Minigolf wollen sie spielen in der Schwarzlichthalle in Zuffenhausen. Eine von vieren hat einen Test, sie darf sofort rein, die anderen drei sind doppelt geimpft, im August das zweite Mal. „Das geht doch, oder?“, fragen sie. Leider nicht, sagt Betreiber Michael Steck, denn mittlerweile kann nur auf einen Test verzichten, wer geboostert ist oder wenn die zweite Impfung erst drei Monate her ist. Und nun? „Wir haben gleich hier vorne ein Testzentrum, da könnt ihr den Test machen“, sagt Steck. Gesagt, getan. Die vier können spielen. Und ihre sieben Freundinnen, die später kommen, auch.
Warum ein Testzentrum?
Vor zwei Wochen hat Steck das Testzentrum gemeinsam mit Stephan Priwitzer aufgebaut. In einem alten Lagerraum. „Da haben wir Tausende von Euro investiert“, sagen sie, für den Umbau, in die Schulung der Mitarbeiter, in Tests, Masken und Ausstattung. Damit verdiene man kein Geld, sagt Priwitzer. „Aber hätten wir es nicht gleich hier, würde ich viele Kunden verlieren“, sagt Steck, „die jungen Frauen wollten zu elft spielen, darf eine nicht rein, gehen alle wieder.“ So seine leidvolle Erfahrung der vergangenen beiden Jahre.
„All diese Maßnahmen wirken wie ein Lockdown“, sagt Steck, „nach entsprechenden neue Auflagen fangen wir bei null wieder an.“ Nachdem 2G plus als Eingangsvoraussetzung quasi über Nacht verkündet wurde, „hatten wir Tage, wo fünf Leute da waren“. Es sei ein ständiger Kampf ums Überleben. „Ich rauche dreimal so viel, stehe morgens auf, tigere durch die Wohnung, schwanke zwischen Hoffnung und Depression.“ Das sei für die Psyche zerstörerisch: „Es gibt nichts Verlässliches, wir sind ein Spielball der Politik, jederzeit können sie dir den Laden wieder zumachen.“
Klagen der Verbände
Auch die Standesverbände der Selbstständigen klagen, die Nöte ihrer Mitglieder würden weder gesehen noch gewürdigt. Von April 2020 bis Juni 2021 mussten 132 000 Selbstständige Hartz IV beantragen. Seit dem ersten Lockdown im März 2020 beklagt der Verband der Gründer und Selbstständigen, dass die Politik ihre Mitglieder vergessen habe. Derzeit seien 8500 Fälle anhängig, wo die Soforthilfe des Bundes wieder zurückgefordert werde. Anlass könne etwa sein, dass ein Antragsteller seinen Dispokredit nicht ausgeschöpft habe. Bettina Schmauder, Präsidentin des Bundes der Selbstständigen in Baden-Württemberg, hat in einem Interview gegenüber dem Verbandsorgan gesagt: „So manche Fehler, die im Frühjahr 2020 seitens der Verwaltungen und der Politik gemacht wurden, sind zu verzeihen. Aber in den letzten eindreiviertel Jahren ist in den Umsetzungen keine Lernkurve zu sehen. Das ist das, was die Leute verunsichert und auch mürbe macht.“ Dabei gehe es nicht nur um den wirtschaftlichen Aspekt, sondern auch um den psychischen, emotionalen. „Diese Unsicherheit hinterlässt bei allen Beteiligten deutliche Spuren.“
Die Frustration ist groß
Das kann Steck nur bestätigen: „Mit uns Selbstständigen geht man um, das würde man sich mit anderen nicht trauen. Stell dir vor, Angestellte würden kein Gehalt, Rentner keine Rente, Politiker keine Diäten bekommen, da wäre was los!“ Stattdessen müsse er sich von Menschen, die im Homeoffice sitzen, es sich dort gemütlich machen und ihr Gehalt beziehen, sagen lassen, „das sei nicht so schlimm, ich solle halt durchhalten. Das versuchen wir ja, aber es geht über die Schmerzgrenze.“
20 000 Euro Kosten hat er im Monat, alleine im ersten Lockdown habe er eine sechsstellige Summe verloren. „Bekommen habe ich vom Staat 8000 Euro.“ Die Hälfte aller Hallenbetreiber in Süddeutschland hätten aufgehört, er wisse von einem Kollegen im Badischen, der wolle sein Geschäft loswerden. „Aber der Geschäftswert ist ja auf null gefallen“, sagt er, früher hätte man 500 000 Euro Ablöse bekommen, „aber wer zahlt denn jetzt noch was dafür?“
Woher kommt das Geld?
So habe er seine Rücklagen aufgelöst, das Geld, das fürs Alter und Ausbildung der beiden Söhne vorgesehen war, diene nun dazu, das Geschäft über Wasser zu halten. Immerhin, seine Idee, die Halle als Partylocation und nicht als Familienziel zu vermarkten, zahle sich nun aus. Das junge Publikum komme – sobald es sich an die Regeln gewöhnt habe, bis dann wieder neue Verordnungen erlassen werden.
Und Michael Steck am Eingang erst mal wieder alles erklären darf.