Ein junges Ehepaar hat mit einem Stuttgarter Architekten in idyllischer Landschaft nahe Schorndorf ein liebevoll geplantes Haus gebaut, das eine Lücke zwischen zwei Altbauten schließt.
Weiter könnten Kunst und Wirklichkeit nicht auseinanderliegen. „Highway To Hell“ schallt aus dem Radio, während man Obstbäume auf blühenden Wiesen passiert. Kein bisschen höllisch, sondern maximal idyllisch ist die Straßenlage in der Region Stuttgart da, wo es keine Schnellstraße mehr gibt, wo man mit dem Fahrrad oder dem Bus bis zur S-Bahn-Endhaltestelle fahren muss. Steinenberg also, ein Ortsteil der Gemeinde Rudersberg bei Schorndorf, gerade noch Rems-Murr-Kreis, der Welzheimer Wald ist nah. So weit raus zieht es mitunter junge Paare und Familien auf der Suche nach etwas Eigenem.
Der Traum vom Eigenheim ist ja auch unter jungen Leuten ein noch viel geträumter. Ein Haus, das sie renovieren könnten, hatten Paulina und Lasse Danielsen sich erträumt; was sicher schön geworden wäre, da es sich um zwei stilsichere Menschen handelt. Dann aber entdeckten sie beim Besuch eines älteren Architektenhauses am Ortsrand von Steinenberg, das der Makler ihnen zeigte, das verwilderte Grundstück nebenan.
Restgrundstück in der Region Stuttgart
Bäume, Büsche, ein extremer Hang. Kaum vorstellbar, dass da ein Haus entstehen könnte, weshalb so ein Grundstück samt Neubau sogar womöglich bezahlbar schien. „Wir haben eine Excel-Tabelle angelegt und alles ausgerechnet, pro und contra aufgeführt und uns dann für das Wagnis Neubau entschieden“, sagt die Bauherrin.
Nun steht es da und macht gute Figur, wie es leicht erhöht in den Hang hineingetupft wurde. Bodentiefe Fenster, eine schwarze Hülle, die farblich zu den PV-Modulen auf dem Dach passt. In den Putz und die Farbe der schwarzen Fassade wurden Fasern untergemischt, um Spannungen beim Erhitzen durch Sonneneinstrahlung besser aufnehmen zu können.
Das Haus füllt zudem eine Lücke in der gewachsenen Siedlung. Als Nachverdichtungsprojekt wird auch ein ökologisch nicht sehr vorbildliches Vorhaben wie der Bau eines Einfamilienhauses vertretbar, denn Infrastruktur wie Straßen und Leitungen sind schon vorhanden. Dazu ist das Haus im Gebrauch energiearm, das war den Bauherren wichtig, „auch wenn es zunächst mit der Software der Wärmepumpe Probleme gab“, wie der Bauherr sagt.
„Das Haus ist als Effizienzhaus entwickelt“, sagt der Stuttgarter Architekt Christian Fischer von STUDIOFISCHER. „Es kommen erneuerbare Energien als Energieträger für Heizung und Warmwasser zum Einsatz. Zum Heizen besitzt das Gebäude als regeneratives System eine Wärmepumpe und wird somit fast ausschließlich mit Umweltenergie versorgt. Den dafür benötigten Strom liefert die Photovoltaikanlage auf dem Dach.“
Sieben der schönsten schwarzen Architekten-Häuser
Abgeflammtes Haus in Stuttgart-Vaihingen
Haus mit schwarzem Putz in Stuttgart-Degerloch
Haus mit dunkler Wellblechfassade in Waiblingen
Schwarzes Haus mit Hangar in Ammerbuch
Haus mit schwarzer Stoffhülle in Tuttlingen
Schwarzes Holzhaus im Schwarzwald
Schwarzes Recycling-Haus in Hannover
Die schlichte Betontreppe, die das Material der bestehenden Garage aufnimmt, führt hinauf in das 160 Quadratmeter Wohnfläche bietende und 2022 fertiggestellte Haus. Im Gebäude selbst sind die seitlichen Fassadenseiten bis auf ein Gästezimmer im Erdgeschoss komplett geschlossen. Ostseitig ist die Treppe, westseitig dienende Räume wie Badezimmer, Gäste-WC, Vorratskammer.
In der Mitte wird gewohnt. Das Grundstück war nicht nur verwunschen und musste gerodet werden, bevor es nun terrassiert und bepflanzt viele schöne Sitz- und Entspannungsmöglichkeiten bietet, sondern es ist schmal: zwölf Meter. Zieht man die erforderten Abstandsflächen zu den Nachbarn ab, bleibt innen eine Breite von 6,5 Metern von Wand zu Wand.
Um den zentralen Wohnraum im ersten Stock möglichst großzügig wirken zu lassen, hat Christian Fischer den Raum nach oben geöffnet. Eine präzise Planung mit einem symmetrischen Schalungsbild für die Sichtbetonflächen war wichtig. „Die Deckenleuchten sind in den Beton integriert, auch das musste vorab geplant werden“, sagt der Architekt. Die Sichtbetondecke über dem Ess- und Küchenbereich knickt nach oben ab und reicht mittels einer die Decke verlängernden schrägen Sichtbetonwand bis hin zur Dachfläche.
Großzügiger Wohnraum
So entstand ein heller großzügiger Wohnraum mit schöner Aussicht in Richtung Ort. „Als wir den Entwurf mit diesem cool konstruierten Luftraum gesehen haben, das war so ein verzauberter Moment, wir waren begeistert“ , sagt Paulina Danielsen. Auch was die Gestaltung betrifft, waren Bauherrschaft und Architekt einig, „so minimalistisch und schnörkellos wie möglich sollte das Haus wirken“, sagt Lasse Danielsen.
Glas, Beton, schwarze Elemente finden sich nicht nur im Außenbereich, sondern auch innen, bei den Möbeln in der Küche mit Kücheninsel und im Bad, bei den Türen, den Fensterrahmen, Elementen wie Armaturen. Selbst das Spülbecken in der Küche sollte schwarz sein. Muster und dezente Farben, etwa an den Wänden im Bad und im Schlafraum, auch bei Möbeln und Fliesen im Bad, machen ins Haus wohnlich.
Blick ins Badezimmer. Foto: STUDIOFISCHER/Aras Gökten
Eine minutiöse und detailverliebte Planung von der Fugenbreite bis zur Beleuchtung ging dem voraus. „Ich habe allein für die Wandfarben mehrere große Leinwände bemalt“, sagt die Bauherrin, „und zu allen möglichen Tageszeiten im Raum an die Wand gestellt und ihre Wirkung getestet.“
Das graugrüne „Treron“ eines englischen Farbherstellers ist dann der Farbton der Wahl gewesen, der sehr gut zu dem Braun des alten Palisanderholz-Sideboards, noch zu WG-Zeiten über ebay ersteigert, passt. Ein warmes Weiß namens „Wimborne White“ gesellt sich im Badezimmer zu dieser Farbe. Im Gäste-WC wurde es ein mutiges „Pitchblack“ an der Wand – auch das WC und der Waschtisch und die Fliesen sind in Schwarz ausgeführt.
„Wir wollte nichts aus dem Möbelhaus, haben vieles online gekauft und viel recherchiert und darüber gelesen, wie man Räume zoniert, Showrooms von Herstellern angeschaut“, sagt Lasse Danielsen. Die Innengestaltung ist geprägt von einem zurückhaltenden Skandi-Style, der sich auch auf Instagram gut macht, wo die Bauherren ihr Bau-Abenteuer auf „theconcretedream“ dokumentiert haben.
Es ist aber kein cleanes Vorzeigeprojekt. „Die Küche ist unser Lebensmittelpunkt, wir kochen gern, haben gern Gäste“, sagt Paulina Danielsen. Ein langer Tisch mit gepolsterten Stühlen, das sorgsam ausgewählte Geschirr sprechen davon.
Gewohnt, gegessen, gekocht wird in der ersten Stock. Das Erdgeschoss ist als Büro- und Gästebereich geplant, die Eltern des Paares sind immer wieder zu Besuch. Dort in der Lounge findet sich auch ein Vintagetisch, ein „Omatisch“, den die Bauherren mit einer schönen Marmorplatte belegt haben. Sehr heiß war’s da zunächst im Sommer, denn Panoramasicht mit raumhohem Fenster bedeutet maximale Sonneneinstrahlung. Seit Vorhänge und eine Jalousie Verschattung bringen, lässt es sich zu jeder Jahreszeit gut aushalten, sagt die Bauherrschaft.
Unterm Dach befinden sich die eleganten Rückzugsräume. Schlaf-, Ankleide- und Badezimmer mit Dusche und frei stehender oval gerundete Badewanne aus Vollmineralguss. 260 Kilogramm schwer. Die ins Obergeschoss zu hieven, war eine fast unmögliche Aufgabe. Die Firma jedenfalls schleppte sie nicht. „Ich habe mich dann daran erinnert, das Klaviere ja auch sehr viel wiegen“, sagt die Bauherrin. Kurzerhand wurden Klavierträger engagiert, die nun eine Wanne statt eines Steinway schleppten.
Da oben öffnet sich der Raum nur in Richtung Garten, den das Ehepaar mit Liebe selbst gestaltet hat, und von da sichtbar sind auch die an den Garten angrenzenden Obstbaumwiesen. Ausblicke sind das. Einblicke auch. Für Spaziergänger, deren mal bewundernde, mal erstaunte oder kritische Kommentare sie bei offenen Fenstern ganz gut hören können, sagt die Bauherrin und lächelt. „Manchmal winke ich, damit sie sehen, dass wir keine Puppen sind, sondern Menschen, die sie gerade beim Leben beobachten.“
Im Garten selbst sind ebenfalls Begegnungen möglich, gern auch mit den Nachbarn, die dann das Architektenhaus gekauft haben und mit dem schon ansässigen Nachbarn auf der Ostseite. „Er hat uns stets unterstützt“, sagt Lasse Danielsen, „und er sammelt für uns Regenwasser, wir haben wirklich zauberhaft nette Nachbarn“, sagt Paulina Danielsen. Das ist ein Glücksfall, wenn man eine Lücke füllt, und dann auch noch Glück mit jenen Menschen hat, zwischen denen man nun lebt.