SSV-Geschäftsführer Sven Metzler kämpft für den Erhalt des Bädles in Zuffenhausen . Foto: Ferdinando Iannone
Die Zeit drängt. Die vier Vereine müssen bald entscheiden, ob sie ihre Bäder weiterbetreiben können. Dabei suchen sie Verbündete. Und diskutieren Lösungsmöglichkeiten.
Das Interesse war groß. Keinen freien Platz gab es im Bürgerhaus in Rot mehr. Und bei allem Respekt vor der Sanierung eines Gebäudes in der Lothringer Straße und dem Rahmenplan für Rot, alle warteten auf den Tagesordnungspunkt: „Austausch und gemeinsames Vorgehen zur aktuellen Situation des Bädles in Zuffenhausen.“
Geschäftsführer Sven Metzler und Vorstand Reinhold Krause vom SSV Zuffenhausen machen seit dem 21. April kaum noch etwas anderes, als sich um die Rettung des Bädles auf der Schlotwiese zu kümmern. An dem Tag erfuhren die Öffentlichkeit und die Vereine SSV Zuffenhausen, ASV Botnang, MTV Stuttgart und SV Cannstatt erst, welche Auswirkungen die Sparbeschlüsse vom Dezember hatten.
Der Etat des zuständigen Sportamts ist ausgeschöpft
Krause fasste die Optionen nun zusammen. „A: Es geht irgendwie weiter mit leicht gekürztem Niveau. B: Wir machen daraus ein Mitgliederbad. C: Wir machen es zu und verabschieden uns vom Betrieb eines Freibads.“ Alle Möglichkeiten werden nun geprüft. Denn, so Metzler, „das Sportamt legt uns die Daumenschrauben an“. Denn dort ist der Etat ausgeschöpft. Und so haben alle Vereine einen Fragebogen bekommen, den sie nun abarbeiten müssen bis Ende Juni.
Die Wasserballer des SV Cannstatt trainieren im Mombach-Bad. Foto: Pressefoto Baumann
Personalkosten, Energiekosten, Einnahmen werden abgefragt, ob Einsparungen durch Reduzieren der Öffnungszeiten möglich seien. Welche Folgen eine vorübergehende oder eine endgültige Schließung hätten. Das gelte es natürlich zu verhindern, sagte Krause. Deshalb habe man mit der Hausbank gesprochen, dort würde man Kredite bekommen, um die Defizite bezahlen zu können. So die Stadt für die Kredite bürge.
Für ihre Bäder hoffen die Vereine auf Hilfe durch die Stadträte
Das allerdings wäre eine Lösung, die auch bei einem Mitgliederbad nicht ewig trägt. Schließlich ist der SSV allen seinen 4000 Mitgliedern verpflichtet, und kann nicht Jahr für Jahr eine halbe Million Euro Schulden nur für den Betrieb des Bädle anhäufen, die den Verein in seiner Existenz gefährden.
So hofft man wie die anderen Vereine auf Hilfe durch die Stadträte. Auf dass diese noch Geld im Haushalt finden. Und man glaubt schon genug Argumente auf seiner Seite zu haben. Bei den 14 Bädern des Bäderamtes schließlich trägt die Stadt 100 Prozent des Betriebes. Die vereinseigenen Bäder erwirtschaften immerhin 20 Prozent selbst. Vieles davon durch ehrenamtliche Arbeit. Zudem „sind unsere Bäder Bestandteil des Bäderentwicklungsplanes, die der Gemeinderat 2018 beschlossen hat“. Bei einer Schließung der vier Vereinsbäder würden so viele Schwimmkurse und Schwimmunterricht der Schulen ausfallen, dass die Stadt sich endgültig vom Ziel verabschieden kann, dass jedes Grundschulkind schwimmen kann.
Schon lange gibt es das MTV-Bad in Botnang. Endet eine Ära? Foto: Thomas Mack
Die gewünschte Unterstützung gab es jedenfalls von den Bezirksbeiräten. Moralisch. Hatte doch fast jeder eine Geschichte zu erzählen, wie er im Bädle schwimmen gelernt hat. Und welche Bedeutung das Freibad weit über den Bezirk hinaus habe, zum Schwimmenlernen, zum Ausruhen, als sozialer Kitt und Treffpunkt. „Wir sind das einzige Freibad für 120.000 Menschen im Stuttgarter Norden“, sagte Metzler.
Auch die Bürger setzen sich für die Bäder ein: Mithilfe von Gelben Karten
Einstimmig appellierten die Bezirksbeiräte an Stadt und Gemeinderat, weiterhin 80 Prozent der Defizite des Bädles auszugleichen. Ähnliche Beschlüsse hatten auch schon die Bezirksbeiräte in Bad Cannstatt und Botnang gefasst.
Druck üben aber auch die Bürger aus. Es hagelt Gelbe Karten für die Stadt, also Beschwerden. Eine Unterschriftenliste für den Erhalt des Bädles haben 900 Bürger signiert, die Petition online marschiert auf 9000 Unterschriften zu. Das Interesse bleibt groß. Und der Kampfeswille ungebrochen.