Schön wohnen im Schwarzwald Alter Schwarzwaldhof wird zum glamourösen Familiendomizil

Der sorgsam renovierte Gründlehof von 1683 liegt idyllisch am Waldrand im Schwarzwald. Weitere Bilder in der Bildergalerie. Foto: Hardy Happle Architektur/Markus Schwer

Vorher-Nachher-Traum: Eine junge Familie und der Architekt Hardy Happle retten einen heruntergekommenen Hof in Hornberg und gestalten ihn um in ein großzügiges Zuhause.

Bauen/Wohnen/Architektur : Nicole Golombek (golo)

Wenn die Nachbarn wieder einmal sehr nachtaktiv waren, wenn das Getöse der Metropole die Nerven beansprucht, träumt sich der Städter an einen Ort abseits der lärmenden Menge. Ein Haus am Waldrand, idyllisch, abgeschieden und doch mit einem Dorf in der Nähe. Jeden Tag Brot backen und alles Gemüse selber anbauen wäre dann doch auch anstrengend. Wer es sich leisten kann und das Glück hat, findet ein altes Gemäuer und ein Architekturbüro, das Ideen für den zeitgemäßen Umbau so eines Gemäuers hat. Hardy Happle führt so ein Büro; seit vielen Jahren gestaltet er in die Jahre gekommene Schwarzwaldhäuser um. „Häufig sind es Ferien- oder Wochenenddomizile von Bauherren, die in der Stadt wohnen“, sagt er.

 

Ein Bauernhof mitten in der Natur

Was schon mal gut ist für die Baukultur auf dem Land, aber die Dörfer ja nicht wirklich belebt. Erfreut war der Architekt, dass er nun ein Haus für Menschen umgestalten durfte, die täglich dort wohnen würden. Eine fünfköpfige Familie konnte sich ihren ständigen Lebensmittelpunkt in so einem abgelegenen Schwarzwaldhaus vorstellen und kaufte einer Erbengemeinschaft das Haus ab.

Der Weg dorthin, zum Gründlehof aus dem Jahr 1683, führt tief in den Schwarzwald und durch den Ort Hornberg. Die Besucherin überquert das Brückchen, das über die Gutach führt, fährt bergauf, irgendwann steht nur noch alle paar hundert Meter mal ein Bauernhof. Dann minutenlang nichts außer Wiesen, ein Wald, der immer dichter wird.

Kurz vor dem Ende der Straße geht es einen steilen Weg bergauf. Und da ist es, in den Hang am Waldrand hineingeschmiegt, ein Bauernhof „in unverbaubarer Alleinlage“, wie es in der Immobiliensprache heißen würde. Der Blick schweift über Wiesen, den Wald, außer dem Rauschen der Blätter: Stille.

Während man sich fragt, ob das Haus mit der sensationellen Aussicht konkurrieren können wird öffnet schon der Bauherr die Tür – und man steht im Heu. Also da, wo einst das Heu gelagert wurde und jetzt ein heller hoher Raum großzügig Platz bietet für eine Sitzecke zum Ausruhen, einen Tisch für Spieleabende, gemeinsames Essen oder Arbeiten. Wobei letzteres schwerfallen könnte, denn die komplette Front in Richtung Tal ist verglast, der überdachte Balkon dürfte einer der Lieblingsplätze für ruhesuchende Bewohner sein.

Hardy Happle, der Architekt, ist auch schon da, lächelt über den staunenden Gast und erklärt, wie die Rettung des Hauses möglich wurde. „Das Gebäude war in einem schlechten Zustand, aber wir haben die Möglichkeiten für den Erhalt des Denkmals und für einen Ausbau gesehen“, sagt er. „Und klar war, dass die Erschließung von oben stattfinden würde“, also da, wo einst das Heu gelagert wurde. „Wichtig war uns auch, dass ablesbar bleibt, welches die alten Hausteile sind und wo wir Neues hinzufügen“. Darin stimmt er mit den Denkmalschützern überein, die bei so einem Umbau auch einiges mitzusprechen haben. Die Zusammenarbeit sowohl mit dem Denkmalamt als auch mit den Handwerkern sei vertrauensvoll und glücklich verlaufen, sagen Architekt und Bauherr unisono.

Beide auch wissen den Wert alter Gebäude zu schätzen. „Als Kind bin ich oft von Köln aus in den Ferien aufs Land zu meinen Großeltern nach Titisee-Neustadt gereist“, sagt Hardy Happle, „da begann vielleicht schon meine Faszination für alte Gebäude. Später sah ich, wie viele Bauernhöfe durch Renovierungen doch eher verunstaltet wurden. Eine jüngere neue Generation von Bauherren schätzt aber den Wert des Hofes und entscheidet sich für eine das Alte achtende, behutsame Sanierung.“

Häufig stehen die umbauwürdigen Höfe unter Denkmalschutz, das macht die Arbeit nicht leichter. „Beim Umbau in alten Gemäuern sind experimentelle Wege und Lösungen gefragt“, sagt der Architekt, „vor dreihundert Jahren gab es beispielsweise noch keine DIN-Normen und Brandschutzauflagen.“ Da er und sein Büro darin erfahren sind und Handwerker kennen, die Freude am Tüfteln haben, konnte mit maßgeschneiderten Um- und Einbauten der Bestand saniert und ausgebaut werden. „Wir haben das Konzept auch zeichnerisch umgesetzt“, sagt der Architekt. Das Denkmalamt konnte also genau sehen, wie und wo eine neue Wand oder eine Glasscheibe eingesetzt würde.

Architektonische Herausforderung

Umbau im Bestand wird eine immer dringlichere architektonische Aufgabe, des Erhalts traditioneller Baukultur im ländlichen Raum wegen und auch, weil hierbei weniger klimafeindliches CO2 freigesetzt wird als bei Abriss und Neubau. Das Bewusstsein dafür war nicht immer vorhanden. „Als ich damit begonnen habe, alte Gebäude zu sanieren, habe ich teilweise auch von Kollegen dafür keine besondere Anerkennung erhalten“, sagt Hardy Happle.

Jüngst gab es den Holzbaupreis Baden-Württemberg für den Gründlehof. Und der Architekt wurde von seiner Zunft gleich für zwei Umbauten gelobt und erhielt die Hugo-Häring-Auszeichnung 2023 des Bundes deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) – „dessen Mitglied ich inzwischen auch bin“, so Happle, „wegen solcher Projekte. Noch vor ein paar Jahren undenkbar…“.

Wie grundlegend der Gründlehof zukunftsfähig gemacht wurde, lassen Bilder von der Baustelle ahnen. Sie zeigen, dass während der zwei Jahre dauernden Sanierung das Haus bis aufs Skelett freigelegt war. Es wurden zugleich, wo immer möglich, Türstöcke, Dielen, Kassettendecken erhalten oder wieder aufgearbeitet. Manches aber musste weichen. Etwa die allzu steile alte Treppe vom Wohnbereich hinauf zum Dachgeschoss. „Das neue Herzstück des Hauses“, sagt Hardy Happle, „ist die dreigeschossige Verbindung zwischen Küche im Erdgeschoss und Wohnbereich im Dachgeschoss mit interessanten Blickachsen.“

Geht man die Treppe hinunter, kommt man auch am Anbau vorbei. Wo früher der Saustall war, ist nun ein Kinder- und ein Arbeitszimmer untergebracht, von hier aus geht es auch hinaus in den Garten. Was der Architekt mit den Blickachsen meint, sieht man am besten, wenn man in der glamourösen Küche steht, die man ebenso in einem Berliner Loft vermuten könnte – waldgrüne Fronten und eine grüne Granitplatte mit auffälliger Maserung, dazu Hängeleuchten, die den freien Blick nach oben bis unters Dach lenken.

Heimelige Stube

An diesen offenen Übergangsraum schließen sich Räume an, die doch wieder sehr schwarzwaldhausartig sind mit niedrigen Raumhöhen, Kassettendecken, eingebauter Essecke und verzierten Holzstühlen, Kachelofen, einem schwarzen Bollenhut von der Uroma, Butzenscheibenfenstern, die allerdings sind allesamt neu und zeugen von staunenswerter Handwerkskunst.

„In dem Stuben mit historisch bedingten geringen Raumhöhen wurde lediglich an einer Stelle ein schmales Glaspaneel eingebracht“, sagt der Architekt. „Wichtiger sind die Blicke durchs Haus immer wieder in Richtung Licht und auf helle Flächen, und ein ausgeklügeltes Beleuchtungskonzept. In den ehemaligen Ökonomiebereichen durften wir etwas großzügiger verglasen.“

Der Gründlehof während des Umbaus. Foto: Hardy Happle Architektur

Nicht mehr rettbar freilich waren die primitiven sanitären Anlagen, zumal der Bauherr Geschäftsführer einer Firma ist, die sich auf Sanitärarbeiten, Heizungsinstallationen und Solartechnik spezialisiert hat. „Bei einem Bauernhof, den ich saniert habe, hat Tobias Kempf als Versorgungs- und Umwelttechniker auch gearbeitet“, sagt der Architekt. Da sie die selbe Auffassung vom Umbau im Bestand hatten, die historischen Strukturen erhalten und zeitgemäßen Komfort zu ermöglichen, lag eine Zusammenarbeit beim eigenen Haus nahe.

Die Architekturauszeichnungen gingen auch an die energetische Sanierung des Gründlehofs. „Wir haben – neben anderen Arbeiten – alles, was die Heizung und Sanitärbereiche betrifft, selbst gemacht“, sagt Tobias Kempf. Das Ausgangsmaterial für die Beheizung der Hackschnitzelheizung sind Holzabfälle, Äste oder Baumkronen aus dem eigenen Wald. Das ermöglicht es, sich von Brennstoffen wie Gas und Öl unabhängig zu machen.

Im Sommer versorgt sich das Haus fastenergieautark selbst durch eine Photovoltaikanlage, wobei der erzeugte Strom entweder direkt im Gebäude genutzt oder in einem Batteriespeicher zwischengespeichert wird. Die Fußbodenheizung im Trockenaufbau hat der Bauherr nachhaltig konzipiert, die Einzelteile können sortenrein in Einzelteil rückgebaut werden und so die mögliche Rückführung in einen Materialkreislauf zu erleichtern.

Glamouröses Bad

All die Technik freilich versteckt sich unter feinen Oberflächen in dem Haus mit seinen 240 Quadratmetern Wohnfläche. „Neue Technik für den Komfort soll vorhanden sein“, sagt Tobias Kempf, „aber nicht sichtbar.“ Es findet sich im ans Elternschlafzimmer grenzende hellen Bad eine bodengleiche Dusche, eine frei stehende Badewanne, Schränkchen aus Holz und große Spiegel, und selbst das kleine Gäste-WC mit Marmorwaschtisch und beleuchtetem runden Spiegel ist äußerst elegant gestaltet.

Auch von dieser Ebene führt der Weg hinaus in den Garten. Der ist etwas abschüssig und verfügt im unteren Teil über ein Hüttchen, das sowohl Gästehaus werden könnte oder ein Backhaus, falls die Bewohner doch noch Lust bekommen sollten, ihr Brot ständig selbst zu backen.

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