Schlossgartenquartier Juchtenkäfer 2.0? Baum verzögert Umbau der Königstraße

, aktualisiert am 04.04.2025 - 10:09 Uhr
Die Pflöcke, wo die Baustellenzufahrt verlaufen soll, stecken bereits im Rasen hinter dem Schlossgarten-Hotel. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Für 700 Millionen Euro will die LBBW-Immobiliengruppe den Anfang der Königstraße neu gestalten. Nur wegen der Baustelleneinrichtung im Schlossgarten verzögert sich das Projekt - 13 Varianten wurden vorgelegt.

Reporter: Alexander Müller (ale)

Letztlich ging es nur um einen einzigen Baum, der gefällt werden muss. Dennoch hat dies nicht nur den Investor und die Stadtverwaltung viele Nerven gekostet, sondern auch die von der LBBW Immobilien-Gruppe geplante Umgestaltung der unteren Königstraße fast um ein Jahr verzögert. Denn die Suche nach einer geeigneten Baustellenzufahrt gestaltete sich mehr als schwierig. Nunmehr hat der Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik des Gemeinderats den Plänen zugestimmt.

 

Aber der Reihe nach: Für 700 Millionen Euro soll im neuen Schlossgartenquartier an der Königstraße 1-3 laut Marco Knopp, Geschäftsführer der LBBW Immobilien-Gruppe, „das schönste Stück Stuttgart“ entstehen. Geplant ist, das Schlossgarten-Hotel zu erhalten. Zudem soll die dunkle Theaterpassage geöffnet und eine Verbindung zwischen Königstraße und Schlossgarten geschaffen werden.

Der Startschuss soll an der Königstraße 1c erfolgen, die allein mit mehr als 400 Millionen Euro zu Buche schlägt. Der stufenartig in Richtung Königstraße ansteigende Neubau in Holz-Hybrid-Bauweise ist das Herzstück und soll ein maximal begrüntes Dach erhalten.


Kaum Platz zwischen Schlossgarten und Königstraße

Die Baugenehmigung wurde inzwischen erteilt. Und die Zeit drängt laut LBBW. Schließlich habe man mit dem Land Baden-Württemberg bereits ein Mietvertrag für die neuen Büroetagen abgeschlossen. Einziehen werden Abgeordnete des Landtags, da das bestehende Haus der Abgeordneten saniert wird. Und auch für das Schlossgarten-Hotel sei man „in guten Gesprächen mit renommierten Hotel-Betreibern“, so Knopp. Daher hätten die Arbeiten für das Projekt „Schlossgartenquartier“ eigentlich bereits im Sommer vergangenen Jahres losgehen sollen.

Für Verzögerungen hat aber eben jene Suche nach der Baustelleneinrichtung gesorgt. Denn im Dreieck zwischen Königstraße, Schillerstraße und Schlossgarten gestaltet sich dies äußerst schwierig, „weil eigentlich kein Platz vorhanden ist“, weiß Baubürgermeister Peter Pätzold (Bündnis 90/Grüne). Für die Erschließung muss in den denkmalgeschützten Park, der im Besitz des Landes ist, eingegriffen werden. Entsprechend lange – „fast ein Jahr“ – zogen sich die Vorplanungen hin. Nicht weniger als zwölf Modelle für die Baustelleneinrichtung  erstellten  die Experten der LBBW, um sich gemeinsam mit der Stadt auf eine 13. Variante zu einigen.

Letztlich muss nur ein Baum gefällt werden

Dabei geht es heruntergebrochen nur um einen einzigen Baum, der gefällt werden muss. Für die Einfahrt der Baustellenfahrzeuge von der Schillerstraße muss der alte, historische Baum weichen. Das sei laut einem eigens in Auftrag gegebenen Gutachten möglich. Im Anschluss an die Baumaßnahme werde dieser ersetzt, und zusätzlich zwei weitere Bäume an der Einfahrt zum Hotel ergänzt. Die Zufahrt verläuft dann über eine Schleife größtenteils über die Wiese verläuft.

Nötig macht die komplizierte Planung die Baumschutzsatzung der Landeshauptstadt. Nach der Regelung müssen besonders wichtige Gewächse erhalten werden. Doch damit noch nicht genug, hat sich die Bauherrin, die Schlossgartenbau Objekt-GmbH, weitere Gedanken gemacht. So soll ein Baustraßentunnel aus Netzen die Juchtenkäfer schützen. Und an Bäumen, an denen die schweren Lastwagen dicht vorbeifahren, werden sogenannte Druckverteilungsplatten verlegt, um das Wurzelwerk zu schützen. Versetzt werden muss auch ein Teil des Pausenhofs des Königin-Katharina-Stifts. Die Freifläche des Gymnasiums an der Schillerstraße werde „durch einen mindestens genauso großen Ersatzbereich“, während der Bauzeit ersetzt, verspricht Knopp.

Langwierige Planung sorgt für Irritationen

Irritiert zeigte sich nicht nur Carl-Christian Vetter (CDU) angesichts der Tatsache, dass ein einziger Baum ein solch wichtiges Projekt um ein Jahr verzögern könne. Ziel sei es vor allem gewesen, nicht nur den teilweise 100 Jahre alten Baumbestand zu erhalten, sondern auch „so wenig wie möglich in den Schlossgarten einzugreifen“, rechtfertigte Björn Peterhoff (Grüne) die langwierige Planung. Wenngleich Lucia Schanbacher (SPD) noch Schwächen erkannte. Vor allem, dass neben dem Schlossgarten auch noch ein Teil der Königstraße für die Baustelleneinrichtung benötigt wird, gibt ihr zu Denken. Angesichts von samstags bis zu 90 000 Passanten müsse dieser Bereich so klein wie möglich gehalten werden.

Mit der Zustimmung des Ausschusses soll der Bauantrag noch in diesem Monat bei der Stadt gestellt werden. Die Baustelleneinrichtung soll dann sobald alle Genehmigungen erteilt sind, zeitnah erfolgen. Die LBBW Immobilien-Gruppe rechnet mit einer reinen Bauzeit von rund dreieinhalb Jahren.

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