S-Bahn-Bilanz für Herbst 2025 Das sind Stuttgarts (un)pünktlichste Haltestellen

Der Bahnhof mit der schlechtesten Pünktlichkeitsquote liegt im Rems-Murr-Kreis: Schorndorf, die Endstation der S2. Foto: IMAGO/Eibner

Für S-Bahn-Fahrgäste war im Herbst vielfach Geduld gefragt. Bei manchen weniger, bei anderen sehr viel – wie unsere Auswertung für alle Haltestellen zeigt.

Schorndorf, Nellmbersbach, Plochingen oder Gärtringen – wer hier nachmittags mit der S-Bahn hinfahren möchte, sollte sein Leben nicht am Fahrplan ausrichten. Im Herbst 2025 führen diese vier Haltestellen das Unpünktlichkeits-Ranking der Stuttgarter S-Bahn an.

 

Wir haben anhand von Echtzeit-ÖPNV-Daten für alle Haltestellen den Anteil jener Züge errechnet, die mit mindestens sechs Minuten Verspätung eingefahren sind – und zwar in den Monaten September bis November, die bei der Stuttgarter S-Bahn getrost als „Horror-Herbst“ gelten dürfen. Schon im Oktober spielten zahlreiche Baustellungen und Störungen den Fahrgästen übel mit. Im November wurde es dann noch ärger. Im Dezember immerhin ist die Zahl der „Chaostage“ mit besonders viel Verspätung wieder in den einstelligen Bereich gesunken.

Das sind die unpünktlichsten Haltestellen

Für die Auswertung haben wir die Linien und die Fahrtrichtung separat betrachtet – weil die Bahnen auf ihrer Fahrt durchs Netz typischerweise umso mehr Verspätung anhäufen, je länger sie unterwegs sind. Außerdem macht es einen deutlichen Unterschied, ob sie stadteinwärts oder stadtauswärts fahren.

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Nicht berücksichtigt wurden Haltestellen, an denen mehr als zwei Linien halten – also neben der Stammstrecke in der Innenstadt etwa Bad Cannstatt, Vaihingen oder Zuffenhausen. Falls es dennoch interessiert: vom Hauptbahnhof kommend waren 21 Prozent aller S-Bahnen an der Schwabstraße verspätet, in Richtung Hauptbahnhof 17 Prozent.

Die Auswertung enthält zahlreiche Erkenntnisse:

  • Fast jeder zweite Zug kam zwischen September und November unpünktlich in Schorndorf an.
  • Nicht nur rund um den Bahnhof Bad Cannstatt kam es (vor allem baustellenbedingt) zu starken Verzögerungen. Auch Fahrgäste aus den Kreisen Böblingen und Esslingen mussten teils erhebliche Verspätungen hinnehmen.
  • Fahrgäste Richtung Flughafen oder Messe waren im Herbst bei jeder dritten Fahrt mindestens sechs Minuten zu spät am Ziel.
  • Nutzer der Linien S6, S60 und S62 sind vergleichsweise gut dran.

Den „Horror-Herbst“ erklärt ein S-Bahn-Sprecher mit den vielen Baustellen, um das Schienennetz zu erneuern oder Stuttgart 21 zu bauen. In der Folge teilen sich die S-Bahnen die Schienen mit Fern-, Regional- und Güterzügen – im Oktober und November etwa wochenlang zwischen Bad Cannstatt und Esslingen. „Bereits kleinste Störungen weiten sich wie in einem Dominoeffekt auf den gesamten Zugverkehr aus“, so der Sprecher.

Die pünktlichsten Haltestellen

Die Zahlen unserer Auswertung bestätigen das und zeigen, was es konkret für Fahrgäste bedeutet. Auch der Blick auf die pünktlichsten Haltestellen macht klare Unterschiede sichtbar, die davon abhängen, ob man in die Stadt hinein- oder aus ihr herausfährt.

Die S1 beispielsweise kommt in Kirchheim / Teck zwar etwas pünktlicher an als in Plochingen, was auch mit der Taktung der Linie zu tun hat – tagsüber endet dort jede zweite Bahn und nur die Hälfte der Züge fährt weiter bis Kirchheim/Teck. Doch selbst bei dieser „pünktlichsten“ Haltestelle auf dem südöstlichen Ast der S1 kam im Herbst mehr als jeder vierte Zug mit deutlicher Verspätung an – besonders ärgerlich, wenn man etwa einen Anschlussbus erreichen muss.

Das Gleiche gilt für Böblingen, Filderstadt oder Kornwestheim. Selbst bei den Halten mit dem besten Wert war mindestens jede fünfte S-Bahn deutlich zu spät. Stadteinwärts sieht es ganz anders aus, auch wenn beispielsweise sieben Prozent unpünktliche Züge an der Starthaltestelle Backnang kein zufriedenstellender Wert sind – ebenso wenig wie ein Anteil von neun Prozent bei der S1 ab Kirchheim / Teck.

Wie man damit umgehen kann, schilderte 2022 – bei damals noch deutlich besseren Pünktlichkeitswerten auf allen Linien – ein S-Bahn-Pendler aus Schorndorf. „In der Bahn lese ich meist Zeitung oder döse etwas“, sagte er. Die Fahrtzeit fühle sich für ihn an wie Entspannung – „im Stau stehen wäre für mich verlorene Lebenszeit“.

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