Sindelfinger Badezentrum im Umbruch Hallenbad wird abgerissen – Freibad wird überdacht

Wann genau das Hallenbad im Sindelfinger Badezentrum abgerissen wird, steht noch nicht fest. Foto: Stefanie Schlecht

Das Sindelfinger Badezentrum steht vor einem großen Umbruch: Das alte Hallenbad wird abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Doch wie geht es in der Übergangszeit weiter?

Böblingen: Julia Theermann (the)

Wo kann man denn noch schwimmen gehen, wenn das Hallenbad des Sindelfinger Badezentrums abgerissen wird – das ist eine Frage, die sich spätestens seit dem Gemeinderatsbeschluss am Dienstag, 24. März, viele Nutzerinnen und Nutzer des Bads stellen. Das Gremium hat beschlossen, dass das 50 Jahre alte Hallenbad abgebrochen und durch einen Neubau mit verschiedenen Erlebniswelten ersetzt wird. In der Sommerzeit ist das dabei kein Problem, denn das Freibad bleibt während des Neubaus geöffnet. Aber wohin sollen Schwimmer zwischen September und Mai ausweichen?

 

Das vorweg: für den Abriss des Hallenbads und der Nebengebäude gibt es noch keinen offiziellen Zeitplan. „Der Abriss soll so spät wie möglich passieren, damit wir die Schließzeit so gering wie möglich halten können“, sagt Clemens Knoch, der im Sport- und Bäderamt für das Projekt Badezentrum zuständig ist. „Wir wollen erst einmal den Neubau so genau wie möglich planen.“ Auch der Abriss selbst sowie die Entsorgung des Schutts müssten gut durchgeplant sein. „Sich jetzt auf einen Startzeitpunkt festzulegen, wäre unseriös“, so Knoch.

Überdachtes Freibad als Lösung während Hallenbad-Abriss

Erst einmal also kann im Hallenbad weiter normal geschwommen werden. Wenn der Abriss dann kommt, hat die Stadt schon ein Konzept für die Interimszeit bis zur Eröffnung des Neubaus: das 50-Meter-Becken im Freibad soll überdacht werden. Eine beheizte Traglufthalle soll Teile des Badebetriebs auch in der kalten Jahreszeit auffangen.

Das ist auch ein Knackpunkt: nur Teile des Badebetriebs. „Die Bedarfe, die wir im Badezentrum haben, sind sehr differenziert“, sagt Knoch. Neben den Sport- und Vereinsschwimmern gibt es auch Reha- und Behindertenschwimmen sowie Schwimmunterricht für Kinder in jedem Alter, und natürlich die Freizeitnutzung. „Das sind auch teilweise Personengruppen, die sich im tiefen Wasser des Freibadbeckens schwertun.“

Ehrenamt nicht verlieren: Vereine im überdachten Freibad

Im überdachten Freibad sollen darum nur die Sportschwimmer und die Vereine untergebracht werden. Mit Containern sollen Umkleiden, Toiletten und Duschen aufgebaut werden. „Es wird natürlich trotzdem Einschränkungen geben“, sagt Knoch. Aber auch: „Wir müssen das so organisieren, dass wir das Ehrenamt, das in den Vereinen extrem stark ist, nicht verlieren. Nach Corona war es schwierig, die Leute zurückzubekommen.“ Aus diesem Grund habe man die Nutzerinnen und Nutzer beim Planen der Interimszeit einbezogen.

Clemens Knoch vom Sport- und Bäderamt der Stadt Sindelfingen stellt bei einer Informationsveranstaltung die möglichen Erlebniswelten des Badezentrums vor. Foto: Stadt Sindelfingen

Mit drei Jahren Übergangszeit rechnet Knoch momentan. In der Zeit würde das überdachte Freibad ganzjährig genutzt. Die Kosten für die Traglufthalle und die benötigte Energie zum Heizen seien schon grob berechnet: rund drei Millionen Euro dürfte diese Zwischenlösung kosten. Ob diese Zeit zum Neubau des Bades ausreicht, oder ob sie ausgedehnt werden muss, kann heute noch niemand sagen.

Schulschwimmen in Sindelfingen: Kosten und Engpässe drohen

Ein weiterer Kostenpunkt sind die Bäderfahrten, die die Stadt für die Schulen zahlen muss, die das Badezentrum in der Bauphase nicht nutzen können. Die Schülerinnen und Schüler müssen nämlich auf ein anderes Sindelfinger Bad ausweichen. „Die Kommune ist in der Pflicht, die Fahrten zum nächsten Hallenbad zu finanzieren“, sagt Knoch. Zwar gibt es auf Sindelfinger Gemarkung mit dem Klostergartenbad und dem Gartenhallenbad in Maichingen auch noch weitere Hallenbäder, deren Wasserfläche ist aber auch schon gut ausgelastet.

Noch dazu sind beide Bäder selbst stark sanierungsbedürftig – die Rede ist jeweils von Millionenbeträgen für eine Instandsetzung. Im Idealfall können beide Bäder saniert werden, bevor es am Badezentrum mit dem Bau losgeht. Nur gleichzeitig dürfe das nicht passieren, so Knoch. Wie es mit dem Rappenbaumbad in Dagersheim stehen wird, wenn der Abriss des Badezentrum-Hallenbads einmal läuft, steht noch nicht fest. Auch das dortige Hallenbad ist rechnerisch schon über das Ende seines Lebenszyklus hinaus und kämpft seit Jahren mit Alterserscheinungen wie maroden Filteranlagen.

Schwimmerinnen und Schwimmer sowie Familien, die das Badezentrum nutzen, können das also erst einmal noch im gewohnten Umfang tun. Die Freibadsaison im Badezentrum beginnt in diesem Jahr übrigens am Montag, 1. Mai.

Neubau des Hallenbads

Beschluss
Nach einer mehrjährigen und teils emotionalen Debatte, die Nutzende wie Stadträte oft gespalten hat, hat der Gemeinderat am Dienstag, 24. März, mit 29 zu 9 Stimmen entschieden, das Badezentrum-Hallenbad abzureißen und neu zu bauen. Auch die Planungen wurden gleich mit in Auftrag gegeben.

Kosten
Schätzungen sehen für den Neubau Kosten von 87 Millionen Euro vor. Dabei ist zu bedenken, dass die genauen Planungen und Vergaben alle noch bevorstehen. Es handelt sich also noch nicht um verlässliche Zahlen.

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