Sicherheitskonzept wird geprüft Diese Verbote gelten beim Cannstatter Volksfest

Die Polizei läuft regelmäßig auf dem Wasen Streife, außerdem wird das Festgelände videoüberwacht. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Die Stadt Stuttgart wird den Wasen nicht zur Waffenverbotszone erklären. Und dennoch ist unter anderem das Mitführen von Messern auf dem Festgelände untersagt.

Reporter: Sebastian Steegmüller (seb)

Die Bilder haben wohl viele Wasen-Besucher noch in negativer Erinnerung: Nach einem Streit vor dem Riesenrad hat beim vergangenen Frühlingsfest ein 19 Jahre alter Mann eine Machete aus dem Hosenbund gezogen und die Klinge auf den Boden geschlagen. Weil das gesamte Festgelände unter anderem von der Polizei videoüberwacht wird, konnten Einsatzkräfte den Mann schnell überwältigen, verletzt wurde glücklicherweise niemand.

 

Und dennoch ist das oberste Ziel, solch einen Vorfall beim Cannstatter Volksfest (27. September bis 13. Oktober), unbedingt zu vermeiden. Zu präsent sind auch die Bilder aus Solingen. Ende August sind dort beim „Festival der Vielfalt“ drei Menschen durch einen Messerangriff getötet und mehrere Besucher verletzt worden. „Die schrecklichen Ereignisse in Solingen und die damit verbundenen Ermittlungen werden von uns intensiv verfolgt“, sagt Stefanie Hirrle, Sprecherin von in.Stuttgart. Das Thema Sicherheit spiele beim Cannstatter Volksfest seit vielen Jahren eine bedeutende Rolle und werde jedes Jahr neu reflektiert. „Wir haben bereits ein sehr gut funktionierendes Sicherheitskonzept auf dem Wasen und werden nach dem Anschlag in Solingen in den Wochen bis zur Volksfest-Eröffnung ausführliche Gespräche mit den Sicherheitsbehörden der Stadt Stuttgart und der Polizei führen.“

Der Aufbau auf dem Wasen ist in vollem Gange. Foto: Andreas Rosar //Fotoagentur-Stuttgart

Dabei werde das Sicherheitskonzept noch einmal überprüft und genau unter die Lupe genommen. „Selbstverständlich finden die Ermittlungsergebnisse aus Solingen und die aktuelle Lage bei den Maßnahmen beziehungsweise den Kontrollen entsprechend Beachtung“, so Hirrle. Eines ist aber offenbar sicher: Leibesvisitationen wie etwa am Flughafen oder an Gerichten seien bislang nicht geplant. „Sie sind bei einem so hohen Durchlauf mit so vielen Menschen nicht umsetzbar.“ Wie schon bei früheren Veranstaltungen werden Taschenkontrollen stattfinden. Das Personal des Sicherheitsdienstes schaut dabei zwar in die geöffneten Taschen, händisch durchsucht werden sie jedoch nicht.

Keine Leibesvisitationen beim Volksfest

Beim Münchner Oktoberfest, das sechs Tage früher als das Volksfest beginnt, sollen erstmals mobile Metall-Handdetektoren zur Personenkontrolle an den Eingängen eingesetzt werden. Stichprobenartig sollen in Verdachtsfällen auf der Wiesn auch Besucher abgetastet werden. Ob diese Maßnahmen auch auf dem Stuttgarter Pendant umgesetzt werden, steht noch nicht fest. Derzeit würden auch zu diesen Themen die Abstimmungen mit den Behörden laufen, dementsprechend könne man sich dazu noch nicht äußern, sagt die in.Stuttgart-Sprecherin.

Zuletzt hat die Stadt das Stuttgarter Weindorf zu einer Waffenverbotszone erklärt. An den gesetzlichen Voraussetzungen zur Durchführung von Personenkontrollen ändert sich dadurch zwar nichts. Die Maßnahme ermöglicht es der Polizei unter anderem aber, Messer mit kurzen Klingen zu konfiszieren. Dass auch der Cannstatter Wasen ab dem 27. September zur Waffenverbotszone wird, sei aktuell nicht geplant, sagt Stadtsprecher Sven Matis nach Rücksprache mit dem Amt für öffentliche Ordnung. Der Grund: Gemäß der städtischen „Polizeiverordnung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung auf dem Cannstatter Wasen während des Stuttgarter Frühlingsfests und des Cannstatter Volksfests“, die im März 2022 in Kraft getreten ist, ist es verboten, Gegenstände, die ihrer Art nach objektiv gefährlich sind oder die zur Verletzung von Personen geeignet sind, mit sich zu führen. Sollte sich jemand nicht an die Polizeiverordnung halten, können entsprechende Bußgelder ausgesprochen werden. Und: Messer aller Art können ebenfalls beschlagnahmt werden.

Auf dem Festgelände sind übrigens nicht nur Waffen untersagt, wie ein weiterer Blick in die Benutzerordnung des Volksfests zeigt. Unter anderem ist es nicht erlaubt, bauliche Anlagen zu be- oder übersteigen, sie zu bekleben oder in anderer Weise zu verunstalten. Wohn- und Lagerbereiche der Schausteller sind für Besucher tabu, ebenso darf die Notdurft nicht außerhalb der Toiletten verrichtet werden. Sehr nachvollziehbar auch aufgrund der Geräuschkulisse: Hunde haben auf dem Festgelände nichts verloren – eine Ausnahme stellen Blindenhunde dar.

Das Sicherheitskonzept für das Cannstatter Volksfest wird überprüft. Foto: Andreas Rosar//Fotoagentur-Stuttgart

Für Fußballfans könnte Absatz 2.3 interessant sein: Demnach ist es verboten, pyrotechnische Gegenstände wie Raketen und Feuerwerkskörper mitzuführen oder abzubrennen. Natürlich darf man auch keine Getränke mit auf den Wasen bringen. Zum einen aus Sicherheitsgründen, Flaschen und Dosen könnten als gefährliche Wurfgeschosse eingesetzt werden, zum anderen wollen die Wirte schließlich auch Geld verdienen. Keine Konkurrenz stellen indes Kiffer dar, trotz der Cannabis-Legalisierung sollten sie ihren Joint aber dennoch lieber zuhause lassen. Schon beim Stuttgarter Frühlingsfest war der Konsum nach Absatz 2.13 untersagt. Dabei bleibt es auch bei der 177. Auflage des Cannstatter Volksfests.

Weitere Themen