Schwieberdingen Porsche, Bosch – und viele offene Fragen

Die geplante Gewerbefläche zwischen Bosch und der Schnellbahntrasse. Foto: Simon Granville

Porsche und Bosch könnten sich in einem neuen Gewerbegebiet in Schwieberdingen ansiedeln. Aber ob es wirklich so kommt, ist offen – genauso wie vieles andere. Das ist Wasser auf die Mühlen der Kritiker.

Ludwigsburg: Franziska Kleiner (fk)

Große Namen wie Bosch und Porsche sind im Gespräch. Aber siedelt sich am Ende im geplanten Gewerbegebiet Laiblinger Weg nicht doch wieder nur ein Logistiker an, der viel Fläche verbraucht, aber der Kommune nur geringe Steuereinnahmen bringt? Diese Befürchtung formuliert Karl Bendel im Namen des Aktionsbündnisses Initiative Lebenswertes Strohgäu. Auch nach einem Gespräch mit dem Schwieberdinger Bürgermeister Stefan Benker sieht Bendel seine Bedenken nicht ausgeräumt. Was die Umsetzung der Pläne für das Gewerbegebiet betreffe, sei vieles offen – auch ob ausgeschlossen ist, dass das Unternehmen zum finanziellen Fiasko für die Gemeinde werden könne. „Das Gewerbegebiet wird kommen. Aber wenn es kommt, soll es sich für die Gemeinde rentieren“, fordert er.

 

Die Kommunen Ditzingen, Hemmingen, Markgröningen und Schwieberdingen wollen in Schwieberdingen nahe des Bosch-Standorts gemeinsam ein interkommunales Gewerbegebiet, einen sogenannten Regionalen Gewerbeschwerpunkt mit einer Größe von rund 23 Hektar, entwickeln.

Insgesamt ist das Areal zwischen B 10 und Eisenbahntrasse rund 45 Hektar groß – und dreigeteilt. Es enthält sowohl fünf Hektar für die Entwicklung der Gemeinde Schwieberdingen, eine 17 Hektar große Erweiterungsfläche für Bosch und eine Fläche – etwa die Hälfte des gesamten Gebiets – für das interkommunale Gewerbegebiet. Um diesen Gewerbeschwerpunkt zu entwickeln, haben sich die Kommunen unter dem Vorsitz von Bürgermeister Benker zu einem Zweckverband zusammengeschlossen.

Ein möglicher Nutzer in diesem neuen Gewerbegebiet könnte Porsche sein. Ob Porsche aber wirklich kommt, ist weiterhin offen – auch für den Schwieberdinger Bürgermeister. Er verweist auf anstehende Gespräche mit dem Sportwagenbauer und betont, dass über eine Ansiedlung letztlich der Zweckverband entscheiden werde. Dem wolle er nicht vorgreifen, und meint daher nur: „Porsche ist ein möglicher Interessent.“ Ein Sprecher des Automobilbauers sagt: „Als international erfolgreiches Unternehmen sind wir stolz auf unsere Wurzeln – und fest mit der Region, den Menschen und den Kommunen verbunden.“ Man verfolge „die Entwicklungen rund um den regionalen Gewerbeschwerpunkt in Schwieberdingen aufmerksam“ und sei mit den Vertretern der Gemeinde im Dialog.

Auch in Bezug auf eine mögliche Bosch-Erweiterung gibt sich Benker zurückhaltend, will anstehenden Gesprächen nicht vorgreifen. Bosch selbst teilt mit, „zu einem sehr frühen Zeitpunkt“ der Gemeinde die eigenen Absichten zum Gewerbegebiet Laiblinger Weg erklärt zu haben. „Wir stehen weiterhin im guten Austausch mit der Gemeinde.“

Infrastruktur bereits jetzt planen?

Just die Unklarheit in zentralen Fragen irritiert Bendel. Schließlich nehme der Zweckverband – und damit auch die Gemeinde Schwieberdingen – für die Realisierung viel Geld in die Hand. Ganz abgesehen davon, dass die LBBW Immobilien Kommunalentwicklung dafür beauftragt worden sei, die Kommunen also keine Entscheidungsmacht mehr hätten, so seine Befürchtung. Benker hält dem entgegen, dass es sich um einen Dienstleister handle, der im Sinne des Zweckverbands zu agieren habe.

Für 90 Prozent der Flächen lägen Absichtserklärungen der Grundstückseigentümer für einen Verkauf vor, sagt Benker, „Tendenz steigend.“ Die Grundstücke sollen erworben, auch die Infrastruktur – Strom- und Wasserversorgung – geschaffen werden, obwohl noch keine schriftlichen Zusagen von künftigen Nutzern vorliegen? Der Verband Region Stuttgart stützt die Vorgehensweise des Zweckverbands. Es sei sinnvoll, jetzt die Infrastruktur zu planen, „damit man bei der Ansiedlung schnell verfahren kann und nicht Jahre vergehen, bis der Standort nutzbar ist“, sagt die Verbandssprecherin Alexandra Aufmuth. Wenn die Region ihren Wohlstand erhalten wolle, „müssen wir uns darum bemühen, hiesigen Unternehmen Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten und ein Abwandern zu verhindern“. Zugleich würden Flächen benötigt, die für Ansiedlungen von Unternehmen schnell genutzt werden können. „Dabei stehen wir in Konkurrenz mit anderen Landesteilen, Bundesländern und sogar international. In der Region haben wir jedoch einen Mangel an Gewerbeflächen.“ Nur wenn die vorhandenen schnell nutzbar gemacht würden, „können wir in diesem Wettlauf echte Optionen bieten“.

Bürgermeister Benker verweist auf das frühe Projektstadium – und dass viele Fragen daher um Jahre zu früh kämen. Karl Bendel bleibt skeptisch. Zu vieles sei ungeklärt. Er wünscht sich einen Austausch, etwa in Form eines Infomarktes, wie ihn Korntal-Münchingen zum Ökopark gemacht hatte, also dem Regionalen Gewerbeschwerpunkt auf eigener Gemarkung. Die Pläne zum Ökopark Korntal-Münchingen liegen inzwischen auf Eis. Im Herbst sollen sie erneut auf die Agenda des Gemeinderats gesetzt werden.

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