Die neugegründeten Vereine zur Erhaltung der Freibäder in Beutelsbach und Strümpfelbach müssen liefern. Sonst bleiben dort die Becken leer zugunsten eines Kombibads in Endersbach.

Das Angebot des Weinstädter Oberbürgermeisters Michael Scharmann steht: Sollen die Freibäder in Beutelsbach und Strümpfelbach erhalten bleiben, müssen bis Mitte September Konzepte für ihren Weiterbetrieb unter Vereinsregie vorgelegt werden, die langfristig angelegt sind und den städtischen Haushalt auf Dauer nicht mehr belasten wie es bei einem zentralen Freibad-Neubau im Stadtteil Endersbach der Fall wäre. Einen solchen hat die Verwaltung mit den Stadtwerken Weinstadt geplant.

 

Beabsichtigt ist, das kurz vor seiner Eröffnung stehende neue Hallenbad am Endersbacher Stadion bis zum Jahr 2028 zum Kombibad auszubauen. Die Idee: Zum einen sollen durch Synergien und steuerliche Vorteile Kosten gespart werden, um den defizitären Haushalt zu konsolidieren. Zum anderen soll die Problematik um die beiden in die Jahre gekommenen, sanierungsbedürftigen Bestandsbäder gelöst werden, in denen aus Geldmangel seit langem nur noch das Nötigste gerichtet wird. Doch kaum öffentlich bekannt, stießen die beabsichtigten Freibadschließungen auf massiven Protest, woraufhin Scharmann den Bürgerinitiativen das Angebot machte.

Pachtzins läge bei einem Euro pro Jahr

Noch vor den Sommerferien stellte der Gemeinderat die Weiche dafür, legte Voraussetzungen für einen Weiterbetrieb der Bäder durch Vereine fest. Die wesentlichen Punkte laut dem Hauptamtsleiter Jan Beck: Für einen symbolischen jährlichen Pachtzins von einem Euro überlässt die Stadt die Bäder den Vereinen, zunächst bis 2031 – allerdings mit jährlicher Verlängerung im Anschluss. „Einerseits deklarieren wir so, dass uns an einer langfristigen Lösung gelegen ist“, erläutert Beck, „andererseits ist es damit möglich, dass man sich nach fünf Jahren an einen Tisch setzt und nachjustiert.“

Im Gegenzug haben die Vereine einen Freibadbetrieb sicherzustellen, der hinsichtlich Saisondauer und Öffnungszeiten dem aktuellen entspricht. Die Verantwortung dafür tragen sie, ebenso die Kosten. Allerdings ist die Stadt bereit, jährliche Zuschüsse von insgesamt maximal 205 000 Euro für ungedeckte Aufwendungen zu zahlen.

„Das Angebot der Stadt wirkt für uns – Stand heute – fair“, urteilt Julia Zeh. Sie ist die Vorsitzende des neugegründeten Vereins S‘Freibädle Beutelsbach. Schon lang vor Bekanntwerden der Schließungspläne hatte sich diese voriges Jahr gegründet und unabhängig davon bis zum Sommer 2025 ein Konzept zur Sanierung und Weiterentwicklung des Freibads Beutelsbachs entwickelt, das sie dem Gemeinderat in nicht-öffentlicher Sitzung vorlegte. Seit die Verwaltungsspitze mit den Fraktionsvorsitzenden des Stadtparlaments bald darauf den beabsichtigten strukturellen Umbau der Bäderlandschaft verkündete, macht S’Freibädle Front dagegen. In kürzester Zeit bekam die Initiative großen Zulauf, gewann mehr als 400 Abonnenten für ihren Social-Media-Kanal und sammelte mehr als 700 Unterschriften gegen die Badschließung.

Ambitionierte Ziele

Der mittlerweile ins Leben gerufene Verein zählt gut 300 Mitgliedern. Damit sehe man sich für die Badübernahme mittelfristig gut aufgestellt, erklärt Zeh: „Am wichtigsten sind dabei natürlich die Finanzen – und hier sind unsere Mitglieder und das aktive Ehrenamt gefragt, da die Personalkosten bislang einen erheblichen Anteil am jährlichen Minus der Stadt ausmachen und wir zumindest einen Teil durch persönliches Engagement abfedern wollen.“ Dabei sei man sich bewusst, dass es ein ambitioniertes Ziel ist, angesichts der gesamten Kosten für Grundsteuer, Strom, Wasser, Gebäudeversicherung, die den Vereinen übertragen werden sollen. „Hier prüfen wir zusätzlich verschiedene Finanzierungsquellen. Unter anderem wird es ab sofort möglich sein, eine Fördermitgliedschaft abzuschließen.“

Zudem hat man mit unterschiedlichen Technikexperten erste Begehungen des Freibads unternommen, um den Sanierungsaufwand abzuschätzen – mit „durchaus erfreulichen Ergebnissen“. So arbeite man auf Hochtouren an einem Vereinskonzept. „Wir sind zuversichtlich, bis zur Abgabe im September ein tragfähiges Konzept vorstellen zu können.“ Dabei tausche man sich mit dem Verein in Strümpfelbach aus.

Denn auch dort hat sich mittlerweile ein Vereins zur Erhaltung des Freibads gegründet. Innerhalb weniger Wochen habe man mehr als 450 Mitglieder gewonnen, berichtet der Vorsitzende Thorsten Zebisch: „Und täglich kommen neue Mitglieder dazu. Der Zustrom ist ungebrochen hoch“ – und nicht nur aus Strümpfelbach. Auch aus der Nachbargemeinde Aichwald (Kreis Esslingen) treten Menschen, die die Vorzüge eines kleinen Freibads schätzen, dem Verein bei. „So ein kleines Bad ist übersichtlicher und familiärer. Da kann man die Kinder einfach springen lassen“, beschreibt Zebisch. Dazu komme die „idyllische Lage“, die Bindung dazu, die vielfach von Kindesbeinen an bestehe, und die Tatsache, dass nach Schließungen von Läden und Gastwirtschaften im Ort neben einer Bäckerei nur noch das Freibad als öffentlicher Treffpunkt geblieben ist.

Schwerpunkt liegt auf Familien

Auch beim Vereinsbetrieb solle der Schwerpunkt auf Familien gelegt werden und das Freibad für sie attraktiver gestaltet werden, etwa durch eine Solaranlage zur Beheizung des Beckenwassers. Eine auf Bäder spezialisierte Fachfirma habe man dazu bereits an der Hand, ebenso einen öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen. Zudem verfüge man mit Architekten und Handwerkern im Verein über Kompetenzen, um viele Dinge in Eigenleistung zu erbringen. „Das ist ein Vorteil für uns als Verein“, sagt Zebisch, der als Rechtsanwalt mit Kenntnissen im Wirtschaftsrecht als Vorsitzender hilfreiche Kompetenzen mitbringt.

Mehr Informationen im Internet

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www.freibaedle-beutelsbach.de