S-Bahn Stuttgart Wie Reisende trotz Baustellenchaos den Weg finden

Stefan Fischer (rechts) und Jonas Mäckelburg richten die Wegeführung für den Ersatzverkehr im Dezember zwischen Waiblingen und Stuttgart ein. Foto: Gottfried Stoppel

Bei Streckensperrungen der S-Bahn sorgen Stefan Fischer und Jonas Mäckelburg dafür, dass Fahrgäste trotz Baustellenchaos ihren Weg finden – oft unter schwierigen Bedingungen.

Stadtentwicklung/Infrastruktur : Christian Milankovic (mil)

Wenn am Morgen des 1. Dezembers wieder kein S-Bahnzug zwischen Fellbach und Bad Cannstatt unterwegs sein wird, weil die Deutsche Bahn daran arbeitet, den Streckenabschnitt mit digitaler Sicherungstechnik auszustatten, ist die Arbeit von Stefan Fischer und Jonas Mäckelburg fürs Erste getan.

 

Die zwei gehören zu einem Team von mittlerweile fünf Mitarbeitern bei der S-Bahn Stuttgart, das im Falle von Streckensperrungen oder sonstwie gearteten Einschränkungen dafür sorgen sollen, dass Reisende sich im Baustellenwirrwarr zurecht finden und auf dem Weg zu den Haltestellen des Ersatzverkehrs nicht verloren gehen.

Ersatzverkehr: wenn Baustellen die S-Bahn bremsen

Das klingt einfacher, als es ist. Am Freitagmorgen kämpfen die beiden mit dem widrigen Waiblinger Wetter. Am Bahnhof der Kreisstadt wird von Montag an das große Umsteigen stattfinden, wenn dort bis zum 21. Dezember für S-Bahnen aus dem Murr- und dem Remstal Endstation ist. Für die Wegeleitung sollen breite grüne Streifen auf den Boden geklebt werden. Die haften aber nur – Stichwort Wetter – wenn der Untergrund zuvor trocken ist. Zwar macht sich Stefan Fischer mit einem kleinen Brenner daran, den Gehweg längs der Dammstraße zu trocknen, muss aber vor den Verhältnissen kapitulieren. Es hat einfach in den vergangenen Tagen zu ergiebig geregnet.

Jonas Mäckelburg recherchiert unterdessen auf dem Handy die Wetteraussichten für die kommenden Tage und geht der Frage nach, wann es ausreichend lange trocken ist. Wahrscheinlich läuft es auf eine Nachtschicht zum Montag hinaus. Da müssen die beiden ohnehin nochmal nach Waiblingen ausrücken. Dort gilt derzeit ein Schienenersatzverkehr Richtung Backnang, der dann endet und nahtlos in den Einsatz von Ersatzbussen Richtung Stuttgart übergeht.

Das S-Bahnnetz als Dauerbaustelle

Das Thema Schienenersatzverkehr ist bei der S-Bahn Stuttgart längst kein Randphänomen mehr. Seit sich die Bahn daran gemacht hat, ihre lange Zeit vernachlässigten Anlagen wieder auf Vordermann zu bringen und parallel dazu im Zuge des Pilotprojekts Digitaler Knoten Stuttgart (DKS) das Streckennetz auf eine neue, digitale Sicherungstechnik umzustellen, müssen Passagiere häufig auf den Ersatzverkehr umsteigen. Was langfristig für mehr Kapazität und Stabilität im S-Bahnverkehr sorgen soll, bedeutet kurzfristig aber vor allem Stress für die Fahrgäste, da sich ihre gewohnten Wege immer wieder ändern.

2024 war die S-Bahn rund 1,5 Millionen Kilometer weniger unterwegs, als im Fahrplan hinterlegt. 2025 wird wohl nach Aussagen eines S-Bahnsprechers die Zwei-Millionen-Kilometer-Marke durchbrochen. Summiert man die Tage mit Baustellen am Netz, die häufig parallel an verschiedenen Orten eingerichtet werden, kommt man für 2025 auf die erschreckend hohe Zahl von 3662 Baustellentage. Im zu Ende gehenden Jahr werden die Busse des Ersatzverkehrs rund eine Million Kilometer heruntergespult haben.

Einrichten des Ersatzverkehrs als Routine

Die Organisation dieser Ausweichlösungen, wenn die Bahnen wieder nicht fahren, hat die Bahn in den zurückliegenden Jahren systematisiert. Faustregel: wenn ein Fahrgast eine lilafarbene Warntafel sieht, liegt etwas im Argen. „Der Farbton heißt Verkehrs-Purpur“, sagt Stefan Fischer. Am Freitag sind er und sein Kollege Mäckelburg auch damit beschäftigt, Klebefolien mit den aktuellen Informationen, auf die purpurfarbenen Stelen aufzubringen. Das geht ziemlich routiniert vor sich. Die Übung macht’s. „Das habe ich bestimmt schon 500 Mal gemacht“, sagt Mäkelburg.

Er und Fischer sind keine alten Eisenbahner sondern Quereinsteiger. Nach dem Studium, der eine ist Philosoph, der andere Kommunikationswissenschaftler, haben sie auf der Suche nach einer Stelle bei der S-Bahn angeheuert. Beide haben kein eigenes Auto und kennen daher das S-Bahnnetz aus der Nutzerperspektive. „Und wenn ich eine Wegeleitung aufstelle, frage ich mich, ob meine Großeltern sich so zurecht finden würde“, sagt Mäckelburg.

Und auch wenn ihr Erscheinen auf dem Bahnsteig in der Regel Vorbote von Misslichkeiten für die Reisenden ist, so machen sie selten schlechte Erfahrungen. Den Reisenden sei klar, dass sie nur die Überbringer der schlechten Nachrichten sind. „Viele freuen sich, dass wir Informationen liefern, wie es trotzdem weiter geht“.

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