Vincent Groß ist „völlig sprachlos“, dass der SWR seinen Song „Camping“ zensiert habe. Wir sprachen mit ihm über die Hintergründe und darüber, wie gut Verbote fürs Business sind.

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

DJ Robin aus Ditzingen hat’s vorgemacht: Seine Leyla ist das beste Beispiel dafür, wie gut Skandale fürs Showbusiness sind. Kaum haben sich viele Radiosender geweigert, den Song über die Puffmama zu spielen, kaum war’s verboten, ihn bei Stadtfesten anzustimmen, ist daraus ein Hit geworden – er stieg bis auf Platz eins der deutschen Charts!

 

Wird es dem 28-jährigen Vincent Gross auch so ergehen? Erst am 25. Juli erscheint sein neuer Song „Camping“, der große Wellen schlägt, weil der SWR ihn aus der Sendung „Immer wieder sonntags“ geschmissen hat. Im Gespräch mit unserer Redaktion spricht der Schweizer Schlagersänger, der das Weihnachtskonzert 2024 des VfB Stuttgart in der MHP-Arena moderiert hat, über die Hintergründe eines Vorfalls, der in der Branche als „Zensur“ eingestuft wird.

Ein ganz anderer Song sollte gespielt werden

„Ursprünglich wollte ich meinen neuen Titel ,Rum’ in der Sendung spielen“, berichtet Vincent Gross. Darin komme das Wort Tod vor, dass die Produzenten vom SWR als nicht passend empfunden hätten, weil ein Stammgast der Sendung kurz davor verstorben war. Daraufhin habe der 28-Jährige seinen Hit „Ouzo“ vorgeschlagen, worauf der Sender ihm erklärt habe: „Den hast du bei uns schon dreimal gesungen.“

Gross dachte nun an den nagelneuen Song „Camping“, von dem es mit eingängiger Melodie einen ersten Mix bereits gab, der aber noch nicht fertig abgemischt war. In diesem Song heißt es: „Dann rappelt’s im Karton, digi-dong, digi-tong. Hast du Lust, zu komm’n? Digi-dong, digi-tong.“

„Wir haben den Song über Nacht mit vollem Tempo fertiggemacht“

Weil der Refrain ein bisschen an das Kinderlied „Ene, mene, miste, es rappelt in der Kiste“ erinnert, konnte sich der Schlagersänger nicht vorstellen, dass er damit Probleme bekommen werde. Als er dem SWR den Song schickte, seien die Verantwortlichen begeistert gewesen und hätten von einem neuen Ohrwurm gesprochen. Alles sei also abgesegnet gewesen.

„Wir haben den Song über Nacht mit vollem Tempo fertiggemacht, damit wir ihn in der Sendung performen können“, sagt Vincent Gross. Bei den Proben aber hätten die Produzenten plötzlich Bedenken bekommen und den Song als nicht sendbar bezeichnet. Also spielte er wieder „Ouzo“. Ein SWR-Sprecher erklärte, die Redaktion übernehme und verantworte die Titelauswahl und achte darauf, dass alles zur Sendung passt.

Die Fans, sagt Vincent Gross, sind auf seiner Seite

Nach der Sendung sei er „ziemlich verunsichert“ gewesen, berichtet der Sänger im Gespräch mit unserer Redaktion, „ich hab mir überlegt, ob was nicht stimmt mit dem Song, der doch völlig harmlos ist“. Deshalb habe er seine Community im Internet befragt. Die Reaktionen der Fans seien eindeutig gewesen. Niemand habe Verständnis für das Verbot des SWR gehabt, das Vincent Gross immer noch „sprachlos“ macht.

Sexuell doppeldeutig ist die umstrittene Textzeile aber schon. Darf das nicht öffentlich gespielt werden? Provokation ist ein bewährtes Marketinginstrument im Show-Business, was seit der „Rosi“ von Spider Murphy Gang bekannt ist, die auch nicht im Radio gespielt wurde. Was polarisiert und als anzüglich gilt, bleibt im Gespräch. Und was im Gespräch ist, wird gehört, gestreamt, gekauft. Von einer bewussten Provokation sieht sich Vincent Gross weit entfernt. Er hält den „Camping“-Song weiterhin für „harmlos“.