Mercedes-Benz hat unterschiedliche Mängel beim frisch prämierten „Car of the year“ festgestellt und eine Rückrufaktion gestartet. Betroffene Fahrzeuge müssen in die Werkstatt.

Automobilwirtschaft/Maschinenbau : Veronika Kanzler (kan)

Gerade ist der elektrische CLA zum „Car of the year 2026“ gekürt worden. Warum? Wenn es nach Mercedes-Chef Ola Källenius geht, bestätigen Juroren aus ganz Europa „damit die Rückmeldungen unserer Kunden: Der CLA setzt neue Maßstäbe und verbindet herausragende Effizienz mit digitaler Intelligenz“. Mercedes-Benz hat jedoch bei einigen der bereits produzierten Fahrzeuge Mängel festgestellt, die nun in die Werkstatt zurückgerufen werden.

 

„Durch die fortschrittliche digitale Überwachung können wir selbst kleinste Abweichungen früh erkennen und beheben – oft bevor sie sich auf die Kunden auswirken“, schreibt das Unternehmen im Blick auf die Rückrufaktionen. Diese sind beim Kraftfahrtbundesamt (KBA) einsehbar.

KBA: Potenziell weltweit 3197 Mercedes CLA betroffen

Der häufigste Mangel bei den entsprechenden CLA-Fahrzeugen besteht nach Angaben des Bundesamts in einer fehlerhaften Software. Weltweit seien davon 3197 Autos betroffen, darunter 594 in Deutschland. Die Fahrzeuge stammen aus dem Produktionszeitraum von Februar bis September 2025. Der offizielle Start der Serienproduktion des elektrischen Mercedes CLA war Anfang Juni 2025.

Der Mangel führt nach übereinstimmenden Angaben des KBA und Mercedes unter anderem dazu, dass Fahrerassistenzsysteme ohne entsprechende Warnung deaktiviert werden. Auf Anfrage teilte Mercedes mit: „Sollte sich der Fahrer ausschließlich auf die Assistenzsysteme verlassen, könnte sich im Fehlerfall die Unfallgefahr erhöhen.“

Vom Werk in die Werkstatt? Tausende CLA-Fahrer brauchen ein Update für ihr Fahrzeug. Foto: Mercedes-Benz Group AG

Fahrassistenzsysteme sind elektronische Helfer im Auto, die Fahrer mit Hilfe von Sensoren wie Radar und Kamera unterstützen, um Komfort und vor allem Sicherheit zu erhöhen, indem sie Gefahren erkennen und bei Bedarf eingreifen, wie beispielsweise bei Notbremsungen oder Spurhalten.

Mercedes: Störungen so gering wie möglich halten

Das neue Modell wird vom Konzern mit Attributen wie „mühelos“, „großartig“ und „intuitiv“ beschrieben, beschert derzeit aber wohl mehreren Kunden eher den mühseligen Weg zur Werkstatt. Die Rückrufaktionen werden unterdessen vom KBA überwacht. Dies ist dann der Fall, wenn „ein ernstes Risiko oder eine Vorschriftenabweichung“ vorliegt. Schlimmstenfalls droht die Bundesbehörde bei solchen Mängeln sogar mit einer Zwangstilllegung der betroffenen Modelle. „Wir bedauern zwar alle Unannehmlichkeiten, die durch Servicebesuche verursacht werden, sind aber stets bemüht, Störungen so gering wie möglich zu halten und handeln entschlossen, um unser Markenversprechen zu halten“, schreibt der Autohersteller. Mercedes-Benz stehe für Sicherheit und Qualität.

Brand- und Stromschlaggefahr bei Mercedes-CLA-Modellen

Neben der fehlerhaften Software hat Mercedes noch weitere Gründe für Rückrufaktionen, von denen jedoch sehr viel weniger Fahrzeuge betroffen sind. So gibt es bei CLA-Fahrzeugen, die zwischen November und Dezember 2025 produziert wurden, nach Angaben der Behörde eine Brand- und Stromschlaggefahr. Auslöser dafür sei, dass Batteriekabel „nicht gemäß Spezifikation angeschlossen“ worden sind. Davon sind weltweit nach Angaben des KBA 1682 CLA mit Verbrennungsmotor betroffen. Bisher sind nach Angaben der Bundesbehörde keine Vorfälle mit Sach- und oder Personenschäden bekannt.

Bei 197 CLA sind wiederum die Vordersitze nicht richtig verschraubt und die Gurte zu locker, so dass man im Falle eines Unfalls nicht ausreichend geschützt wäre. Auch hierbei ist ein Gang in die Werkstatt nötig, um die Schrauben nachzuziehen.

Bisher sind keine Sach- oder Personenschäden bekannt

Des weiteren hat Mercedes festgestellt, dass bei bestimmten CLA die Window-Airbags ausfällen können, verursacht durch einen fehlerhaft verlegten Leitungssatz. Davon sind nach Angaben des KBA weltweit potentiell 459 Fahrzeuge betroffen.

Bei keiner der von der Rückrufaktionen betroffenen Fahrzeuge gibt es bisher nach Angaben des KBA bekannte Sach- oder Personenschäden. „Wir halten uns an die höchsten Standards, unabhängig davon, ob ein Rückruf ein Fahrzeug oder viele Fahrzeuge betrifft“, schreibt das Unternehmen. Besitzer eines fehlerhaften CLA werden von Mercedes angeschrieben. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, anhand der Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN) auf der Service-Seite des Herstellers zu prüfen, ob das eigene Auto von den Mängeln betroffen ist.