Schwimmen in Stuttgart Welche Bäder müssen schließen? Im Juli fällt die Entscheidung

Noch wird in Zuffenhausen geschwommen. Doch wie sieht es nächsten Sommer aus? Foto: Guenter E. Bergmann

Nun wird gerechnet und geredet. Vier Vereine kämpfen um ihre Bäder und hoffen immer noch auf Hilfe der Stadt und des Gemeinderats.

Als Kulturtechnik hat es das Schwimmen in den Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung geschafft. „Wir fördern gezielt . . . Angebote zur Verbesserung der Schwimmfähigkeit. Jedes Grundschulkind soll verlässlich schwimmen können. Wir setzen uns für eine gute Bäderinfrastruktur ein und treiben innovative Lösungen voran.“ Das klingt gut. Und wäre vonnöten. Denn immer noch ist man in Stuttgart trotz vieler Gespräche ratlos, wie man die vier vereinseigenen Bäder erhalten will.

 

Eine innovative Lösung wird also gebraucht. Nun wird da aber außer hehrer Worte nicht viel vom Land kommen. Schon gar kein Geld. Und die Stadt hat nicht genug Geld. Oder genauer gesagt, sie setzt es nach dem Willen des Gemeinderats anders ein. Die Freibäder des MTV Stuttgart, des ASV Botnang, des SSV Zuffenhausen, und das Hallenbad des SV Cannstatt bekamen bisher von der Stadt 80 Prozent ihrer Betriebskosten ersetzt. Diese waren über die Jahre hinweg auf zuletzt 1,65 Millionen Euro gestiegen. Die Zuschüsse der Stadt betrugen im Jahr 2010 noch 670 000 Euro, 2025 waren es schon 1,32 Millionen Euro, für 2026 werden 1,44 Millionen Euro vorhergesagt. Die Personalkosten tragen dazu 45 Prozent bei, die Energie und Reinigungskosten 36 Prozent, der Rest sind Wartungen und Sonstiges. Nun haben die Stadträte für den Haushalt des Jahres 2026 beschlossen, die 80 Prozent weiter zu bezahlen. Aber für 2027 ist der Zuschuss auf 730 000 Euro gedeckelt.

Nun ist guter Rat im wahrsten Sinne des Wortes teuer. Der Sport-Etat wurde im Zuge der Sparmaßnahmen gekürzt, Sportamtsleiterin Daniela Klein sagt: „Ohne zusätzliche Haushaltsmittel oder Einsparungen in anderen Bereichen der Sportförderung kann der steigende Finanzbedarf nicht vollständig gedeckt werden.“ Man suche gemeinsam mit den Vereinen intensiv nach Lösungen, um möglichst viele Angebote zu erhalten. Die da wären: „Anpassungen im Betriebsumfang einzelner Anlagen, Optimierungen auf der Kosten- und Einnahmenseite sowie strukturelle Veränderungen, einschließlich einer möglichen Reduzierung der Anzahl der betriebenen Bäder.“

Die Vereine reden nun mit dem Sportamt in den kommenden Wochen, jeder für sich. Aber man hat sich schon zweimal gemeinsam getroffen, denn das Quartett will sich nicht auseinanderdividieren lassen. Denn rein rechnerisch reichen die Zuschüsse von 2027 an nur noch für zwei Bäder, zwei Bäder müssten also schließen. Doch welche? Bei allem Möglichen an Einsparungen, etwa durch Einschränken der Öffnungszeiten und Senken der Wasser-Temperatur, scheint es doch unwahrscheinlich, dass es ohne höhere Zuschüsse als die 730 000 Euro geht.

Wasserball-Training im Mombach-Bad des SV Cannstatt. Wo üben die Kinder, wenn das Bad schließen muss? Foto: Lichtgut

Doch schnell soll es gehen, spätestens bis Ende Juni sollen die Vereine Zahlen und Vorschläge liefern. Am 28. Juli werden die Stadträte im Sportausschuss nochmals debattieren. Der Deutsche Schwimmverband hat Argumentationshilfen geliefert. Auch dort kennt man die Lage in Stuttgart. „Wir beobachten diese Entwicklung mit großer Sorge“, schreibt der Verband an die Fraktionen im Gemeinderat. „Als Deutscher Schwimmverband wissen wir auch aus eigenen Studien, dass aktuell mehr als die Hälfte aller Grundschülerinnen und Grundschüler die Schule nicht als sichere Schwimmer verlässt.“

Dies sei fatal: Schwimmen zu lernen sei keine Freizeitoption, sondern eine grundlegende Kulturtechnik, überlebenswichtig und ein wichtiger Baustein gesellschaftlicher Teilhabe. „Vereinsbäder spielen in diesem Zusammenhang eine sehr bedeutsame Rolle. Sie sichern nicht nur Trainings- und Sportbetrieb, sondern leisten vor allem einen unverzichtbaren Beitrag zur Schwimmausbildung – häufig ehrenamtlich getragen und mit großem Engagement organisiert.“

Man bitte deshalb dringend darum, dass die Entscheidung im Sinne der Vereine und ihrer vier Schwimmbäder ausfallen wird. Was im Sinne des Koalitionsvertrags zwischen Grünen und CDU wäre, die ja im Stuttgarter Gemeinderat auch eine Haushaltskoalition gebildet und maßgeblich die Art und Weise der Sparmaßnahmen bestimmt hatten.

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