Am Ortsausgang von Eberdingen soll ein neues Hinweisschild die Autofahrer für Amphibien sensibilisieren. Foto: Christian Kempf
Das Strudelbachtal (Kreis Ludwigsburg) galt als Salamander-Hotspot. Jetzt scheint alles anders zu sein. Eine Tierfreundin schlägt Alarm – und vermutet, woher der Schwund rühren könnte.
Christian Kempf
13.05.2026 - 10:00 Uhr
Milica Barac hat die Bilder aus den vergangenen Jahren noch im Kopf. Wie auf Eiern habe sie sich manchmal auf dem idyllischen Rad- und Fußweg am Strudelbach zwischen Vaihingen-Riet und Eberdingen bewegen müssen. Unter ihr habe es gewuselt bei abendlichen Wanderungen. „Hier waren irre, irre viele Feuersalamander unterwegs. Das war ein Paradies. Man musste aufpassen, nicht draufzutreten“, sagt die 49-Jährige. Für die Tierfreundin war das ein faszinierender Anblick. Umso besorgter ist sie über die jüngste Entwicklung. „Auf der ganzen Strecke habe ich in diesem Jahr bis Eberdingen nur einen einzigen Salamander gesehen“, sagt Barac bei einem Spaziergang vor Ort Ende April.
Diese Beobachtung ist auch deshalb erstaunlich, weil die Amphibien gerade auf Wanderschaft sein müssten. Zudem gilt das Strudelbachtal als Hotspot für Feuersalamander. Wie konnte die Population nur so krass einbrechen?
Milica Barac weiß es nicht sicher, wie sie klarstellt. Sie habe jedoch eine Vermutung. Die Buchhalterin mit dem großen Herz für Tiere zeigt auf die Baumstümpfe und einige kahle Stellen im angrenzenden Waldstück. „Es wurde hier viel abgeholzt. Dadurch werden den Salamandern Möglichkeiten genommen, sich zu verstecken“, erklärt Barac.
Tierfreundin: Wall kann den sicheren Tod bedeuten
Einige Salamander sind bei ihrer Wanderung rund ums Strudelbachtal an einer Leitplanke gestrandet. Foto: Milica Barac
Noch schwerer ins Gewicht könnte aus ihrer Sicht womöglich fallen, dass und vor allem wie die Straße zwischen Riet und Eberdingen im vergangenen Jahr ausgebaut wurde. Das Niveau der Trasse sei dabei punktuell angehoben worden, sagt Barac. Dadurch hätten die Trockenmauern entlang der Strecke mitunter deutlich an Höhe verloren. In die Ritze hätten sich die markanten schwarz-gelben Amphibien aber gerne zurückgezogen. Räume, die ihnen nun fehlten.
Ein weiteres Dilemma erkennt Barac in dem wellenbrecherartigen neuen Schutzwall an der Straße kurz vor dem Ortseingang von Eberdingen. Der Wall am Hang verhindere, dass die Tiere auf die andere Seite zu ihrem Laichgewässer wandern können. Helfer hätten die dort gestrandeten Tiere deshalb eingesammelt und über die Straße befördert. Auf dem Rückweg würden sie aber sicher von Autos überfahren, weil sie an dem Wall nicht hochkrabbeln könnten. „Darauf hat das Landratsamt inzwischen reagiert und auf der Straßenseite in Richtung Strudelbach einen provisorischen Zaun zum Schutz der Salamander anbringen lassen“, sagt sie. Außerdem sei am Ortseingang ein „Vorsicht-Amphibien“-Schild installiert worden.
„Das war ein Paradies. Man musste aufpassen, nicht draufzutreten.“
Milica Barac, Tierfreundin
Milica Barac begrüßt das eine wie das andere. Sie könne aber nicht nachvollziehen, dass das Salamandervorkommen bei den Planungen zum Ausbau der Straße offenbar nicht berücksichtigt worden sei.
Das Landratsamt Ludwigsburg beteuert jedoch, dabei einen landschaftspflegerischen Begleitplan samt artenschutzrechtlicher Prüfung erstellt zu haben. „Bei diesem wurden im Bereich der Steinmauern keine Salamanderpopulationen kartiert“, sagt Pressesprecher Andreas Fritz.
Keinen Hehl macht Fritz allerdings daraus, dass man zum Schutz der Tiere wegen der neuen Betonwand nachjustieren müsse. Die Salamandervorkommen seien zwar grundsätzlich berücksichtigt worden. Kurzfristig hätten sich aber die Pläne zur Ausführung geändert. Die Schutzplanke sei durch den Wall ersetzt worden, der dem Trink- und Hochwasserschutz diene. Die Quelle zur Trinkwasserversorgung liege nur etwa 20 Meter von der Straße entfernt. Es müsse ausgeschlossen werden, dass Benzin oder Öl in den Untergrund sickern.
Die Betonschutzwand an dem Hang vor Eberdingen sowie in Richtung Riet Bordsteine und Schutzplanken sorgten dafür, dass Fahrzeuge bei einem Unfall auf der Straße blieben. Die Option Betonwand biete „den bestmöglichen Schutz“.
Landratsamt arbeitet an einem Konzept für Amphibien
Auf der Straße zwischen Vaihingen-Riet und Eberdingen ist beim Ausbau das Niveau teilweise angehoben worden. Dadurch wurden die Trockenmauern am Rand niedriger, was laut Tierschützern vielleicht ein Grund für eine ruckläufige Salamanderpopulation sein könnte. Foto: Milica Barac
Allerdings nicht für die Salamander. Um zu verhindern, dass die Tiere fortan unkontrolliert über die Straße wandern, könnten auf der Fahrbahnseite in Richtung Strudelbach dauerhafte Amphibienschutzzäune aufgespannt werden. „Darüber hinaus wird gemeinsam mit der unteren Naturschutzbehörde derzeit ein Konzept erarbeitet, um die Laichwanderung der Amphibien künftig wieder zu verbessern“, kündigt er an.
Zurückhaltend reagiert das Kreishaus auf die Einschätzung von Milica Barac, wonach die Salamander-Population komplett eingebrochen sein könnte. „Das jährliche Wanderverhalten der Tiere hängt stark vom Wetter ab. Deshalb liefern Beobachtungen, die sich nur auf kurze Zeiträume oder einzelne Bereiche beziehen, höchstens Hinweise auf mögliche Bestandstrends, aber keine verlässlichen Aussagen“, konstatiert Andreas Fritz. Die genannten Baumfällungen könnten kurzfristige, starke Rückgänge nicht erklären.
Tiere leiden unter zunehmender Trockenheit
Wobei ein Rückgang alles andere als überraschend wäre. Feuersalamander litten wie alle Amphibien stark unter zunehmenden Trockenphasen, erläutert Fritz.
Immerhin scheint noch nicht aller Tage Abend zu sein. Vor wenigen Tagen war Milica Barac nachts mit anderen Tierfreunden auf dem Weg zwischen Riet und Eberdingen spazieren, bei perfektem Wanderwetter für Salamander – warm und feucht. Und siehe da: „Eir haben gut 30 Tiere fotografieren können, das lässt hoffen“, sagt Barac.