Segel-Kreuzfahrt im Mittelmeer Grüner kreuzen

Majestätisch: Der Fünfmaster „Royal Clipper“, das Flaggschiff von Star Clippers, vor Anker in der Bucht von Portoferraio Foto: Christoph Assies

Eine Kreuzfahrt unter Segeln ist die wohl ursprünglichste Art, Urlaub auf dem Wasser zu machen. Und so ein Törn ist im doppelten Sinne nachhaltig.

Früher Morgen im Mittelmeer. Die See ist unwirklich glatt, die Sonne geht mit einem goldenen Licht auf. Das Leben an Bord des Fünfmast-Vollschiffes ist längst erwacht. Hier steht jeder der maximal 227 Passagiere früh auf – zu besonders ist ein noch junger Tag unter Masten und Segeltuch.

 

Nahezu lautlos gleitet das Schiff mit Kurs auf Monte Carlo – zugleich Sitz der 1991 gegründeten Reederei Star Clippers – über das Meer. Bis in den Hafen des Fürstentums dauert es noch. Im Dunst ist das erste Ziel der Segelkreuzfahrt, die entlang der Côte d’Azur über Portofino, Lerici und Elba bis nach Civitavecchia führt, erst schwach zu erkennen.

Im Fitnessbereich mit Blick auf vorbeiziehende Fische trainieren

Besonders schön ist es zu dieser Zeit in einem der beiden Balkone am Bug mit einer Tasse Kaffee vom Early-Bird-Frühstück. An diesen exklusiven Plätzen an Steuerbord und Backbord kontrolliert die Crew das Einholen der Anker. Wird hier nicht gearbeitet stehen die Plätze den Gästen offen. Früh am Morgen sind es nahezu meditative Orte.

Er hat das Kommando auf der „Royal Clipper“: Kapitän Brunon Barowka Foto: Christoph Assies

Hier ist man noch näher am Wasser, hört das Rauschen der Bugwelle und das eigentlich allgegenwärtige Knarzen von Holz und Tauen, die über Umlenkrollen gezogen werden, um die Segel zu setzen oder einzuholen. Der Alltag, Probleme, Stress im Job oder sonst irgendeine Belastung sind ganz weit weg. Momente an Bord, wie dieser machen den Reiz und das ganz besondere Flair, fast schon eine Magie der „Royal Clipper“ aus. Vieles ist aus Sicht der modernen Kreuzfahrt-Welt hier anders. Auf den Gängen und an Deck werden die Gäste nicht dauerhaft mit Musik berieselt und beschallt, es gibt nur ein Restaurant – ohne Krawattenzwang und feste Tischordnung, dafür mit sehr gutem Service und abwechslungsreicher Küche.

Die Unterkünfte an Bord sind besonders: Besonders gemütlich und sie verströmen echtes Schiffs-Flair. Anders als beim Mitbewerber Sea Cloud Cruises, wo das Preisniveau höher ist, gibt es an Bord der „Royal Clipper“ nur 14 Suiten sowie zwei große Owner-Suiten mit eigenem Balkon. Hinzukommen sechs Innenkabinen und 90 Außenkabinen mit Bullaugen. Hier dominieren poliertes Holz, Messing und der traditionelle Look des Marmorbades. Abstriche müssen bei der Anzahl von Steckdosen und bei Schrankflächen gemacht werden. Auf modernen Kreuzfahrtschiffen gibt es hier mehr Komfort.

Wer Entertainment mit Broadway-Shows in einem großen Theater sucht, wird enttäuscht. Überraschend: Der recht große Fitnessbereich unterhalb der Wasseroberfläche, wo mit Blick auf vorbeiziehende Fische trainiert wird. Angeschlossen ist ein Dampfbad mit edlem Marmor.

Unterwegs im Ligurischen Meer Foto: STZN/Lange

Das Schiff bringt dafür seine Passagiere ganz nah ans Wasser. So zum Beispiel in der Tropical Bar, dem zentralen Treffpunkt an Bord. Hier kommen die Gäste zu jeder Tageszeit zusammen, sie ist der Mittelpunkt schlechthin an Bord. Im Freien gelegen, aber überdacht bietet sie einen weiten Blick über das Meer. Morgens zieht man von hier aus der benachbarten Lounge mit dem Early-bird-Kaffee an Deck, nachmittags wird ein Snack-Buffet aufgebaut, es gibt Live-Musik, und abends vor dem Dinner wird hier der Sundowner genossen. Nach dem Essen wird nicht selten bis in die Nacht getanzt und dieses ganz besondere Bordleben genossen – immer nah am Wellenrauschen. Ein Gefühl, wie über dem Meer zu schweben, bekommen Passagiere im Bugsprietnetz Auge in Auge mit der Galionsfigur, die auf den Horizont blickt.

Der beste Pool ist eben doch das Meer

Wo es geht und die Hafenbehörden mitspielen öffnet sich die Marina, eine Badeplattform am Heck der „Royal Clipper“. Bis heute ist eine derartige Einrichtung auf einem Kreuzfahrtschiff die absolute Ausnahme – der beste Pool ist eben doch das Meer. Luftmatratzen werden sicher mit einem Seil am Schiff befestigt, sodass Gäste entspannt auf den Wellen entspannen können. Ohne Extrakosten kann im Kajak oder per Stand-up-Paddle um das Schiff gecruist werden. Auch das ist in der Kreuzfahrt nahezu einmalig.

Nach den Erkundungen der jeweiligen Zielhäfen beeindruckt immer wieder neu das Ritual zum Auslaufen der „Royal Clipper“. In den meisten Häfen wird geankert. Kapitän Brunon Borowka gibt das Kommando zum Einholen der Anker. Matrosen verteilen sich an Deck an den Umlenkrollen für die Segel, die zu den Klängen von „Conquest of Paradise“ gesetzt werden. Insgesamt hat die „Royal Clipper“ eine Segelfläche von 5200 Quadratmetern an ihren fünf Masten. Noch lange nach einer Reise mit der „Royal Clipper“ hat man das nicht beschreibbare Knarzen der Taue, der Segel und der Winden im Kopf.

Eric Krafft, der Sohn von Unternehmensgründer Mikael Krafft, leitet die Reederei Foto: Christoph Assies

Etwa 20 Matrosen sind für das Setzen und Einholen der Segel im Einsatz. Per Motorsteuerung gleiten die Rahsegel hinab, dadurch kann die „Royal Clipper“ im Gegensatz zum Mitbewerber Sea Cloud auch nachts segeln, denn die Crew dürfte in der Nacht aus Sicherheitsgründen nicht in die Masten klettern.

Das Mastklettern ist dann eher ein Programmpunkt mit Nervenkitzel für die Passagiere. Es findet an ausgewählten Tagen statt, mindestens einmal pro Reise. Gut gesichert geht es hinauf bis zum ersten Krähennest in 17 Metern Höhe des insgesamt 54 Meter hohen Großmastes des Schiffes.

Hinter diesem Schiff, ebenso wie hinter den kleineren Schwesterschiffen, den 1991 und 1992 in Dienst gestellten baugleichen Viermastern „Star Flyer“ und „Star Clipper“, steht der Schwede Mikael Krafft. Er hatte gegen Ende der 1980er-Jahre bei einem Törn mit seiner Privatjacht in der Karibik die Idee, Windjammer nach historischem Vorbild für Kreuzfahrten bauen zu lassen.

Die „Royal Clipper“ gab ihr Debüt im Jahr 2000, wurde in Monte Carlo – Sitz der Reederei – von Königin Silvia von Schweden getauft. Das Vorbild des Fünfmasters war die legendäre „Preußen“ der Hamburger Reederei F. Laeisz. Aus der Vision des Unternehmensgründers Mikael Krafft ist ein funktionierendes Business geworden. Wichtigster Markt für Star Clippers sind die USA, direkt danach und abwechselnd auf Platz zwei oder drei Deutschland und Großbritannien.

„Wir fahren mit dem besten Treibstoff, den es gibt: mit dem Wind“

Während die „Royal Clipper“ und ihre baugleichen kleineren Schwesterschiffe, die Viermaster „Star Clipper“ und „Star Flyer“, im Sommer im Mittelmeer unterwegs sind, geht es zum Ende des europäischen Sommers über den Atlantik in die Karibik und nach Costa Rica. Überall sind die Segler abseits der großen „Rennstrecken“ der herkömmlichen Kreuzfahrtschiffe unterwegs. So sind, so die Mitteilung der Reederei, aufgrund der großen Nachfrage für die Saison 2026/27 beispielsweise neue Karibik-Routen ab Granada und Antigua aufgelegt worden. Zudem stehen jeweils einwöchige Reisen ab/bis St. Maarten zu den Treasure- und Leeward-Islands sowie zusätzlich ab/bis Barbados zu den Windward-Inseln und den Grenadinen im Programm.

An der Spitze des Unternehmens stehen jetzt die Kinder des Firmengründers, Eric und Marie Krafft. Locker und lässig kommt der Junior in Shorts und Poloshirt im Hafen von Monte Carlo an Bord der „Royal Clipper“. Per Handschlag und mit persönlichen Worten begrüßt er seine Crew. Er nimmt sich Zeit für das Gespräch – vom Deck-Stewart bis zur Kreuzfahrtdirektorin, denn er weiß: „Das Wichtigste sind die Menschen, unsere Passagiere und die Crew. Nur wenn das Team stimmt, sind die Gäste zufrieden.“ Man nimmt es dem Schweden ab.

Noch in echter Handarbeit wird das Setzen der Segel von den Matrosen an Bord vorbereitet Foto: Christoph Assies

Krafft setzt sich intensiv mit der Kreuzfahrt-Branche, den neuen Technologien im Schiffbau und Trends auseinander, die Flotte soll wachsen. Nicht nur wegen des besonderen Feelings an Bord der Segler, sondern auch wegen der Art und Weise, wie die „Royal Clipper“ von Hafen zu Hafen kommt, ist eine Kreuzfahrt mit Star Clippers im doppelten Sinne nachhaltig. Das weiß auch der Reederei-Chef und bringt ein wesentliches Erfolgsrezept von Star Clippers auf den Punkt: „Wir fahren mit dem besten Treibstoff, den es gibt: mit dem Wind. Das ist die grüne Art auf dem Meer zu reisen.“

Von einer Reise mit der „Royal Clipper“ kehren wohl die meisten Passagiere vollkommen erholt, aber auch vollkommen beeindruckt von dieser so ursprünglichen Art des Reisens auf dem Wasser zurück. Die Geräusche des Windes, der knarzenden Winden und des Meeres hallen lange nach.

Segelreisen

Anbieter
Die monegassische Reederei Star Clippers ist ein Anbieter von Segel-Kreuzfahrten und betreibt die Viermaster „Star Clipper“ und „Star Flyer“ sowie das Fünfmast-Vollschiff „Royal Clipper“.

Routen
Die Schiffe sind abseits der Routen von Ozeanriesen unterwegs. Sie liegen in kleinen Häfen oder auf Reede, die Passagiere gelangen dann in Tenderbooten an Land. Neben der Karibik und dem Mittelmeer gehört Costa Rica zu den Zielen von Star Clippers. Gelegentlich sind auch Eventformate wie Gourmet-Reisen oder Yoga-Kreuzfahrten im Programm.

Preisbeispiel
für eine Kreuzfahrt mit der „Royal Clipper“ im Mittelmeer: Sieben Nächte „Ligurische See“ ab/bis Nizza über Lerici, Portoferraio/Elba, Sant’ Amanza/Korsika, Bonifacio/Korsika, Alghero/Sardinien, Ajaccio/Korsika und Monaco ab 2840 Euro pro Person in der Außenkabine. Weitere Informationen unter www.starclippers.com und www.star-clippers.de .

Weitere Anbieter
Kreuzfahrten unter Segeln sind neben Star Clippers auch mit den Schiffen von Sea Cloud Cruises, www.seacloud.com , und mit der Wind Class von Windstar Cruises, www.windstarcruises.com , möglich.

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