Sicherheit in Stuttgart Bleiben die Poller dauerhaft stehen?

Poller in der Nähe von Fußgängerzonen wie hier an der Bolzstraße, prägen derzeit das Bild in der Stuttgarter Innenstadt. Foto: LICHTGUT/Max Kovalenko

Die Stadt schützt Veranstaltungen gegen mögliche Anschläge mit Fahrzeugen. Weil auch Auf- und Abbau sowie der Transport aufwändig sind, bleiben viele Sperren stehen.

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Schon seit ein paar Monaten sieht die Innenstadt Stuttgarts so aus, als veranstalte die Sicherheitsbranche dort eine Leistungsschau: Welche Durchfahrtssperren und mobilen Poller sind aktuell auf dem Markt verfügbar? Bei einem Rundgang in der City stößt man auf etliche Modelle. Bleibt das so? Die Antwort aus der Stadtverwaltung ist klar: Vorerst ja. Denn die Stadt will trotz der abstrakt hohen Gefahr von Terroranschlägen das Leben in der Stadt mit all seinen Veranstaltungen nicht einschränken, sondern schützen. Der Ordnungsbürgermeister Clemens Maier sagt: „Die Sicherheit aller Gäste steht bei Veranstaltungen an oberster Stelle. Dafür tun wir alles Erforderliche. Es ist traurig, dass solche Sicherheitsvorkehrungen überhaupt nötig sind. Von abstrakten Bedrohungsszenarien lassen wir uns aber nicht entmutigen. Unser Ziel ist es, das Leben im öffentlichen Raum weiterhin zu ermöglichen.“

 

Abstrakt hohe Gefährdungslage bedeutet, dass es keinen Anlass gibt, konkrete Anschläge in Stuttgart zu befürchten. Aber aufgrund der Terroranschläge der zurückliegende Jahre und der internationalen Lage ist es theoretisch nicht auszuschließen, dass auch in Stuttgart Terroranschläge geschehen können. Deswegen stehen an allen möglichen Zufahrten zu Veranstaltungsplätzen Poller und andere Durchfahrtssperren, um Anschläge mit Fahrzeugen zu unterbinden.

Was kosten die Poller die Stadt Stuttgart?

Noch gehören die Poller und anderen Elemente der Stadt nicht – die trotzdem viel Geld dafür ausgibt. Der Terrorschutz bei nahezu allen Veranstaltungen „führt seit diesem Jahr zu erheblichen Mehrkosten, die so nicht eingeplant waren“. Neben der Miete für die mobilen Terrorschutzanlagen kommen auch noch Personalkosten für Wachleute hinzu. Denn dort, wo für den Handel oder auch Marktbeschicker eine Durchfahrt noch möglich sein muss, muss das Personal die Sperren bedienen – und zum Beispiel zuklappen, wenn ein berechtigtes Fahrzeug kommt.

Auch weitere Durchfahrtssperren sind im Einsatz. Foto: LICHTGUT/Max Kovalenko

Apropos Kosten und Aufwand: Das sind auch die Gründe, warum sich die Stadt entschieden habe, die Poller dauerhaft in der Stadt stehen zu lassen, teilt der Pressesprecher Oliver Hillinger mit: „Da der Auf- und Abbau kostspielig ist, hat die Stadtverwaltung sich in der Innenstadt für den dauerhaften Verbleib der Elemente entschieden, zumal die Veranstaltungen in kurzem Abstand auf einander folgen.

Nach dem CSD wurde ein Teil der Durchfahrtsperren abgeholt. Foto: STZN/ceb

Die Stadt hat die mobilen Elemente gemietet. Im Preis inbegriffen sind die Kosten für das Aufstellen, Warten und Abbauen der Anlagen. Vom Kauf habe man vor allem deswegen abgesehen, weil der Markt sich „sehr dynamisch entwickele“ – sprich es könnte auch sein, dass die Anschaffung mal günstiger wird. In diesem Jahr rechne man mit rund 2,5 Millionen Euro. Wie viele Poller und andere Sperren genau in der Stadt stehen, könne man nicht sagen, da die Zahl schwanke. Aber „mehrere Hundert“ seien es. Das liege auch daran, dass für verschiedene Veranstaltungen unterschiedlich viele Elemente gebraucht würden. Die weiträumigste Absperrung war die für die CSD-Demo Ende Juli – für diese Veranstaltung wurden zusätzliche Poller gemietet, die danach auch wieder abtransportiert wurden. Voraussichtlich sollen die nun vorhandenen Poller bis Mitte Januar 2026 in der City bleiben. Unter anderem kommen ja noch das Weindorf und der Weihnachtsmarkt, die es zu schützen gilt

Wenn man durch die Stadt geht, hört man mitunter auch kritische Stimmen. So etwa von Klaus Rieck aus Karlsruhe, der dieser Tage in Stuttgart bei Freunden zu Besuch war. „Schön ist das nicht, und es löst in mir auch ein Gefühl der Unsicherheit aus, wenn ich durch die Absperrungen die ganze Zeit daran erinnert werde, wie gefährlich es geworden ist“. Derlei Stimmen über das Sicherheitsgefühl sind bis zum Amt für öffentliche Ordnung aber noch nicht durchgedrungen. „Spezielle Rückmeldung zum Sicherheitsgefühl in Bezug auf Poller und Durchfahrtssperren gibt es nach Auskunft des Amts für öffentliche Ordnung nicht“, teilt der Pressesprecher Oliver Hillinger mit. Vor allem Radfahrende ärgern sich aktuell über eine Sperre an der Bolzstraße, die seit mehr als einer Woche schief liegt und sich immer weiter verschiebt. Die Stadt hat hier eine gute Nachricht: Jene Sperren sollen ausgetauscht werden. Die hohe Verkehrsbelastung habe zum Verschieben geführt. An anderen stellen habe man mit dieser Sorte gute Erfahrungen gemacht.

Vorerst werde man beim Modell bleiben, die Poller und anderen Durchfahrtssperren „veranstaltungsabhängig“ zu mieten – auch, um technisch immer auf dem neuesten Stand zu sein. Denn grundsätzlich gelte: „Sicherheit ist ein hohes Gut. Die Stadt kann es nicht verantworten, veraltete Sicherheitstechnik einzusetzen“, sagt der Sprecher der Stadt.

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