Spannend ist der Kampf um den Klassenverbleib in der Handball-Bundesliga schon seit Wochen. Jetzt wird die Suche nach dem zweiten Absteiger dramatisch. Vier Spieltage vor Schluss haben die drei (neben dem abgeschlagenen Schlusslicht VfL Potsdam) am stärksten vom Sturz in die zweite Liga bedrohten Teams allesamt 14 Pluspunkte: Der TVB (14:46 Punkte, minus 131 Tore), die SG BBM (14:46 Punkte, minus 140 Tore) und der HC Erlangen (14:48 Punkte, minus 97 Tore). Wobei auch Frisch Auf Göppingen (19:41 Punkte, minus 71 Tore) und die HSG Wetzlar (18:42 Punkte, minus 102 Tore) rechnerisch noch nicht gerettet sind.
TVB hält Druck nicht stand
„Wir sind brutal enttäuscht und ziemlich leer“, sagte TVB-Rückraumspieler Lenny Rubin und sah das Endergebnis auch als Folge der unterschiedlichen Ausgangslagen: „Die SG BBM hatte nichts mehr zu verlieren, wir hatten viel zu verlieren.“ Entsprechend trat der TVB auf. Das Team von Jürgen Schweikardt war dem Druck in diesem Nervenspiel nicht gewachsen, leistete sich anfängerhafte Fehler, Routinier Kai Häfner erwischte einen gebrauchten Tag.
Ganz anders die Bietigheimer. Sie ließen sich nie aus der Ruhe bringen und spielten ihre Angriffe auf den Punkt zu Ende. Zudem hatten sie in Daniel Rebmann einen starken Rückhalt. Mit seinen 13 Paraden stach er seine Gegenüber Miljan Vujovic und Samir Bellahcene (je vier) aus. Mit seinen gehaltenen Bällen könnte Rebmann dazu beigetragen haben, dass er in der kommenden Saison in der zweiten Liga im Tor steht – denn der 31-Jährige wechselt im Sommer zum TVB. „Ganz großen Respekt vor Daniels Leistung, das war Weltklasse“, lobte ihn sein Mitspieler Fynn Nicolaus, der frühere Stuttgarter.
Bis zum 19:20 (42.) war das Spiel offen, dann zog das Team von Trainer Iker Romero mit einer konsequenten und weitaus weniger fehlerhaften Spielweise davon. Sein Kollege Schweikardt hatte, um es positiv zu formulieren, viele verschiedene Dinge probiert, wechselte immer wieder hin und her, personell und taktisch – nichts funktionierte. Einziger echter Aktivposten war Spielmacher Max Häfner (8). Bei Bietigheim traf Kreisläufer Jonathan Fischer (7) am meisten, die Rückraumroutiniers Paco Barthe (6) und Tom Wolf (5/3) zeigten das, was man von Führungsspielern in so einer Lage erwartet: Sie rissen ihr Team mit einem reifen und vorbildlichen Auftritt mit.
SG BBM gegen HCE am 1. Juni
Entsprechend glücklich war Coach Romero: „Ich habe keine Worte, meine Mannschaft hat heute alles gesagt. Jedes Mal passiert das, sie glauben ohne Ende, sie vertrauen, sie kämpfen. Sie sind einfach gut. Sie sind einfach eine richtig gute Mannschaft.“ Und haben nach den beiden Derby-Siegen gegen Frisch Auf und den TVB den Klassenverbleib wieder in den eigenen Händen. Zum Schlüsselspiel wird die Partie daheim am 1. Juni (18 Uhr) gegen den HC Erlangen. Nervenstärke hat die SG BBM bewiesen – bleibt abzuwarten, wie sie damit umgeht, dass sie nun wieder etwas zu verlieren hat.
Torschützen
TVB Max Häfner (8), Rubin (7), Kai Häfner (2), Laube (2), Fernandez (2/2 Siebenmeter), Schöttle (2), Serrano (2), Matzken (1).
SG BBM Fischer (7), Barthe (6), Wolf (5/3), Perez (4), de la Pena (4), Hejny (2), Hermann (1), Wiederstein (1).
Restprogramm
TVB Stuttgart
(14:46 Punkte, minus 131 Tore) : Rhein-Neckar Löwen – TVB (29. Mai, 19 Uhr), TVB – Füchse Berlin (1. Juni, 16.30 Uhr), Frisch Auf Göppingen – TVB (5. Juni, 19 Uhr), TVB – SC DHfK Leipzig (8. Juni, 15 Uhr).
SG BBM Bietigheim
(14:46 Punkte, minus 140 Tore): SG BBM – SG Flensburg-Handewitt (29. Mai, 19 Uhr), SG BBM – HC Erlangen (1. Juni, 18 Uhr), SC DHfK Leipzig – SG BBM (4. Juni, 19 Uhr), SG BBM – SC Magdeburg (8. Juni, 15 Uhr).
HC Erlangen
(14:48 Punkte, minus 97 Tore): HCE – SC Magdeburg (28. Mai, 19 Uhr), SG BBM Bietigheim – HCE (1. Juni, 18 Uhr), HSG Wetzlar – HCE (8. Juni, 15 Uhr). (jüf)