So ein richtiger Platz ist der Bismarckplatz gar nicht, denn die breite Schwabstraße zerschneidet die annähernd quadratische Fläche in zwei wenig verbundene Teile. Dennoch ist er wichtig für den Stuttgarter Westen, weil er etwas Grün bietet, weil dort mehrmals die Woche ein Markt stattfindet und weil sich dort auch einige Lokale angesiedelt haben.
Und nun sollen sich die Menschen bald, sofern die Versprechen dieses Mal eingehalten werden, viel lieber unter den schattigen Bäumen länger aufhalten. Zudem soll der Bismarckplatz ein Vorzeigeprojekt in Sachen Hitzeabwehr und Schwammstadt werden, bei der der Regen zurückgehalten wird und das Wasser etwa zur Bewässerung genutzt werden kann. Für 7,9 Millionen Euro will die Stadt den Bismarckplatz ab dem nächsten Jahr umbauen lassen. Die Pläne hat der Ausschuss für Klima und Nachhaltigkeit jetzt einstimmig beschlossen.
Zwei Nebelsprühanlagen und ein Wasserspiel sind geplant
Konkret geht es darum, den Asphaltanteil zu reduzieren; so sollen alle Parkplätze mit Sickersteinen versehen werden. Die Zahl der Bäume wird um zwölf auf dann mehr als 80 erhöht. Nicht nur das Grün, sondern auch die Verschattung nimmt damit zu, was besonders an heißen Tagen zur Kühlung des Ortes beiträgt. Ein zentrales Element werden die sogenannten Rigolen auf 2400 Quadratmeter sein – das sind Sickerflächen, die das Wasser zurückhalten; bei Starkregen wird dadurch die Kanalisation entlastet. Zudem ist eine Zisterne mit 100 Kubikmetern geplant. Mit diesem Wasser werden Bäume und Rasen in einem automatischen System gegossen. Dabei entsteht auch Verdunstungskälte.
Die Menschen und vor allem die Kinder dürften sich am meisten über die Wasserspiele freuen. Zwei Nebelsprühanlagen sind angedacht, zudem an der Nordostseite des Platzes ein Wasserspiel, das über Bodentrampoline gesteuert werden kann. Der schon existierende Trinkbrunnen wird vermutlich erneuert. Von einer Freitreppe an der Westseite der Elisabethenkirche ist dagegen in den aktuellen Planungen keine Rede mehr.
Tatsächlich haben sich die Überlegungen immer wieder geändert, seit die Stadt vor zehn Jahren auch mit einer Bürgerbeteiligung in die Umgestaltung des Bismarckplatzes eingestiegen war. Die letzten Pläne datieren aus dem Jahr 2017 – seither habe der fortschreitende Klimawandel aber alle Stadtplaner gezwungen, sich neu zu orientieren und Hitzetage und Starkregen zu berücksichtigen. „Die Lernkurve ist durch dieses Modellprojekt in allen beteiligten Ämtern steil nach oben gegangen“, sagte Martin Horch vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung im Ausschuss.
Dass es so lange gedauert hat, begründete Horch daneben mit aufwendigen Prüfungen: So müsse derzeit für jeden einzelnen schon existierenden Baum ein Erhaltungskonzept erarbeitet werden, bei dem auch die Wurzeln untersucht werden.
Die Kosten haben sich seit der ersten Berechnung im Jahr 2014 beinahe verdoppelt; und zum Ende des Jahres soll eine neue Schätzung erfolgen, die vermutlich weitere Steigerungen bringen wird. Die Mehrkosten aufgrund der Umplanung im Sinne des Schwammstadt-Konzepts betragen 1,15 Millionen Euro. Die jährlichen Betriebskosten liegen voraussichtlich bei 50 000 Euro. Wegen der Verzögerung und den Mehrkosten war im Ausschuss aber kein Wort der Kritik zu hören, vielmehr überwog in allen Fraktionen die Freude, dass es nun endlich bald losgehen soll. Direkt nebenan in der Elisabethenanlage wird übrigens schon gebaut. Dort sollen für 2,4 Millionen Euro Bolzplätze, Fitnessgeräte und ebenfalls eine Wasserspielfläche installiert werden.
Eine Kritik gab es am Ende aber doch noch im Ausschuss. Hannes Rockenbauch (SÖS) mahnte die Stadt, den Namen des Platzes zu ändern – Reichskanzler Otto von Bismarck wird heute vielfach nüchterner und distanzierter gesehen als noch vor einigen Jahrzehnten. Martin Horch entgegnete, dass sich ein Bismarckplatz-Verein gegründet habe: Und dort sei die Namensgebung tatsächlich ein Thema.