Rückkehr zur 38-Stunden-Woche EnBW-Beschäftigte arbeiten zwei Stunden länger
Die Arbeitswoche beim Energiekonzern EnBW zählt künftig wieder 38 statt 36 Stunden. Im Gegenzug gibt es mehr Geld – und eine verlängerte Jobgarantie.
Die Arbeitswoche beim Energiekonzern EnBW zählt künftig wieder 38 statt 36 Stunden. Im Gegenzug gibt es mehr Geld – und eine verlängerte Jobgarantie.
Die etwa 30 000 Beschäftigten des landeseigenen Energiekonzerns EnBW müssen künftig wieder länger arbeiten. Statt 36 Stunden beträgt ihre wöchentliche Arbeitszeit von Anfang nächsten Jahres an 38 Stunden, wie auch sonst in der Energiewirtschaft. Damit verlässt das Unternehmen einen Sonderweg, den es krisenbedingt im Jahr 2011 eingeschlagen hatte. Wie eine Sprecherin bestätigt, hat sich die EnBW darauf mit der Tarifkommission der Gewerkschaft Verdi verständigt. Im Gegenzug erhöhe sich die Vergütung der Mitarbeitenden um 3,73 Prozent. Zugleich gebe es eine weitreichende Jobgarantie: Der Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen werde bis 2030 verlängert.
Im Frühjahr hatte die EnBW erstmals Gespräche mit der Arbeitnehmerseite über die Wochenarbeitszeit bestätigt. Hintergrund ist das enorme Investitionsprogramm des Konzerns: In den nächsten Jahren sollen bis zu 50 Milliarden Euro in die Energiewende investiert werden. Zugleich verlassen Tausende von Beschäftigten altersbedingt das Unternehmen. Deren Expertise und Arbeitskraft brauche man dringend für die Umsetzung des Wachstumskurses, hieß es.
Bei der Senkung der Wochenarbeitszeit vor rund 15 Jahren war die EnBW wirtschaftlich stark angeschlagen. Gemeinsam mit Betriebsrat und Gewerkschaft entschied man daher, anstelle einer bereits vereinbarten Tariferhöhung „vorübergehend“ zwei Stunden kürzer arbeiten zu lassen. Die Arbeitszeit sei damals stärker reduziert worden als die ihr entsprechende Vergütung, erläuterte das Unternehmen. Beide erhöhten sich nun im gleichen Umfang, in dem sie damals gesenkt worden seien. Nach Ende des Sonderwegs gelte nun wieder das tarifliche „Normalniveau“. Das Ergebnis: Während die Arbeitszeit um 5,56 Prozent zunimmt, steigt die Vergütung um 3,73 Prozent. Den bis 2030 verlängerten Kündigungsschutz bezeichnete eine Sprecherin als „ein hohes Gut und ein wichtiges Signal an die Beschäftigten“.
Für die zuständige Personalvorständin Colette Rückert-Hennen werden mit der Einigung die Weichen gestellt, „dass wir auch weiterhin ein zukunftsgerichtetes und erfolgreiches Unternehmen sind“. Im Intranet betonte sie: „Im Gegensatz zu vielen Unternehmen - auch in Baden-Württemberg - sind wir auf Wachstumskurs und brauchen unsere Mitarbeitenden mehr denn je.” Zustimmend äußerte sich dort auch ein Vertreter des Konzernbetriebsrates. Sein Kommentar: „Es war uns wichtig, einen guten Kompromiss zu vereinbaren, auch mit Blick nach vorne. Gerade in diesen gesamtwirtschaftlich nicht einfachen Zeiten ist der Kündigungsschutz bis 2030 ein hohes Gut und das richtige Signal an die Beschäftigten.” Von der Gewerkschaft Verdi war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.