Sexuelle Belästigung im Inselbad Sicherheitsteam im Freibad soll größer werden
Nach einem weiteren sexuellen Übergriff erwägt die Bäderleitung weitere Sicherheitsmaßnahmen für das Freibad in Untertürkheim. Das hat auch Auswirkungen auf den Betrieb.
Nach einem weiteren sexuellen Übergriff erwägt die Bäderleitung weitere Sicherheitsmaßnahmen für das Freibad in Untertürkheim. Das hat auch Auswirkungen auf den Betrieb.
Ein paar Wochen ist es nach den ersten Aufregern der Saison ruhig geblieben. Doch am vorigen Wochenende kam es erneut zu einem Fall sexueller Belästigung – gleich vier junge Frauen im jugendlichen Alter waren davon betroffen. Zehn junge Männer sollen sie im Familienbecken des Inselbads Untertürkheim bedrängt und angefasst haben. „Wir haben uns gleich am Montag zusammengesetzt und neue Maßnahmen überlegt, die wir nun mit der Stadtverwaltung absprechen“, sagt Jens Böhm, der Sprecher der Stuttgarter Bäder.
Am Pfingstwochenende war es bereits zu drei Fällen im Inselbad gekommen und einem im Vaihinger Freibad. Darauf hatte die Bäderleitung umgehend reagiert. Es ging um die Sicherheit der Badegäste, vor allem die der Frauen – und um den Ruf des Inselbades. Dank seiner Lage eines der schönsten der Stadt: angelegt auf der Insel, die vom Neckar umströmt wird.
Gleich nach den Zwischenfällen vom Pfingstwochenende wurde die Zahl der externen Sicherheitskräfte im Inselbad erhöht, von zwei auf sechs. Diese seien geschult, auf auffällige Verhaltensweisen zu achten und einzuschreiten. Sie dürfen auch Tatverdächtige festhalten, wenn es doch zu Übergriffen kommt, und diese dann an die Polizei übergeben. „Das haben sie am vergangenen Wochenende getan, und das zeigt ja auch, dass das Konzept funktioniert“, sagt Jens Böhm. Zwar seien nur zwei der schätzungsweise zehn jungen Männer gefasst worden, die die Jugendlichen belästigt hatten, aber immerhin habe man Tatverdächtige fassen können. Die Polizei nahm Anzeigen auf und behandelte die Männer erkennungsdienstlich.
Bislang sind die von zwei auf sechs Personen aufgestockten Sicherheitsteams nur an den Wochenenden im Einsatz. Fortan sollen auch unter der Woche mehr Sicherheitsleute im Einsatz sein. Sie ergänzen die Schwimmmeister. Denn jene sind dafür da, die Sicherheit der Badegäste zu gewährleisten, solange es um die Gefahrenquellen Wasser und Gesundheit geht. Erschöpfte Schwimmerinnen und Schwimmer, Verletzte, Badegäste mit Gesundheitsproblemen, die sich nicht mehr über Wasser halten können, und Kinder, die ins zu tiefe Wasser geraten – all das haben die Schwimmmeister im Blick bei ihren Aufsichtsdiensten.
Ein besonderes Augenmerk sollen die Sicherheitsleute auf das Familienbecken und die Gegenstromanlage haben. Das sind die Orte im Schwimmbad, wo es immer wieder zu den Übergriffen gekommen ist. Vor allem, wenn es besonders voll ist im Inselbad. Bis zu 5000 Badegäste seien an den zurückliegenden Tagen da gewesen, sagt Jens Böhm. Um die Gegenstromanlage ist eine undurchsichtige Mauer gebaut, mit der der eigentliche Strömungskanal geformt ist. „Da sieht man nicht, was unter Wasser passiert, wo die Hände hingehen“, sagt Böhm. Die Konsequenz, die man im Inselbad zieht: Wenn es voll wird, wird die Gegenstromanlage abgeschaltet, damit sich dort keine unübersichtlichen Situationen ergeben können. Zudem sollen, wenn möglich, Sicherheitsleute direkt in diesem Bereich dauerhaft bleiben, statt das ganze Gelände zu bestreifen. „Das ist dann auch ein klares Signal“, sagt Böhm. Eine Idee ist auch noch, dass Sicherheitsleute im Wasser stehen – das Familienbecken ist ein Nichtschwimmerbereich. Ob sich das umsetzen lassen würde, muss aber noch geklärt werden.
Die höchste Zahl sexueller Belästigungen, die die Bäderbetriebe für alle Freibäder in den zurückliegenden acht Jahren zählten, waren elf im Jahr 2019, acht davon trugen sich im Inselbad zu. Ein Jahr zuvor waren es sieben gewesen. Die darauffolgenden Jahre kann man für den Vergleich nicht richtig heranziehen, denn wegen der Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie waren die Bäder weniger voll.