Seit bald vier Jahrzehnten scheitert eine Vision nach der anderen fürs Fromm-Areal in Fellbach. Nun will Investor Joachim Ebner den Schwabenlandtower zu Ende bringen.

Die Sonne bescheint ihn wieder prächtig: Fürs vermeintliche Dauerpleiteprojekt, den Schwabenlandtower, gibt es dank des Engagements des Fellbacher Immobilienexperten Joachim Ebner offenbar doch wieder eine Perspektive. Das gescheiterte Super-Hochhaus wird wohl kein dauerhaftes Negativ-Wahrzeichen bleiben.

 

Denn dass dort überhaupt noch was vorangeht, ist so selbstverständlich nicht. Seit rund 35 Jahren schlittert auf dem einst Fromm-Areal genannten Gelände ein Vorhaben nach dem anderen ins Nirwana. Was für ein merkwürdiges Karma liegt auf diesem Gelände – hier ein Rückblick, was alles am östlichen Stadteingang entlang der Schorndorfer Straße gescheitert ist.

Den Burger-Schnellimbiss nebendran gab’s vor Jahrzehnten auch schon. Foto: Archiv

Noch vor dem Schwabenlandtower: Einstige Firma Fromm ging in Konkurs

Seinen Namen hat das Areal von der Ferdinand Fromm GmbH, die an dem Eckstück der Friedrich-List-Straße und Schorndorfer Straße in einer flachen Industriehalle seit 1967 Holzbearbeitungsmaschinen herstellte. Im Alter von 90 Jahren ging die Firma dann 1992 in Konkurs. Die nächste Idee: ein Hotelkomplex unter dem Titel „Le Village“, mit 215 Einzelzimmer-Apartments der gehobenen Klasse. Doch dem Investor ging das Geld aus, die Bauarbeiter zogen 1995 davon.

Das dreistöckige Betongerippe ohne Dach diente fortan viele Jahre einer Rattenkolonie als Unterschlupf, die zudem Ausflüge in die Wohnhäuser der nördlichen Nachbarschaft machte. Genutzt wurde die realistische Weltuntergangskulisse überdies von Rettungskräften für Katastrophenschutzübungen. Auf der Südseite des Geländes stand seinerzeit noch die Tennishalle des früheren Stuttgarter-Kickers-Präsidenten Axel Dünnwald-Metzler. In diese kamen kurz danach eine Übungshalle für Inline-Skater und danach das türkische Veranstaltungszentrum Efsane.

Auf dem Gelände des Schwabenlandtowers sollte ein riesiges Kino entstehen

Die Angelegenheit wurde irgendwann zur Chefsache: Zur Jahrtausendwende, kurz vor dem Ende seiner Amtszeit Mitte des Jahres 2000, präsentierte der damalige Oberbürgermeister Friedrich-Wilhelm Kiel den großen Wurf: Eine englische Investorengruppe sei bereit, millionenschwere Investitionen beim Rems-Murr-Center zu tätigen und auch das Fromm-Gelände gegenüber einzubeziehen.

Kernpunkt des „Heron City“ getauften Einkaufs-, Erlebnis- und Fitnesszentrums sollte ein Kinopalast mit 4000 Sitzplätzen sein. Zwei Millionen Besucher jährlich könnte der gesamte Komplex an den Fellbacher Stadtrand locken, halbwegs gut erreichbar über die nahegelegene B 14.

Widerstand gegen „Gigantomie“ – dann kam der Schwabenlandtower

Doch Kiels Vision erfuhr heftigen Gegenwind. Der Plan sei für Fellbach eindeutig eine Nummer zu groß, beschwerten sich Bürger bei einer Veranstaltung der Fellbacher Zeitung über die „Gigantomie“. Also wieder nix.

Auf Kiel folgte Christoph Palm. Der eloquente neue OB stellte sich eines Tages in einer offenen Diskussionsrunde des Jugendgemeinderats den Fragen des wissbegierigen Fellbacher Nachwuchses – auch zum seinerzeit bald 15 Jahre nicht genutzten Fromm-Grundstück. Von den Eigentümern seien leider lange Zeit keine guten Ideen gekommen, klagte Palm – und ergänzte mit einem Schmunzeln: „Der abstruseste Vorschlag war, ein Bordell in Schiffsform auf dem Areal zu bauen.“

Kein Freudenhaus, sondern ein Hochhaus galt kurz danach als der neueste Schrei. Wie schon sein Vorgänger Kiel hatte sich auch Palm in die Suche nach einer zukunftsfähigen Lösung eingeschaltet. Der Hoffnungsträger hieß Michael G. Warbanoff. Den traf Palm beim Richtfest fürs neue Markthaus in der Winnender Innenstadt. Ob Warbanoff nicht eine Idee für den brachliegenden östlichen Fellbacher Stadteingang hätte, fragte der OB den Investor. Und der hatte tatsächlich eine zunächst kühn anmutende Idee. Auf den ersten Skizzen des Backnanger Architekten Jörg Wolf war zunächst ein „nur“ 85 Meter hoher Gebäudekomplex zu sehen, allerdings mit sogar zwei Türmen.

„Gigantische Siedlung soll Schandfleck ersetzen“ titelte die Fellbacher Zeitung über den Gewa-5-to-one-Tower – Warbanoff nannte ihn so, weil sich aus der Vogelperspektive gesehen die Randbebauung wie eine Fünf um den Solitär gruppieren sollte.

Kurz danach ging’s noch höher: 34 Stockwerke, verteilt auf 107 Meter, sollten es nun sein. „Wir wollen was schaffen, das Klasse hat“, schwärmte Architekt Wolf in der ersten öffentlichen Vorstellung im rappelvollen Sitzungssaal des Rathauses. Und er versprach: „Das Hochhaus soll schlank und elegant wirken, wie ein Bleistift.“

Ex-OB Palm: „In Fellbach geht’s vorwärts und aufwärts

Palm jubelte: „Wir demonstrieren, dass es in Fellbach vorwärts und aufwärts geht.“ Wieder formierte sich Widerstand, doch auch die Bürgerinitiative „Fellbach ist nicht Manhattan“ konnte das Projekt nicht verhindern, im Mai 2014 postierten sich Palm, Warbanoff und weitere Honoratioren zum Spatenstich auf dem Gelände, auf dem zuvor die alte Betonruine abgerissen worden war.

Doch auch mit der CG Group, die anschließend das Zepter übernahm, wie auch danach mit der Adler Group kam der Rohbau nicht richtig voran. Der Gewa-Tower wurde in Schwabenlandtower 107 umgetauft, das Konzept sah mittlerweile 194 Mietwohnungen statt der ursprünglich geplanten 66 Luxusapartments vor.

Zull zum Schwabenlandtower: „Der Turm war unser Sorgenkind.“

Kaum hatte Oberbürgermeisterin Gabriele Zull 2016 ihr Amt angetreten, wurde sie mit Insolvenz und Baustopp konfrontiert. Beim Neujahrsempfang im Januar 2024 erklärte Zull: „Der Turm war von Anfang an unser Sorgenkind – und ist es bis heute geblieben.“ Eine Fertigstellung des Wohnturms durch die Stadt schloss sie kategorisch aus.

Vor einiger Zeit hat unsere Zeitung es so formuliert: „Wer führt dieses vermaledeite Vorhaben zu Ende? Es bleibt nur jemand, der den Fluch auf diesem Areal besiegen kann. Ein Tower-Supermann!“

Nun, womöglich heißt dieser lang ersehnte Immobilienheld: Joachim Ebner.