Der Pausenhof der Grundschule Stammheim ist eine riesige Matschlandschaft. Entsprechend schnell verdreckt das Schulhaus. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Der stellvertretende Rektor der Grundschule Stammheim macht deutlich, was das Spardiktat für den Schulalltag bedeutet. Auch Toiletten werden seltener gereinigt.
Die Stadt Stuttgart muss sparen, doch die im Haushalt beschlossenen Kürzungen wirken sich massiv auf das Leben in den Schulen aus. Wie genau, darüber hat Ingo Regel, stellvertretender kommissarischer Schulleiter an der Grundschule Stammheim, vor Kurzem die Eltern in einem Rundschreiben informiert.
„Die Stadt Stuttgart hat beschlossen, in den Schulen weniger zu putzen. Dies ist für uns eine große Herausforderung. Denn unser Pausenhof ist schlichtweg eine Matschlandschaft“, heißt es in dem Schreiben. Er habe seinen Unmut darüber beim Schulverwaltungsamt platziert. „Wir haben einen netten Brief zurückbekommen. Die Situation bleibt dadurch leider unverändert“, konstatiert Ingo Regel und fügt an: „Wir sind mittlerweile aber schon selber tätig geworden und haben Besen gekauft. Der Hofdienst wurde ausgeweitet und die jeweilig zuständige Klasse kehrt die Treppen zweimal am Tag. In den Gängen kehren die Schüler selbstständig bei Bedarf.“
Hintergrund sind die Ergebnisse der Haushaltsberatungen in Stuttgart. Der Gemeinderat hat beschlossen, das Budget für die Reinigung der Schulen von bisher 19,2 Millionen Euro um 600 000 Euro auf 18,6 Millionen Euro im Jahr zu senken. Das sind 3,1 Prozent. Damit können die Schulhäuser nur noch 2,5 Mal die Woche statt wie bisher drei Mal die Woche gereinigt werden. Allerdings werden die Toiletten, Eingangsbereiche und Flure im Erdgeschoss weiterhin täglich geputzt. So werde der Anspruch an hohe Hygienestandards in den Schulen beibehalten, sagte eine Sprecherin vor Kurzem gegenüber unserer Zeitung.
Viele Sanierungs- und Neubauprojekte verschoben
Auch Ingo Regel betont, dass das Schulverwaltungsamt durchaus bemüht sei. Dennoch reicht der neue Rhythmus zumindest für die Grundschule Stammheim nicht aus. Und die Matschlandschaft auf dem Pausenhof verschwindet erst, wenn der geplante Bau des Schulcampus’ abgeschlossen ist. Doch auch beim Thema Schulsanierungen und -neubauten spart die Stadt. Die Grundschule Stammheim hatte da noch Glück im Unglück, denn dieses Projekt wurde lediglich um ein Jahr verschoben.
Immerhin: „Die Schülerinnen und Schüler fegen mit Begeisterung. Kinder sind meistens sehr motiviert bei der Sache, wenn sie eine Sinnhaftigkeit erkennen“, sagt Ingo Regel. Im Übrigen hat er auch Wischmops gekauft, auch im feucht Reinemachen sind die Kinder mittlerweile geübt. Viel problematischer ist aus Ingo Regels Sicht, dass die zusätzliche Reinigung der Sanitäranlagen im Ganztagsbereich ebenfalls den Kürzungen im Haushalt zum Opfer fiel. „Wenn am Vormittag mehrere hundert Grundschulkinder auf der Toilette waren, dann ist es sinnvoll, wenn man sie mittags nochmal putzt“, sagt der stellvertretende Rektor. Alles andere sei „hygienisch schwierig“.
Auch die kostenlosen Fahrten für Schülergruppen sind gestrichen
Auch die Organisation des Schwimmunterrichts ist eine Herausforderung. Denn das Hallenbad Zuffenhausen wird im April für eine Generalsanierung geschlossen. Das Interimsbad ist noch nicht fertig. Damit die dritten Klassen nicht gänzlich auf die Bewegung im Wasser verzichten müssen, soll es Schwimmvormittage geben. Doch alle Hallenzeiten seien belegt, schreibt Ingo Regel in seinem Brief an die Eltern und fügt hinzu: „Ausstehend ist auch noch die Bezahlung der Fahrkarten für die Hin- und Rückfahrt zum Hallenbad. Bisher wurden diese bezahlt. Seit 2026 nicht mehr.“ Denn um zu sparen, hat der Gemeinderat in den Haushaltsberatungen die freien Fahrten für Schülergruppen gestrichen. „Wir werden das nun aus unserem Schuletat finanzieren müssen. Damit haben wir aber weniger Geld für pädagogisches Material“, sagt der stellvertretende Rektor.
Wegen der Matschlandschaft auf dem Pausenhof, sollen die Kinder in der Grundschule Stammheim Hausschuhe anziehen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Ein Thema, was die Grundschulen seit Jahren beschäftigt, sind die knappen Personalressourcen. Zuständig dafür ist nicht die Stadt, sondern das Land Baden-Württemberg. Der Grundschulverband und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fordern seit Jahren eine bessere Ausstattung mit Lehrkräften – bisher ohne Erfolg. Auch an der Grundschule Stammheim ist die Lage angespannt, vor allem in der Erkältungszeit. Ingo Regel hat in seinem Brief die Eltern darauf eingestimmt und schreibt: „Momentan hat uns eine Krankheitswelle erwischt und wir haben gerade anstrengende Wochen. Wir danken Ihnen sehr herzlich, wenn Sie bei kurzfristigen Bitten Ihre Kinder zu Hause behalten, dies hilft uns sehr.“
Ingo Regels Brief liest sich phasenweise wie eine Satire, die die Missstände an den Schulen auf die Spitze treibt. Doch dem stellvertretenden Rektor ist nicht zum Lachen. „Das ist die Realität, das ist mein täglich Brot“, sagt er. Mit seinem Rundschreiben habe er die Situation für die Eltern transparent machen wollen. Das sei ihm wichtig, und dafür habe er auch positives Feedback erhalten.