Die Strecke Stuttgart – Tübingen schneidet im Ranking des Landes erneut nicht gut ab. Foto: imago/Arnulf Hettrich
Im Qualitätsranking des Landes für die Bahnstrecken gehört die Neckartalbahn, die auch durch den Kreis Esslingen führt, zu den Schlusslichtern. Wo liegen die Probleme?
Petra Pauli
24.01.2026 - 10:00 Uhr
Im jüngst veröffentlichten Qualitätsranking des Landes für die einzelnen Bahnstrecken landete die Neckartalstrecke, zu der auch der Abschnitt zwischen Stuttgart und Tübingen gehört, erneut auf einem der letzten Plätze. Bei insgesamt 32 landesweiten Bewertungen kam die Strecke abgeschlagen auf Platz 30. Sie führt auch durch den Landkreis Esslingen. Vor allem bei der Pünktlichkeit geht es weiter bergab. Nur rund 68 Prozent der Züge wurden im ersten Halbjahr 2025 als pünktlich gewertet. Schlechter ist nur noch ein Netz rund um Karlsruhe.
„Die abermals schlechte Platzierung der Neckartalbahn ist ein Alarmruf, der endlich gehört werden muss. Insbesondere die Unpünktlichkeit ist nicht akzeptabel“, äußerte sich der Nürtinger Bundestagsabgeordnete und Bahnpolitiker Matthias Gastel (Grüne) in einer Pressemitteilung. Zwar sei es erfreulich, dass inzwischen auf zwei Streckenabschnitten die Blockabstände verkürzt wurden und die Züge in dichteren Abständen fahren können. Damit könne der Betrieb besser bewältigt werden. „Doch andere Engpässe und ein enormer Sanierungsbedarf auf der Strecke bleiben“, kritisierte der Bahnexperte. Die Stellwerke und die Oberleitung seien störanfällig und ersatzbedürftig.
Auch bei der Filstalbahn hapert es bei der Pünktlichkeit
Zum Vergleich: Die Spitzenreiter der untersuchten Netze konnten beim Thema Pünktlichkeit mehr als 90 Punkte für sich verbuchen. Die Netze rund um Stuttgart erreichten aber bestenfalls um die 75 Punkte. Darunter ist auch das von Arverio betriebene Netz, zu dem die Filstalstrecke mit Stationen in Esslingen, Reichenbach und Plochingen gehört. Im Gesamtranking steht es auf dem 20. Platz.
Pünktlichkeit und Sauberkeit der Verbindungen lassen oft zu wünschen übrig. Foto: Ines Rudel
Das Land bewertet die Strecken neben der Kategorie Pünktlichkeit auch hinsichtlich Zuverlässigkeit, Zugkapazität, Sauberkeit und Gesamtzufriedenheit der Fahrgäste mithilfe einer Punkteskala. 100 Punkte bedeuten, dass die Vorgaben des Landes vollständig erfüllt sind. Das Qualitätsranking wird zweimal pro Jahr veröffentlicht. Dabei wurden 32 Schienenpersonennahverkehrsnetze in Baden-Württemberg untersucht, die von insgesamt sechs Eisenbahnverkehrsunternehmen bedient werden. Dafür wird eine Vielzahl verschiedener Daten kombiniert.
Sauberkeit in Neckartalbahn: Trend ist negativ
Die Neckartalbahn, die inzwischen zur DB Regio gehört, tut sich in keiner der bewerteten Disziplinen hervor. Im Untersuchungszeitraum gehörte sie noch zur landeseigenen Südwestdeutschen Landesverkehrs-GmbH (SWEG), die nach der Insolvenz der ehemaligen Abellio Rail Baden-Württemberg das Unternehmen 2022 übernommen hat. Im jüngsten Qualitätsranking fällt auf, dass es offenbar immer schlechter um die Sauberkeit bestellt ist. Seit Jahren sinken die Werte für die Neckartalbahn in dieser Kategorie. Im Ranking werden knapp 86 Punkte erreicht.
Damit landet diese Strecke in der jüngsten Statistik trotzdem noch im vorderen Drittel. Die Bodenseegürtelbahn und die Strecke Freiburger Y bilden mit 79 Punkten das Schlusslicht. Den Spitzenwert von 90 Punkten erreicht die Schwäbische Albbahn, die auch als Sieger des Rankings hervorgeht. Diese Bahn betreibt jedoch nur ein Mini-Netz mit rund 225 000 Fahrplankilometern im Jahr, auf dem teilweise nur Freizeitverkehr unterwegs ist. Die Netze rund um Stuttgart kommen jeweils auf mehr als vier Millionen Fahrplankilometer.