Nachdem vergangenes Jahr auf zwei Männer in Ludwigsburg geschossen wurde, kam es nun zu einer Festnahme in der Türkei. Der Auftraggeber ist Teil eines kriminellen Netzwerks.
Ein Jahr nachdem mit Schüssen in der Ludwigsburger Oststadt die gewalttätige Auseinandersetzung zwischen zwei konkurrierenden Security-Firmen begann, wurde in der Türkei ein mutmaßlicher Drahtzieher festgenommen. Er galt als eine der meistgesuchten Personen Europas.
Ende Juli 2025 hatten mehrere Anwohner in der Ludwigsburger Oststadt spät abends die Polizei alarmiert, nachdem sie Schüsse in der Nachbarschaft gehört hatten. Dabei wurde mehrfach auf zwei Männer, 39 und 40 Jahre alt, geschossen, die Projektile trafen jedoch lediglich einen geparkten Mercedes. Eine Fahndung mit Polizeihubschrauber führte zu keinem Ergebnis. Die Kriminalpolizei stufte die Schussabgabe als versuchten Mord in zwei Fällen ein.
Eine der meistgesuchten Personen Europas
In den Fokus der Ermittlungen war bald ein 29 Jahre alter Mann geraten. Er wird verdächtigt, der Anstifter des versuchten Mords in der Ludwigsburger Oststadt gewesen zu sein. Anfang dieses Monats nahmen die türkischen Behörden den Tatverdächtigen in der Türkei fest. Gegen ihn lag ein internationaler Haftbefehl vor, der vorab von der Staatsanwaltschaft Stuttgart beantragt und durch das Amtsgericht Stuttgart erlassen worden war.
Laut Polizei soll der 29-jährige türkische Tatverdächtige eine der Schlüsselfiguren der von Europol geführten Operational Taskforce GRIMM sein. Als eine der meistgesuchten Personen Europas wurde öffentlich nach ihm gefahndet.
Die Taskforce Grimm bringt Strafverfolgungsbehörden aus Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Island, den Niederlanden, Norwegen, Schweden, Spanien, dem Vereinigten Königreich und Deutschland zusammen. Sie fahnden nach Personen, die gezielt junge Menschen ansprechen und rekrutieren, um eine breite Palette von Straftaten zu begehen, von Drogenhandel und Cyberangriffen bis hin zu Online-Betrug und gewaltsamer Erpressung.
Minderjährige werden über Messengerdienste kontaktiert
Der Rekrutierungsprozess läuft laut Europol äußerst strategisch. Der Auftrag- und Geldgeber sitzt häufig im Ausland. Junge Menschen, meistens Minderjährige ohne Verbindung zu einer kriminellen Vereinigung oder den Anwerbern, werden über verschlüsselte Messengerdienste oder Gaming-Plattformen kontaktiert. Dabei nutzen die Vermittler verschlüsselte Sprache, Memes und spielerisch gestaltete Aufgaben. Im Austausch gegen Geld, Ansehen oder ein Gefühl der Zugehörigkeit werden die Minderjährigen in kriminelle Machenschaften verwickelt, die sowohl gewalttätig als auch grenzüberschreitend sind.
Laut dem türkischen Fernsehen soll der Festgenommene den Mord in Ludwigsburg über eine Signal-Gruppe mit dem Namen „1 Million Nickname“ organisiert haben. Die Festnahme soll zudem mit der Suche nach Jos Leijdekkers zusammenhängen, der berüchtigtste Drogendealer Europas. Er wurde im 2025 von einem niederländischen Gericht in Abwesenheit zu 24 Jahren Haft verurteilt – wegen des Schmuggels von knapp sieben Tonnen Kokain und der Anordnung eines Mordes. Die deutsche Polizei bestätigte diesen Zusammenhang auf Anfrage bislang nicht.
Die Ermittlungen im gesamten Komplex „Frost“ dauern weiter an. Zu dem Schusswechsel gehören nach Recherchen unserer Zeitung weitere Angriffe – unter anderem ein Brandanschlag auf ein Fahrzeug in Bietigheim-Bissingen und Schüsse auf einen Mann in Tamm, der dabei lebensgefährlich verletzt wurde und ein Bein verlor. In der Zwischenzeit wurden mehrere Männer verhaftet.
Die Maßnahmen der Ermittlungsverfahren „Frost“ wurden durch das @ON Netzwerk unterstützt, das durch die EU-Kommission finanziert wird und der Italienischen Direzione Investigativa Antimafia (DIA) untersteht.