Saisonfinale des VfB Stuttgart Das VfB-Problem: die Formkurve zeigt nach unten

Die spielerische Leichtigkeit ist bei VfB-Stürmer Deniz Undav und den Kollegen zuletzt verloren gegangen. Foto: Baumann

Im Heimspiel gegen Leverkusen muss der VfB gewinnen, will man Platz vier aus eigener Kraft erreichen. Doch die Bayer-Elf befindet sich in Topform – anders als die Stuttgarter.

Sport: Heiko Hinrichsen (hh)

Durch den nur langsam nachlassenden Rausch rund um die erste Teilnahme des VfB an der Champions League seit 14 Jahren und das seinerzeit noch bevorstehende DFB-Pokalfinale gegen Arminia Bielefeld mag es manch einer in der Vorsaison gar nicht so recht mitbekommen haben. Doch das Team von Trainer Sebastian Hoeneß ist in der Spielzeit 2024/25 nach dem Aus in der Königsklasse über weite Strecken der Bundesliga-Rückrunde in einem tiefen Leistungsloch festgesessen.

 

Mit sechs verlorenen Heimspielen in Serie gegen Gladbach, Wolfsburg, die Bayern, Leverkusen, Bremen und Heidenheim, was einen vereinseigenen Negativrekord bedeutete, hatte der Leistungsabfall damals gar historische Dimensionen. So schlimm ist es in dieser Runde bei Weitem nicht. Und doch lässt sich mit Blick auf die letzten Auftritte des VfB in Pokal und Liga festhalten: Bei den Stuttgartern zeigt die aktuelle Formkurve nach unten – das Team hängt spielerisch ein wenig in den Seilen. Vor den beiden abschließenden Ligaspielen zuhause gegen Bayer Leverkusen an diesem Samstag (15.30 Uhr) sowie bei Eintracht Frankfurt (Samstag, 16. Mai, 15.30 Uhr) muss der VfB also die Kurve hin zum Positiven kriegen, will man sich als Vierter der Tabelle erneut die Tickets für die Champions League sichern.

Denn den letzten rundum zufriedenstellenden Auftritt hat die Hoeneß-Elf vor bald vier Wochen hingelegt, als man im Heimspiel gegen den Hamburger SV deutlich mit 4:0 gewann. Bereits in der Partie zuvor hatte es mit den Last-Minute-Dämpfern beim 0:2 gegen Borussia Dortmund mit zwei Toren in der Nachspielzeit einen herben Rückschlag gegeben. Nach der HSV-Partie gab es dann zwar einen dicken sportlichen Erfolg, nämlich den erneuten Einzug ins DFB-Pokalfinale durch den 2:1-Sieg über den SC Freiburg. Dabei gab es allerdings abermals keinen fußballerisch überzeugenden Auftritt zu sehen.

So war die erste Halbzeit gegen Freiburg eine zum Vergessen, ehe sich der VfB nicht unverdient, aber doch ein wenig mit Fortuna im Bunde die Tickets für Berlin sicherte. Dies galt zunächst mit Blick auf die späte Entscheidung durch das eingesprungene Hackentor von Tiago Tomas in der 119. Minute der Verlängerung, welches das Elfmeterschießen, eine beim VfB wenig geliebte Disziplin, noch in letzter Minute verhinderte. Zudem war da kurz zuvor das sehr umstritten nicht gegebene Tor des Freiburgers Lucas Höler. Hier hatte Schiedsrichter Tobias Welz einen Rempler an Jeff Chabot gepfiffen, was selbst Deniz Undav („Das ist nie und nimmer ein Foul“) nicht verstehen konnte.

Im nächsten Spiel folgte dann das magere 1:1 gegen Werder Bremen, wobei man den VfB-Profis hier zugute halten durfte, dass das Pokal-Semifinale nur drei Tage zuvor viel Kraft gekostet hatte – körperlich wie mental. Doch fest stand letztlich auch: Gegen das Kellerkind aus Bremen, wo man im Hinspiel noch klar mit 4:0 gewonnen hatte, schleppten sich die Stuttgarter per Kopfballtor des eingewechselten Ermedin Demirovic zu einem Punkt.

Einen Zähler hat es nun auch beim 3:3 in Hoffenheim gegeben. Diesmal war es ein goldener Punkt, weil er in einem Auswärtsspiel bei einem direkten Konkurrenten um die Champions-League-Plätze geholt wurde. Erneut musste bis zur letzten Aktion des Spiels gezittert werden, als wiederum Tomas, der kurz zuvor noch einen aussichtsreichen Kopfball vergeben hatte, das erlösende Tor gelang.

„Es tut uns gut, dass wir in der Nachspielzeit noch belohnt wurden. Doch dieser Warnschuss sollte uns im Ohr bleiben“, resümierte VfB-Chefcoach Sebastian Hoeneß, der längst gemerkt hat, dass sein Team spielerisch durchhängt. Ist das bei dem zurückliegenden Pensum nur allzu logisch? 43 von den bisher 50 Pflichtspielen der Saison hat etwa Deniz Undav absolviert – zuletzt spielte der Goalgetter eigentlich immer über die volle Distanz. Das kostet Kraft.

„Wir können auf die Mentalität unserer Mannschaft sehr stolz sein“, sagt Undavs Stürmerkollege Demirovic daher. „Dieses Spiel sagt viel über die Moral der Mannschaft“, fand der VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth nach dem Remis von Sinsheim – und blickte gleich nach vorne: „Wir haben keinen Boden verloren – und haben weiterhin alles in unserer Hand.“

Doch die Vorzeichen im Saisonfinale des VfB zwei Spieltage vor Bundesliga-Schluss haben sich schon ein wenig verschlechtert: Zum einen befindet sich Leverkusen anders als die Stuttgarter in Topform – und besitzt nach dem 4:1 gegen RB Leipzig die um drei Treffer bessere Tordifferenz. Daher muss der VfB am Samstag gegen das Bayer-Team von Trainer Kaspar Hjulmand schon gewinnen. Andernfalls hätte man Platz vier am letzten Spieltag nicht mehr in der eigenen Hand.

Während die TSG Hoffenheim noch Werder Bremen empfängt und am 34. Spieltag bei Borussia Mönchengladbach ran muss, hat Leverkusen im Saisonfinale den HSV zu Gast. Der VfB spielt dann zeitgleich bei Eintracht Frankfurt. Dann könnte die Hoeneß-Elf von dem Umstand profitieren, dass es bei den Hessen rund um den impulsiven Trainer Albert Riera gerade sehr turbulent zugeht.

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