Unfallopfer in Stuttgart Verbrennungen, kaputte Hände und Ohren – so war Silvester in den Notaufnahmen

In den Notaufnahmen mussten mehrere Patienten versorgt werden, die sich durch explodierende Böller oder Raketen schwer verletzt haben. Foto: Ferdinando Iannone

Silvester sorgt für volle Notaufnahmen in Stuttgart. Es gab mehrere Amputationen infolge von Handverletzungen – aber auch gute Nachrichten.

Gesundheit für Menschen in Stuttgart: Regine Warth (wa)

Eigentlich sollten funkensprühende Fontänen die Neujahrsnacht erhellen. Doch beim Anzünden einer Feuerwerksbatterie explodierte diese unversehens und verletzte einen Stuttgarter schwer im Gesicht und am Trommelfell – mit langfristigen Folgen.

 

Es war nicht das einzige Unfallopfer, das in der Silvesternacht in der Notaufnahme des Klinikums Stuttgart chirurgisch versorgt werden musste. „Es gab einige Verletzungen aufgrund von explodierenden Böllern oder Raketen“, berichtet Florian Dengler, Leitender Oberarzt der interdisziplinären Notaufnahme (Ina) des Klinikums Stuttgart. So explodierte bei einem älteren Mann ein Feuerwerkskörper in der Hand, sodass die Ärzte einen Finger fast gänzlich und einen zweiten teilweise amputieren mussten.

Fingeramputationen auch im Marienhospital

Ähnliches hatte das Marienhospital zu berichten: Als einziges regionales Replantationszentrum im Raum Stuttgart werden dorthin auch Patienten von außerhalb mit schwerwiegenden Handverletzungen überführt. „Bei einem Mann mittleren Alters aus dem Raum Pforzheim hat ein explodierter Feuerwerkskörper die Finger so sehr in Mitleidenschaft gezogen, dass ihm Teile davon amputiert werden mussten“, sagt Yves Oberländer, Ärztlicher Direktor der Klinik für Notfallmedizin. „Wir rechnen schon im Vorfeld mit solchen Verletzungen, weshalb das Team der Notaufnahme am 31. Dezember personell sehr gut aufgestellt ist.“

Zumindest bei Kindern und Jugendlichen gab es in diesem Jahr weniger Feuerwerksunfälle als sonst. „Es sieht für mich schon danach aus, dass Eltern und Angehörige mehr auf Prävention achten und besser über die Gefahren von Feuerwerk aufklären als noch in den vergangenen Jahren“, sagt Raphael Staubach, Geschäftsführender Oberarzt der Kinderchirurgie.

Weniger Unfälle mit Feuerwerk bei Kindern und Jugendlichen

Lediglich zwei Böller-Unfälle bei Jugendlichen gab es medizinisch zu versorgen: Bei einem kam es zu einer Verletzung am Ohr aufgrund einer fehlgeleiteten Rakete. Ein Mädchen wiederum verletzte sich am Dekolleté, weil sie sich über eine scheinbar ausgebrannte Feuerwerksbatterie gebeugt hatte – und diese noch mal zündete. „Beide Patienten konnten ambulant versorgt werden“, sagt Staubach.

Schwere Fälle seien ausgeblieben, heißt es auch aus der Zentralen Notaufnahme des Diakonie-Klinikums Stuttgart. Allerdings war bei vielen Patienten viel Alkohol im Spiel. Schon im Verlauf des Tages seien Menschen versorgt worden, die zu viel getrunken hätten und daraufhin gestürzt oder anderweitig verunglückt seien, berichtet Sven Bornhak, Oberarzt der Zentralen Notaufnahme. Auch einige Verletzte in Folge von Schlägereien sind in die Notaufnahme gekommen.

Alkohol bei Jugendlichen führt zu Gewalt

In der Pädiatrischen Notaufnahme des Klinikums Stuttgart (PINA) kam es sogar zu Handgreiflichkeiten aufgrund von zu viel Alkohol: „Eine Ärztin wurde beim Untersuchen eines alkoholisierten Jugendlichen von diesem geschlagen“, berichtet der diensthabende Oberarzt Thomas Heigele. Auch gab es eine polizeiliche Gewahrsamnahme. „Der normale Silvester-Alltag“, berichtet Heigele. „Insgesamt sogar eher etwas ruhiger als die Jahre davor.“

Schön, aber gefährlich: das Silvesterfeuerwerk in Stuttgart. Foto: Andreas Rosar

Ungewöhnlich dagegen waren die vielen Patienten, die infolge von Grippe, Corona oder einer RSV-Infektion in die Notaufnahme des Robert Bosch Krankenhauses (RBK) gekommen sind: „Die derzeit vorherrschende Infektwelle macht sich in diesem Jahr besonders stark bemerkbar“, sagt die Sprecherin des RBK, Manuela Feyder. Es handelte sich dabei vor allem um Patienten mit chronischen Grunderkrankungen, denen die Virusinfektionen besonders stark zugesetzt hatten, sodass sie medizinische Hilfe in Anspruch nehmen mussten.

Hier zeige sich, dass „Krankenhäuser mit ihren Notaufnahmen einen äußerst wesentlichen und unverzichtbaren Teil für die Gesundheitsversorgung leisten“, sagt Mark Dominik Alscher, Geschäftsführer des RBK. „Bewusst und verantwortungsvoll haben wir unser Personal in der Notaufnahme deutlich erhöht und sind unseren Mitarbeitenden sehr dankbar, dass diese bereit sind, an Tagen zu arbeiten, an denen andere feiern.“

Weitere Themen