Seltene Kaninchenzucht Die deutsche Meisterin der Kleintierzucht kommt aus dem Kreis Esslingen

Simone Deuschle ist Meisterin der Kleintierzucht. Sie züchtet Rex-Kaninchen. Foto: MARKUS BRAENDLI / Markus Brändli

Seit sie 17 Jahre alt ist, züchtet Simone Deuschle Kaninchen. Ein Geburtstagsgeschenk war der Anfang. Nun leben 60 Tiere in ihrer Scheune – und sie hat einen Meistertitel.

Volontäre: Lena Fux (fux)

Der Osterhase kommt wahrscheinlich nicht aus dem Kreis Esslingen, viele Kaninchen gibt es bei Simone Deuschle aus Denkendorf trotzdem. Seit ihrem Jugendalter züchtet sie Rex-Kaninchen. Im vergangenen Jahr wurde sie dafür ausgezeichnet.

 

Simone Deuschle lebt in einem ehemaligen Bauernhof. Von der Haustür links führt ein Eingang in die ehemalige Scheune des Hofes. Es riecht nach Stroh und dem Fell der Kaninchen, die hinter einer Holztür in Ställen wohnen. „Wir hatten schon immer Kaninchen in unserer Familie“, erzählt sie. Hasen ziehen sich durch ihre Familiengeschichte. Schon ihr Opa habe welche gehabt.

Ein Freund der Familie schenkte ihr im Alter von 17 Jahren eine Zibbe, eine tragende Häsin, zum Geburtstag. „Dadurch bin ich dann in die Rassekaninchenzucht eingestiegen“, erzählt Deuschle. Zu der Zeit machte sie noch eine Ausbildung. „Ab diesem Moment bin ich dann auch auf kleinere Kaninchen-Ausstellungen gegangen.“

„Das war der schönste Moment. Das ist sehr selten, weil Kaninchen das meistens machen, wenn man nicht im Stall ist.“

Simone Deuschle, Kaninchenzüchterin, über den Moment, als sie die Geburt eines Kaninchens miterlebte

Ihr erstes Kaninchen war ein weißes Rex-Kaninchen. Das Fell dieser Kaninchenrasse erinnert sie an das eines Maulwurfes: kurz, dicht und kuschelig weich. Darin hat sie sich vor Jahren verliebt. „Rex-Kaninchen gibt es in ganz vielen verschiedenen Farben“, erklärt Deuschle, die hauptberuflich als Erzieherin arbeitet. Heute züchtet sie allerdings keine weißen Kaninchen, sondern blaugraue und Lux-Rexe. Blaugraue Rex-Kaninchen sind laut Deuschle in Baden-Württemberg sehr selten.

Jeden Tag im Kaninchenstall – ohne Ausnahme

Erst neulich gab es Nachwuchs im Stall. Einige Tage sind die Jungtiere erst alt und passen in eine Hand. Die Augen des kleinen grauen Kaninchens in Deuschles Hand sind noch geschlossen. Die Geburt von Kaninchen habe sie einmal beobachten dürfen: „Das war der schönste Moment. Das ist sehr selten, weil Kaninchen das meistens machen, wenn man nicht im Stall ist“, sagt sie.

Das sei nun schon 15 Jahre her. Jungtiere zieht sie auf, nimmt sie mit auf Ausstellungen oder verkauft sie als Zuchttiere. Einige bleiben auch bei ihr. Immer wieder übernähmen Bekannte ein paar ihrer Tiere. Sechs bis acht Jahre alt könne ein Kaninchen werden. Namen gebe sie ihnen nicht.

Das Jungtier ist erst wenige Tage alt. Foto: Markus Brändli

Wie viel Zeit und Geld sie im Monat für ihr Hobby ausgibt, kann sie nicht zusammenzählen. Jeden Tag kümmert sie sich um ihre Tiere, füttert, mistet und kuschelt. „Egal, ob es einem gut geht oder nicht. Man muss nach seinen Tieren gucken“, sagt sie. Ihre Familie besitzt Wiesen, weshalb sie das Heu für ihre Hasen mit ihren Eltern selbst macht. Zum Fressen bekommen die Hasen außerdem Pellets und Jungtiere ein Müsli – gespart werde am Tier nicht.

Wenn Simone Deuschle mal Hilfe braucht, bekommt sie die von ihrem Vater: „Es ist wie ein kleiner Familienbetrieb, sag ich immer.“ Auch die Urlaubsvertretung für ihre Hasen machen ihre Eltern. Mit den Kindern ihres Kindergartens unternehme sie zudem Ausflüge zu ihren Kaninchen.

Der Weg zum Titel der deutschen Meisterin

Um an Wettbewerben teilnehmen zu können, ist Simone Deuschle in Vereinen in Denkendorf und Unterensingen aktiv. „Denkendorf selbst macht aber keine Ausstellungen mehr, deshalb ist mein Hauptverein eher Unterensingen“, berichtet die Züchterin. Letztes Jahr sei sie in den Verein eingetreten, mit dem sie regelmäßig bei Jungtierschauen teilnehme. Da seien die Tiere noch relativ klein. Bei den Tierschauen im Herbst müssen die Tiere dann ausgewachsen sein, erklärt Deuschle.

Simone Deuschle züchtet Lux-Rex-Kaninchen und blaugraue Rex-Kaninchen. Foto: Markus Brändli

„Bei solchen Tierschauen gibt es Preisrichter, die geschult werden und die Tiere bewerten.“ Für jede Rasse und Farbenschlag gebe es dafür bestimmte Richtlinien. „Insgesamt 19 000 Hasen gab es auf der letzten Bundesschau. Von jeder Rasse und von jedem Farbenschlag gibt es einen deutschen Meister“, erklärt Deuschle. Die Denkendorferin selbst wurde dort deutsche Meisterin bei den Lux-Rex-Kaninchen. Zuerst habe sie das gar nicht begreifen können: „Ich habe damit wirklich nicht gerechnet.“ Die Freude über den Sieg sei aber sehr groß gewesen.

Ein Besuch und ein Geschenk vom Bürgermeister

Und nicht nur bei ihr. Die Freude ging über den Stall der Kaninchen hinaus. Höchstpersönlich stattete der Bürgermeister der Gemeinde Denkendorf, Ralf Barth, einen Besuch ab und übergab der Züchterin ein Geschenk. Eine Uhr mit Kaninchenmotiv auf einer Schiefertafel, die stolz im Esszimmer der Denkendorferin steht.

Auf die Frage, ob sie in Zukunft die deutsche Meisterin bleiben will, antwortet Simone Deuschle: „Klar freut man sich, wenn man vorne dran ist. Ich freue mich aber einfach, wie die Tiere sich entwickeln.“ Und sicher ist: Neue Hasen kommen bestimmt zu Simone Deuschle – wie der Osterhase an Ostern.

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