Schulschließung in Stuttgart Legionellenbelastung des Trinkwassers gesenkt – „wir sind erleichtert“
Die Eltern waren schockiert über die Nachricht, dass die Gustav-Werner-Schule länger geschlossen bleiben müsse. Nun hat sich die Lage geändert.
Die Eltern waren schockiert über die Nachricht, dass die Gustav-Werner-Schule länger geschlossen bleiben müsse. Nun hat sich die Lage geändert.
Katja Kuklinski ist es gewohnt, im Krisenmodus zu arbeiten. Die Gustav-Werner-Schule (GWS), für die sie als Schulleiterin zuständig ist, Platz aus allen Nähten und die Bausubstanz ist marode. In den vergangenen Jahren mussten immer wieder einzelne Räume des sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums in Zuffenhausen gesperrt werden, zum Beispiel weil Wasser durch die Decke tropfte oder Putz von den Wänden bröckelte.
Dieses Mal aber war das gesamte Hauptgebäude betroffen. Am Freitagnachmittag informierte die Schule die Eltern darüber, dass dieses für womöglich zwei Wochen gesperrt werden müsse. 97 Kinder konnten deshalb am Montag nicht zum Unterricht kommen. Der Grund waren erhöhte Legionellenwerte im Trinkwasser. Diese seien Ende vergangener Woche bei einer Routineuntersuchung festgestellt worden, sagt Sven Matis, der Pressesprecher der Stadt. Legionellen können gefährlich werden. Die Bakterien verursachen beim Menschen schwere Lungenentzündungen. Darum sei die Nutzung einzelner Entnahmestellen umgehend eingeschränkt worden, sagt Matis. Doch man habe nicht gewährleisten können, dass die Schülerinnen und Schüler diese Schutzmaßnahmen eigenständig einhalten. Darum habe die Stadt den Unterricht vorübergehend ausgesetzt.
Die Stuttgarter Stadtverwaltung hat am Wochenende mit Hochdruck an dem Problem gearbeitet. Die Belastung des Wassers habe durch Sofortmaßnahmen gesenkt werden können. Dazu zählen:
„Nach Einschätzung des Schulverwaltungsamts ist durch das koordinierte Vorgehen aller Beteiligten eine Wiederaufnahme des Schulbetriebs ab Dienstag möglich“, so Matis.
„Wir sind sehr erleichtert“, sagt Katja Kuklinski. Das Schulverwaltungsamt und die beauftragte Fachfirma hätten in Absprache mit dem Gesundheitsamt alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die technisch notwendigen Maßnahmen rasch umzusetzen.
Anna Linder berichtet von vielen Familien, denen nun ein Stein vom Herzen falle. Sie ist Elternvertreterin an der GWS und im Gesamtelternbeirat Stuttgart für die sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren zuständig. Für viele Betroffene sei es nur schwer zu ertragen gewesen, dass ihre Kinder erneut zu Hause bleiben mussten und dass sie nicht wussten, wie lange dieser Zustand anhalten würde.
Die Probleme an den sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren in Stuttgart hatten sich in den vergangenen Monaten geballt. Zum einen gibt es einen eklatanten Lehrkräftemangel, weshalb viel Unterricht ausfällt. Zuständig dafür ist das Land Baden-Württemberg. Zum anderen hatte die Stadt Stuttgart Anfang Februar dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) als Träger von Schulbegleitungen wegen Betrugsvorwürfen gekündigt. Daraufhin konnten zunächst 146 Kinder nicht mehr zur Schule. Inzwischen ist für die meisten eine Lösung gefunden.
Ende des vergangenen Jahres hatte Katja Kuklinski Alarm geschlagen und auf die dramatischen Zustände an der GWS hingewiesen. Vor dem Hintergrund der Sparzwänge bei der Stadt Stuttgart stellte der Gemeinderat dennoch kein Geld für die Sanierung und Erweiterung der Schule in Zuffenhausen zur Verfügung.
Nun aber kommt Bewegung in die Sache. „Das Schulverwaltungsamt hat aufgrund der Dringlichkeit und einer besonders schutzbedürftigen Schülerschaft die Priorisierung des Sanierungs- und des Investitionsprogramms angepasst“, schreibt Sven Matis und ergänzt: „Unsere Aufgabe als Betreiber der GWS ist es, einen sicheren Schulbetrieb zu gewährleisten.“ Darum sei ein Paket mit Sofortmaßnahmen, mittelbaren und langfristigen baulichen sowie technischen Maßnahmen erarbeitet worden.
Vorerst aber bleibt alles buchstäblich beim Alten. Das Lehrschwimmbecken jedenfalls, das bereits seit Mitte Februar nicht nutzbar ist, bleibt auf unbestimmte Zeit gesperrt. Was Sven Matis dazu schreibt, lässt nur wenig Hoffnung zu: „Aktuelle bautechnische Untersuchungen zeigen, dass hinsichtlich der Standsicherheit des Gebäudes akuter Handlungsbedarf besteht.“ Das Hochbauamt führe bis Ende Mai weitere Prüfungen durch. Erst danach werde entschieden, ob eine Sanierung und Wiederinbetriebnahme möglich sei oder das Lehrschwimmbecken geschlossen bleiben müsse.