Samu Haber in Stuttgart Hymnen wie am Schnürchen – so war’s im LKA Longhorn

Rappelvoll: Samu Haber hat das LKA Longhorn in Stuttgart gut gefüllt. Foto: Ferdinando Iannone/Lichtgut/Ferdinando Iannone

Ex-“Sunrise-Avenue“-Frontmann Samu Haber hat im ausverkauften LKA Longhorn ordentliche Deutschkenntnisse und Songs vom neuen Solo-Album präsentiert.

Samu Haber ist kaum zu sehen vor dem Wald aus leuchtenden Smartphone-Displays, die ihm seine Fans am Dienstagabend im rappelvoll ausverkauften LKA Longhorn entgegenstrecken. Im ärmellosen Holzfällerhemd, mit Wuschelfrisur und umgehängter Gitarre stapft er vor die auf der Bühne aufgebauten, riesigen Leuchtinitialen ‚SH’, gefolgt von seiner dreiköpfigen Begleitband.

 

„Guten Abend Schtuttgaart! Ich heiße Samu und ich komme aus Finnland“, demonstriert Haber mit strahlendem Lächeln seine ordentlichen Deutschkenntnisse, was drollig ist; als müsse er den Leuten ernsthaft erklären, wer da vor ihnen steht.

Foto: Lichtgut / Ferdinando Iannone/Lichtgut/Ferdinando Iannone

Vor wenigen Tagen hat der Ex-“Sunrise-Avenue“-Frontmann sein erstes englischsprachiges Soloalbum „Me Free My Way“ veröffentlicht, aktuell sitzt er noch als Coach in der 14. Staffel der Musiktalent-Show „The Voice of Germany“.

Im LKA macht Haber seine Fans auch ohne roten Button glücklich. Schon im Verlauf des Openers hypnotisiert er die Menge: „Me Free My Way“ ist eine hymnisch vorwärtstreibende Popnummer, die in schlichten Versen von einer Art Emanzipation erzählt. „I tried your way, I tried to change /but I need to go my own way, baby“ singt er.

Die Setlist vom Konzert im LKA

  • Me Free my Way
  • Dancing with a broken Heart
  • Big Guitars
  • Easy Answers
  • Vehicle
  • Dancefloor
  • Who do I
  • Hometown Gang
  • That time of Year
  • You destroyed my Life
  • Gimme your Hand
  • Crazy
  • The Elephant
  • Hollywood Heels
  • Hideaway
  • Seasons

Der Sound ist glasklar abgemischt und radiotauglich angenehm, es fehlt ihm nur an physischer Wucht. Beat und Bass bleiben an der Rampe hängen, statt die Mägen und Knie im Raum in Vibration zu versetzen. „Dancefloor“ entwickelt live am meisten Druck mit der groovenden Basslinie und dem pochenden Beat. „Easy Answers“ schunkelt dagegen wie ein gemütlich bierseliges, irisches Trinklied. „Who do I“ rutscht mit flächig flirrender E-Gitarre, dickem Bass und Habers emphatischem Gesang in helles Pathos.

Abseits seiner Songs vom Album hat Haber noch Material mitgebracht, das er mit den Fans „proben“ will, wie er sagt. Die sogenannte Probe klappt wie am Schnürchen, improvisiert wirkt an diesem Abend nichts. Haber ist eine ungeheuer freundliche Rampensau, im engen Kontakt mit den Fans. Die Stücke hingegen sind weder komplex noch grundsätzlich verschieden in ihrer Stimmung. Obwohl Samu Haber in der Öffentlichkeit von eigenen dunklen Emotionen und Therapie-Erfahrungen berichtet hat, beschreiben seine Kompositionen eine engere Gefühlspalette. Fast stoisch beschwören sie Lebensfreude, Zuversicht, Glück und Liebe und bieten damit sanften Eskapismus in harten Zeiten. Das unberechenbare Chaos der Welt bleibt an diesem Abend draußen vor der Tür.

Weitere Themen