Silvesterlauf Weilimdorf Nur einer von zwei Rekorden purzelt

Frostige Temperaturen konnten die Laufhungrigen nicht vom Start in Weilimdorf abhalten – immerhin: Die Sonne scheinte. Foto: Günter Bergmann

Beim Stuttgarter Silvesterlauf in Weilimdorf triumphieren Seriensieger Lorenz Baum und Lokalmatadorin Pia Kircher von der KSG Gerlingen. Die Organisatoren freuen sich über die neue Rekordmarke mit 1390 Startern.

Sport: Dominik Grill (grd)

Mit Temperaturen rund um den Gefrierpunkt ging es frostig zu an diesem Silvesternachmittag in Weilimdorf – allerdings nur auf dem Thermometer. Die Stimmung im Publikum und am Himmel? Heiter bis wolkenlos. Temperaturen um die null Grad? Gehören irgendwie ja auch dazu. „Sonst schmeckt doch der Glühwein nicht“, sagte eine Besucherin lachend.

 

Was will also das Kälte gewohnte Winterläufer-Herz mehr? Ebenjenes wurde heuer in rekordverdächtiger Zahl unter Beweis gestellt: Insgesamt 1390 Läufer und Läuferinnen gingen über alle drei Wettbewerbe hinweg an den Start – eine neue Bestmarke für den Stuttgarter Silvesterlauf, der dieses Jahr seine 32. Auflage feierte.

„Von Jahr zu Jahr wächst die Veranstaltung“, sagte ein hochzufriedener Tino Lippmann, Vorsitzender des Mitveranstalters SG Weilimdorf, „heute passt alles, das Wetter, die Stimmung, die vielen Teilnehmer.“ Nach dem Schülerlauf über 2,3 Kilometer, wurde es spätestens beim Hörnleshasen- (5,5 Kilometer) und beim Hauptlauf über elf Kilometer unübersichtlich auf der abgesperrten Kreuzung am Löwen-Markt. Jeweils mehr als 600 Ausdauerathleten tummelten sich im Startbereich – mal mehr, mal erstaunlich wenig bekleidet. Wen es da schon beim Zusehen fröstelte, der klammerte sich an Glühwein und Kinderpunsch, das leibliche Wohl wurde mit Leberkäsbrötchen, Bratwurst und Pommes abgerundet.

Lorenz Baum verpasst Streckenrekord knapp

Den Startschuss zum Hauptlauf gab der Weilimdorfer Bezirksvorsteher Julian Schahl. Angeführt wurde der bunte Pulk von Seriensieger und Silvesterlauf-Veteran Lorenz Baum, der nach seinem Fehlen im vergangenen Jahr die Verhältnisse zurechtrückte. Mit 33:31 Minuten holte er sich Gold ab, vor dem Vorjahressieger Jannik Ernst von der SG Weinstadt (35:20), und dem Stuttgarter Matthäus Jäckle (36:35) auf Platz drei. Der 34-Jährige, der für die LAV Stadtwerke Tübingen startete, gewann damit zum achten Mal den Lauf – und schrammte haarscharf am Streckenrekord vorbei.

Der beträgt 33:30 Minuten, der aufmerksame Leser wird feststellen: Nur eine einzige Sekunde fehlte dem Langdistanz-Spezialisten am Ende. „Ein bisschen ärgert mich das natürlich schon“, sagte Baum im Anschluss, konnte aber darüber lachen: „Hätte ich das einen Kilometer vorher geahnt, hätte ich noch etwas mehr Gas gegeben.“ Für das neue Jahr sind seine Vorsätze klar: Laufen, Laufen, Laufen. Unter anderem will er wieder bei den deutschen Marathonmeisterschaften in Hannover teilnehmen, besonders dick im Kalender markiert ist aber ein anderer Termin: Im Mai wird geheiratet!

Pia Kircher ist wieder die Schnellste

Feiern durfte auch Pia Kircher, die – wie schon im Vorjahr – allen ihren Konkurrentinnen davonjoggte. In Abwesenheit der U-20-Vize-Europameisterin und Vereinskollegin Kira Weis holte sie den Damen-Sieg für die KSG Gerlingen (40:24). Im Gegensatz zum vergangenen Jahr reichte dafür ein Lauf auf ambitioniertem Trainingsniveau. „Es ging vor allem darum, Spaß zu haben, das hat geklappt“, sagte die 20-Jährige grinsend, die Lauftaktik kam aber trotzdem nicht zu kurz: „Ich habe von Anfang an versucht, mich an den Männern zu orientieren und im Windschatten zu bleiben.“ Mit Erfolg: Am Ende verwies Kircher Laura Mazzocca vom TF Feuerbach (41:04) und im vereinsinternen Duell Anna-Sophie Lang (44:30) auf die unteren Treppchenplätze.

Auch in den beiden anderen Läufen räumte die KSG Gerlingen groß ab: Beim Schülerlauf landete mit 7:52 Minuten Adam Kulik (Jahrgang 2010) auf dem ersten Platz, bei den Mädels spurtete Vereinskollegin Janka Mosler nach 8:11 Minuten als Erste über die Ziellinie (Jahrgang 2012). Gleiches Spiel beim anschließenden Hörnleshasenlauf: Levi Schäfer für die Herren (18:23) und Greta Schönbucher für die Damen (21:07) besiegelten den erneuten Doppeltriumph.

Trotz aller sportlichen Glanzleistungen stand aber am Ende vor allem der Spaß im Vordergrund. Hier überquerte eine Läuferin mit Sektglas in der Hand die Ziellinie, da wurde zum bunten DJ-Mix das Tanzbein vor dem Festfrieren bewahrt. Bezirksvorsteher Schahl fasste es zusammen: „Es ist einfach schön, wie wir jedes Jahr die Leute aus Weilimdorf und darüber hinaus mitnehmen.“

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