Segnung Homosexueller im Kreis Göppingen Katholische Pfarrer kritisieren neues Dekret aus dem Vatikan

Der Vatikan erlaubt mit einem neuen Dekret die Segnung homosexueller Paare in der katholischen Kirche. Auf dem Foto erteilt der Frankfurter Kapuzinerpater und Kirchenrektor Stefan Maria Huppertz zwei jungen Männern den Segen. Foto: epd/Thomas Lohnes

Mit dem jüngsten Dekret aus dem Vatikan zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare haben auch die katholischen Pfarrer im Kreis Göppingen nicht gerechnet. Die Kleriker im Dekanat sehen eine Öffnung, üben aber auch Kritik am Menschenbild, das darin deutlich wird.

Ist die Segnung homosexueller Paare nun moralisch inakzeptabel oder nicht? Am 18. Dezember des Vorjahres erging aus dem Vatikan ein Dekret der Glaubenskongregation. Papst Franziskus hat das relativ große Dokument mit 45 Absätzen abgesegnet, in denen es nun um die mögliche Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren und wieder verheirateten Geschiedenen geht. Niemand habe es erwartet, es sei aus heiterem Himmel gekommen, sagt der katholische Pfarrer Stefan Pappelau von der Seelsorgeeinheit Göppingen. Und es sei genau das Gegenteil dessen, was die Behörde im Februar vor zwei Jahren in ihrer liturgisch-pastoralen Verwaltungsanordnung noch formuliert hatte.

 

Auch für Pfarrer Hubert Rother aus Bad Boll und für Dekan Martin Ehrler aus Geislingen vom katholischen Dekanat Göppingen-Geislingen kam die Anordnung völlig überraschend. Alle drei katholischen Seelsorger bemängeln, dass nicht ausgeführt werde, wie die Segnung vonstattengehen soll. Man wolle den Anschein einer Gleichstellung der Segnung mit einer Eheschließung vermeiden und gebe deshalb den „Menschen“ den Segen, jedoch nicht der „Verbindung“ der beiden Menschen.

Keine Kenntnis über Zahlen

Dekan Ehrler sieht darin „trotzdem jetzt doch schon mal einen Aufschlag“, weil eine Berechtigung zur Segnung jetzt schriftlich vorliege. Er habe das Dekret noch nicht im Detail gelesen. Was jedoch bislang völlig wider die Lehre der Kirche gewesen sei, werde nun geöffnet. Wie viele Segnungen im Dekanat schon erfolgt sind, davon habe er keine Kenntnis, so Ehrler. Er gehe jedoch davon aus, dass es im Dekanat bis jetzt Segnungen gegeben habe und auch Segnungen geben werde. Er unterstütze, dass Segnungen ermöglicht würden, und warte nun darauf, dass die Deutsche Bischofskonferenz oder die Diözese praxistaugliche Vorschläge mache.

Zahlen zu Segnungen homosexueller Paare oder Prognosen können auch die beiden Geistlichen Pappelau und Rother nicht nennen. Aber sie werden deutlicher in ihrer Kritik. Immerhin werde im Dekret wortreich begründet, warum die neue Regelung kein Widerspruch zum vorherigen Dekret von vor zwei Jahren sei. Es gebe zwar keine Hinweise zur jetzigen Ausgestaltung, jedoch Aussagen dazu, was nicht sein soll: Die Segnung darf nicht im Gottesdienst stattfinden. Sie soll spontan und nicht geplant sein, und das Paar soll nicht in Hochzeitskleidung kommen. Die Verbindung wird nach wie vor als „irregulär“ angesehen, als „illegitim“ und als „moralisch inakzeptabel“. Eine Sondersituation müsse nicht zu einem allgemeinen Gesetz werden, und das Kirchenrecht könne nicht alles abdecken. So steht es im Dekret.

Pfarrer befürchten, dass Paare von einer Segnung absehen

Der Göppinger Stadtpfarrer Stefan Pappelau äußert sich dazu deutlich: Man werde auf Einzelfälle verwiesen, und es funktioniere nur, wenn man es „mit pastoraler Klugheit“ – so die Worte des Papstes – auf die Situation des jeweiligen Paares herunterbreche. Stefan Pappelau sagt, er befürchte, dass keine oder wenig Paare zur Segnung kämen und dass die katholische Kirche Betroffene verprelle, nach dem Motto: Wenn ihr uns nicht ganz akzeptiert, dann lassen wir es. Für ihn sei wichtig, dem jeweiligen Paar in seiner konkreten Situation etwas „Tröstendes, Bestärkendes und Hilfreiches“ zu geben. Er fügt hinzu, dass das Reich Gottes nicht im Schlafzimmer beginne.

Noch kritischer sieht die Situation Pfarrer Hubert Rother: Das Dekret werfe kein neues Licht auf die Sexualmoral der Katholischen Kirche. Es werde nur der Segensbegriff ausgeweitet. „Es wäre dringend nötig, aus der Bewertung von Menschen in ihren Beziehungen herauszukommen“, sagt er. Es werde nur Salz in die Wunden von Menschen gestreut, die sich nicht angenommen fühlten. Laut Rother braucht es einen Rahmen, der dazu da sei, dass Menschen leben könnten. Er sei jedoch nicht dazu da, „um Menschen mit Moral totzuschlagen“. Er selbst segne Paare und schaue im gemeinsamen Gespräch, was für sie stimmig sei. Gott lese nicht das Kleingedruckte, davon ist er überzeugt. Der Pfarrer der Seelsorgeeinheit Voralb sieht in der katholischen Kirche eine kontroverse Diskussion, in der Diözese jedoch auch eine große Offenheit.

Segnungen homosexueller Paare in der evangelischen Kirche

Stellungnahme
 Der evangelische Dekan Hartmut Zweigle vom Evangelischen Kirchenbezirk Göppingen sagte auf Nachfrage unserer Zeitung, er habe das Dekret aus Rom nicht gelesen und könne es deshalb nicht beurteilen. In der Evangelischen Landeskirche Württemberg gebe es aber seit einigen Jahren die Möglichkeit, dass gleichgeschlechtliche Paare im Gottesdienst gesegnet werden können.

Begründung
Zweigle erklärt die Haltung seiner Kirche so: Warum solle man Menschen, die sich lieben und dauerhaft zusammenbleiben wollen, nicht den Segen Gottes zusprechen? Gott habe sich sicher etwas dabei gedacht, dass er die Menschen homo- und heterosexuell geschaffen habe.

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