S-Bahn Stuttgart Schlechtestes S-Bahn-Jahr aller Zeiten erwartet
Noch nie war das „S-Bahn-Chaos“ so groß wie im Herbst 2025. Es drohen Rekordstrafzahlungen. War die S-Bahn jemals so pünktlich wie vertraglich vereinbart?
Noch nie war das „S-Bahn-Chaos“ so groß wie im Herbst 2025. Es drohen Rekordstrafzahlungen. War die S-Bahn jemals so pünktlich wie vertraglich vereinbart?
Die seit Jahren gebeutelten Fahrgäste der S-Bahn Stuttgart müssen im Herbst 2025 historisch viele Verspätungen und Zugausfälle hinnehmen. Das ergibt eine vorläufige Auswertung der Pünktlichkeitswerte seit 2015 und eine Prognose der S-Bahn selbst.
Nie kam die S-Bahn den Monaten März, April, Mai und Oktober häufiger unpünktlich an als 2025. An mindestens 20 Prozent aller Halte waren die Züge in diesen Monaten mindestens sechs Minuten zu spät. Vertraglich mit der Region Stuttgart vereinbart ist ein Wert von höchstens zwei Prozent. Den erreichte die S-Bahn während der vergangenen zehn Jahre lediglich in sechs Monaten, zuletzt im April 2021.
Das Schaubild zeigt die Pünktlichkeitswerte seit 2015 samt dem Zielwert (rot markiert).
2024 war in Sachen Pünktlichkeit das zweitschlechteste Jahr der S-Bahn aller Zeiten. 2025 werde „unter dem Ergebnis des Vorjahres liegen, wegen der sehr niedrigen Herbstwerte sogar deutlich“, so ein Bahnsprecher.
Zu den Verspätungen kommen ausgefallene Zugkilometer infolge zahlreicher Baustellen – der Sprecher nennt die Zahl von rund zwei Millionen Kilometern Wegstrecke, die nicht gefahren wurden (Vorjahr: 1,5 Millionen). Hinzu kommen Ausfälle infolge von Fahrzeugstörungen, Notarzteinsätzen, defekter Infrastruktur oder Unwetter.
Rund 8,9 Millionen Euro Pönalen und Rückzahlungen musste die S-Bahn aufgrund solcher und ähnlicher Probleme an die Region Stuttgart im vergangenen Jahr leisten. Der Betrag für 2025 kann erst nach Jahresende errechnet werden, aber „die Tendenz ist steigend“, erwartet die Sprecherin des Regionalverbands, Alexandra Aufmuth.
Den „Horror-Herbst“ erklärt der Bahn-Sprecher mit den vielen Baustellen, um das Schienennetz zu erneuern oder Stuttgart 21 zu bauen. In der Folge teilen sich die S-Bahnen die Schienen mit Fern-, Regional- und Güterzügen – aktuell lediglich zwischen Ludwigsburg und Marbach, im Oktober und November aber wochenlang zwischen Bad Cannstatt und Esslingen. „Bereits kleinste Störungen weiten sich wie in einem Dominoeffekt auf den gesamten Zugverkehr aus“, so der Sprecher.
Bis die Leitstelle den Verkehr dann wieder stabilisiert hat, vergeht typischerweise einige Zeit. Unter Fahrgästen gelten solche Tage mittlerweile als „Chaostage“. Tatsächlich war im Oktober beinahe jeder Werktag ein solcher „Chaostag“ – wenn man als Maßstab nimmt, dass die S-Bahnen an mindestens zwanzig Prozent aller Halte sechs Minuten oder mehr zu spät waren.
Im Dezember immerhin läuft es diesbezüglich deutlich besser als im Oktober und November. Die Bauarbeiten für Stuttgart 21 werden allerdings weitergehen, und es handelt sich um „die komplexeste Inbetriebnahme eines neuen Eisenbahnknotens der vergangenen Jahrzehnte in Europa“, so der Sprecher. Will heißen: auf Besserung in 2026 sollte man besser nicht wetten.