Rolle spielen. Planbare Abläufe, konstante Gästezahlen, neue Zielgruppen – all das bietet ein Betrieb wie das Fildorado.

Dabei bleibt Kul seiner Linie treu: Frische, Sichtbarkeit, Ästhetik. Ob Flammkuchen oder Falafel-Bowl – entscheidend sei nicht die Kategorie, sondern die Inszenierung. „Egal ob vegan oder Fleisch: Die Ästhetik ist entscheidend“, sagt er.

Achtwerk Rudersberg: Industriecharme trifft Landschaftsidylle

Und doch bleibt das Achtwerk selbst der Kern. Das ehemalige Metallwerk in der Daimlerstraße in Rudersberg ist mehr als nur eine Adresse – es ist Identität. Drei achteckige Gebäudeteile, knapp 900 Quadratmeter Fläche, dazu 6000 Quadratmeter Außenbereich: eine Mischung aus Industriecharme und Landschaftsidylle.

Bis zu 1000 Gäste finden im Saal des Achtwerks Platz. Foto: Gottfried Stoppel

Hier wurden schon Produkte präsentiert, die anderswo große Hallen füllen. Eine Mähroboter-Firma ließ ihre Geräte über eigens angemietete Wiesen fahren. Ein Automobilhersteller präsentierte einen elektrischen Truck. Ein Schweißtechnik-Unternehmen demonstrierte live vor internationalem Publikum.

Und natürlich: Hochzeiten. Vor vier Jahren wurde das Achtwerk zur besten Hochzeitslocation Deutschlands gekürt – ein Titel, der bis heute nachwirkt.

Neue Märkte, neue Risiken für Eventgastronomie

Doch die Zeiten sind nicht einfacher geworden. Einige Großkunden, vor allem aus der Automobilbranche, halten sich zurück. Die wirtschaftliche Lage zwingt auch Eventdienstleister zum Umdenken.

Die Location bietet rund 900 Quadratmeter teilbare Innenflächen mit hohen Glasfronten im industriellen Stil. Foto: Gottfried Stoppel

Achtwerk reagiert darauf mit Diversifizierung. Mehr Catering-Aufträge, neue Kooperationen mit anderen Locations, Bewerbungen im Bereich Gemeinschaftsverpflegung. Eine Stadionbewirtschaftung blieb zwar ein Wunsch, zwei weitere Ausschreibungen aber laufen noch.

Parallel entstehen neue Ideen: Pop-up-Formate in Stuttgart, sogenannte Supper-Clubs mit Künstlern. Gastronomie als Event, Event als Erlebnis – die Grenzen verschwimmen.

Zukunftspläne: Mehr als nur Catering

Dabei geht es nicht nur um Wachstum, sondern auch um Haltung. Kul versteht sein Unternehmen als Marke, die sich über Gestaltung definiert. Seine Affinität zu Mode und Ästhetik soll sich künftig noch stärker im Food-Konzept widerspiegeln.

Unterstützt wird er von Ugur Düzgün, der die wirtschaftliche Seite im Blick behält, und einem Team, das zunehmend Verantwortung übernimmt. Nachwuchs wie die 20-jährige Veranstaltungskauffrau Viola Weber soll künftig tragende Rollen spielen.

„Das Achtwerk bleibt unser Hauptquartier“, sagt Kul. Doch gleichzeitig will er raus aus dem Gebäude, hinein in neue Märkte.

Was bleibt, ist der Anspruch, anders zu sein. Keine Fließbandarbeit, keine Standardlösungen. Sondern ein Konzept, das sich ständig weiterentwickelt – zwischen Event, Gastronomie und Inszenierung.

Oder, anders gesagt: Das Achtwerk will kein Ort mehr sein. Sondern ein System. Ein bewegliches, wandelbares, das sich den Krisen anpasst – und aus ihnen wächst.

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