In der Partie des VfB gegen Rotterdam fallen spät die entscheidenden Tore. Die Polizei verhindert ein Aufeinandertreffen der Fans – und zieht eine kritische Bilanz.

Rund um das Europa-League-Spiel des VfB Stuttgart gegen Feyenoord Rotterdam, das die Stuttgarter mit 2:0 für sich entscheiden konnten, hielten Tausende Gästefans die Stuttgarter Polizei gehörig in Atem – sei es bei der Anreise zum Stadion, beim Fanmarsch und auch im Stadion, wo die Feyenoord-Fans ganze Zaunelemente im Gästeblock abmontierten. Die Polizei zieht eine äußerst kritische Bilanz.

 

Wie die Beamten mitteilen, hielten sich im Laufe des Tages bis zu 2500 Feyenoord-Fans in der Stuttgarter City auf. Die Polizei legte dabei ihr Hauptaugenmerk auf den Fan-Meeting-Point der Gästefans im Biergarten von Sonja Merz in den Mittleren Anlagen, wo sich der Großteil der Feyenoord-Anhänger im Laufe des Nachmittags sammelte, um ausgelassen zu feiern.

Auch am Schlossplatz zeigte die Polizei massive Präsenz. Foto: Andreas Rosar/Fotoagentur Stuttgart

Gegen 17 Uhr stiegen die Feyenoord-Fans in 27 bereitgestellte Busse, die zum Karl-Benz-Platz fuhren. Auf der Fahrt sollen die Anhänger der Niederländer mehrere Scheiben an einem Linienbus zerstört und die Deckenverkleidung heruntergerissen haben. Ersten Schätzungen der Polizei zufolge sei dabei ein Schaden von mehreren Tausend Euro entstanden.

Anschließend brachen die Feyenoord-Anhänger zum Fanwalk auf. Dabei sollen Unbekannte mehrfach Pyrotechnik gezündet und sich zeitweise vermummt haben. Der Stuttgarter Feuerwehr zufolge geriet gegen 19 Uhr vermutlich durch das Abbrennen von Pyrotechnik die Böschung eines Bahndamms in Untertürkheim in Brand. Die Polizei konnte das Feuer mit einem Wasserwerfer fast vollständig löschen. Für Nachlöscharbeiten und zur Kontrolle war die Feuerwehr Stuttgart mit einem Löschfahrzeug im Einsatz.

Polizei setzt Schlagstöcke und Pfefferspray ein

Im weiteren Verlauf sollen sich mehrere Personen mit Baustellenmaterial bewaffnet haben, sodass die Polizei den Fans mit dem Einsatz des Wasserwerfers drohte. Daraufhin legten die Feyenoord-Anhänger die Gegenstände ab. Die Polizei hielt den Fanmarsch mehrfach an und nahm mehrere Tatverdächtige fest.

Auch während des Spiels kam es zu äußerst unschönen Szenen. So rissen Gästefans – insbesondere nachdem der VfB kurz vor Ende der Partie durch Bilal El Khannouss in Führung gegangen war – mehrere Zaunelemente aus der Verankerung und sollen versuchten haben, durch die Lücken zu den Heimfans zu gelangen. Außerdem sollen Feyenoord-Anhänger mehrere Fanutensilien, die sie von VfB-Fans erbeutet hatten, im Gästeblock in Brand gesetzt haben.

Daraufhin setzte die Polizei Schlagstöcke und Pfefferspray ein und habe damit eigenen Angaben zufolge schlimmere Auseinandersetzungen im Stadion verhindert. Von den Randalierern wurden Videoaufnahmen gefertigt, die nun ausgewertet werden. Auch die Gästetoiletten blieben von der Zerstörungswut mancher Feyenoord-Fans nicht verschont, es kam zu massiven Sachbeschädigungen.

Gegen 0.10 Uhr sollen Rotterdam-Fans in der Sophienstraße den Schal eines VfB-Fans geraubt haben. Die Ermittlungen zu den Tatverdächtigen dauern an. „Die Fanszene aus Rotterdam hat heute durch ihr Verhalten die Einordnung als Hoch-Risiko-Spiel bestätigt. Nur durch die Balance zwischen sofortiger und robuster Intervention sowie bewusster Deeskalation konnten wir heute schwere Ausschreitungen abseits des Platzes verhindern“, resümierte der Einsatzleiter Carsten Höfler. Insgesamt wurden anlässlich der Europa-League-Begegnung mehr als 100 Rotterdam-Fans kontrolliert und 16 Personen festgenommen.

In der Nacht habe es keine weiteren Vorfälle, an denen Fans aus Rotterdam beteiligt waren, gegeben, sagte eine Sprecherin der Stuttgarter Polizei am Freitagmorgen auf Nachfrage.

An- und Abreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln verlief reibungslos

Bei der An- und Abreise der Fans mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kam es laut Bundespolizei zu keinen nennenswerten Vorfällen. Die Anreise der über 19.000 Fans am Mittwoch und Donnerstag sei ohne besondere Vorkommnisse verlaufen. Die Beamten fanden zwar zum Teil pyrotechnische Gegenstände sowie Vermummungsmaterial auf und stellten es sicher, zu Auseinandersetzungen sei es aber nicht gekommen.

Um die Fanlager bei der Anreise zu trennen, sperrte die Bundespolizei die Zugänge zum Hauptbahnhof sowie die S-Bahnhaltepunkte im Stadtgebiet Stuttgart zeitweise für die Rotterdamer Fans.

Nach der Partie nutzten etliche Anhänger beider Vereine die S-Bahn an den Haltestellen Untertürkheim, Neckarpark und Bad Cannstatt. Auch hierbei verlief durch die hohe Polizeipräsenz alles friedlich.