S-Bahn Stuttgart Verspätung als Normalzustand
Noch nie waren die Züge so unpünktlich unterwegs wie im laufenden Jahr. Das ergeben Bahn-eigene Untersuchungen sowie Daten des Portals „S-Bahn-Chaos“. Die Bahn verspricht Abhilfe – aber nicht sofort.
Noch nie waren die Züge so unpünktlich unterwegs wie im laufenden Jahr. Das ergeben Bahn-eigene Untersuchungen sowie Daten des Portals „S-Bahn-Chaos“. Die Bahn verspricht Abhilfe – aber nicht sofort.
Die Stuttgarter S-Bahn fährt 2024 mit großer Verspätung. Das ergibt eine Auswertung von Pünktlichkeitsdaten, die das Portal „S-Bahn-Chaos“ unserer Zeitung exklusiv zur Verfügung stellt. Im laufenden Jahr wurden demnach zwanzig „Chaostage“ gezählt, an denen mindestens jeder fünfte Zug mit sechs Minuten und mehr Verspätung gefahren ist. Weil für mehrere Wochen im Sommer Daten fehlen, gab es womöglich sogar noch mehr „Chaostage“. Im Vorjahr waren es im selben Zeitraum acht.
Auch die S-Bahn selbst weist erhebliche Verspätungen aus. Für bislang fünf Monate meldete sie ein bisheriges Allzeittief bei der Pünktlichkeit. Am schlechtesten war der April: Nur 85,3 Prozent aller Züge kamen mit unter sechs Minuten Verspätung an. Quasi an allen Endhaltestellen haben die Bahnen im laufenden Jahr im Durchschnitt vier Minuten Verspätung, wie eine Datenauswertung unserer Zeitung erstmals zeigt.
Das Schaubild zeigt die „Chaostage“ bei der Stuttgarter S-Bahn seit Januar 2023:
Der August 2024 war laut der S-Bahn-eigenen Auswertung dagegen der Monat mit der höchsten Pünktlichkeit seit der Pandemie (97,5 Prozent). Als Grund gibt die Bahn an, dass wegen der für Bauarbeiten gesperrten Stammstrecke viel weniger Züge unterwegs waren. Wenn dieser Flaschenhals wegfällt, ist die S-Bahn pünktlich. Unter Volllast führten dagegen „Abweichungen vom Fahrplan schnell zu einem Aufstauen der S-Bahnen und damit zu einem Verspätungsübertrag ins gesamte Netz“, so ein Sprecher.
Für solche Abweichungen reiche es schon, wenn das Ein- und Aussteigen zu lange dauert. Das kommt von Montag bis Freitag quasi jeden Tag vor, wie unsere Auswertung der Pünktlichkeitsdaten zeigt. Wenn technische Defekte dazukommen, entwickelt sich vielfach ein „Chaostag“.
Die S-Bahn betont seit Jahren, dass die während der Stammstreckensperrung vorbereitete digital Leit- und Signaltechnik ETCS die Kapazität auf der Stammstrecke um mindestens 20 Prozent erhöhe. Das wird aber frühestens 2026 der Fall sein und hängt mit dem Bau von Stuttgart 21 zusammen. Jüngst wurde über Sparpläne der Bahn berichtet, laut denen der bundesweit geplante Umstieg auf ETCS gestrichen werden könnte. Für die Stuttgarter S-Bahn soll die Technik aber auf jeden Fall genutzt werden.