Sindelfinger Hallenfußball-Gala „Ruf des Turniers wurde übertroffen“ – das waren die Gewinner und Verlierer

Mit 28 Jahren dieses Mal der älteste im Team: Yannick Toth, der in der Jugend der SpVgg Weil im Schönbuch das Fußball-Einmaleins lernte, wurde mit dem SSV Reutlingen Dritter. Foto: Harald Rommel

Die 41. Sindelfinger Hallenfußball-Gala ist in den Geschichtsbüchern. Neben Sieger FC Denzlingen gab es auch sonst viele Gewinner und Verlierer auf dem Kunstrasen des Glaspalasts.

Das gab es zuletzt 2014 bei der Hallenfußball-Gala im Sindelfinger Glaspalast: Nicht ein einziger Verein aus dem Kreis Böblingen konnte sich ein Stück vom 4500 Euro großen Prämienkuchen abschneiden. Dennoch gab es einige Gewinner, deren fußballerische Wiege im Kreis Böblingen stand.

 

Mannschaft des Turniers: Bis auf das 1:2 im Finale gegen Klassenkamerad FC Denzlingen gewann Oberligist FSV Hollenbach alle vorherigen neun Begegnungen. Großen Anteil daran hatte Matthis Lang, der als bester Torhüter geehrt wurde. „Solch eine Auszeichnung motiviert unheimlich“, meinte der 20-Jährige, der am Finaltag in den ersten vier Partien ohne Gegentreffer blieb und selbst viermal ins Schwarze traf. Die Torjägerkanone ging an Luka Bozic. Der 19-jährige vom SV Fellbach traf in zehn Duellen elfmal. „Die Trophäe bekommt einen Ehrenplatz“, versprach der Goalgetter, der einst das Dress der Böblinger A-Junioren trug. Eine noch bessere Quote hatte Marcel Berberoglu vom TSV Ehningen, der in acht Partien auf neun Buden kam. Issa Boye vom FC Denzlingen wurde zum besten Spieler gekürt. „Das war unser Turnier“, strahlte er. In der Turnierauswahl landeten neben Lang, Boye, Bozic und Berberoglu auch der Ex-Böblinger Yannick Toth vom SSV Reutlingen und Lennart Häßler von der SV Böblingen.

GSV Maichingen und VfL Sindelfingen bekommen viel Lob für Hallen-Gala

Zahlen, Daten, Fakten: Insgesamt gingen 171 Mannschaften mit in Summe um die 2000 Spielern aus Württemberg, Süd- und Nordbaden, Unterfranken, Bayrisch-Schwaben, Hessen, Rheinland-Pfalz und sogar Nordrhein-Westfalen an den Start. An zehn Turniertagen gingen 400 Spiele mit 1052 Toren über die Bühne. Macht über 73 Stunden Hallenfußball vor mehr als 6000 Zuschauern. Zum Erfolg trugen einmal mehr gut 250 ehrenamtliche Helfer der ausrichtenden Vereine GSV Maichingen und VfL Sindelfingen bei, die 5000 Arbeitsstunden ableisteten.

Weichenstellung: Während der Gala dreht sich stets das Personalkarussell, und es werden Neuzugänge für die Zukunft eingefädelt. Beim GSV Maichingen erfuhren die Trainer Thomas Wohland und Christopher Paurevic in den Katakomben, dass die Verantwortlichen ab Sommer ohne sie planen. „Wir wollen uns mit dem Landesliga-Klassenerhalt verabschieden“, nickte Wohland. „Die Spieler stehen jetzt in der Pflicht, sie spielen ab sofort um ihre sportliche Zukunft.“

Der Verein wird ihn im Sommer als Trainer ersetzen: Für Thomas Wohland (li.) war es vorerst die letzte Hallen-Gala mit dem GSV Maichingen. Foto: Harald Rommel

Nicht gespart mit Superlativen: „Die Hallen-Gala ist ein Markenzeichen für die Stadt und in ganz Süddeutschland“, unterstrich Sindelfingens stellvertretender Oberbürgermeister Walter Arnold. „Ein Riesending, das seinesgleichen sucht“, ließen es sich auch Michael Spörer als Vorsitzender des Fußballbezirks Stuttgart/Böblingen und Bezirksspielleiter Ulrich Probst nicht nehmen, den Sonntag im Glaspalast zu verbringen. „Das ist eine Veranstaltung, die der Amateurfußball braucht. Sie ist perfekt organisiert.“ Franz-Josef Deutelmoser, Staffelleiter der Landesliga II, Staffel II, hat die Gala, bei der er bis 2010 selbst als Schiri pfiff, ins Herz geschlossen: „Toll, was da alljährlich auf die Beine gestellt wird.“ Gerd Klauß vom GSV Maichingen bezeichnete das Event, zu dem auch der Jugend- und AH-Städte-Cup, die Frauen-Gala und natürlich der Junior-Cup gehören, zurecht als Mammutturnier.

Gewinner und Verlierer: „Wir sind gekommen, um ganz oben zu stehen“, führte der regionalliga-erprobte Sandro Rautenberg seinen FC Denzlingen bei der Gala-Premiere auf Platz eins. „Der Ruf, der dem Turnier vorauseilt, wurde sogar übertroffen“, lobte er. Für Harun Güney, Spielertrainer des Türk SV Herrenberg, war die Hallen-Gala auch eine Art Teambuildingmaßnahme. „Wir sind noch näher zusammengerückt“, befand er. Achim Häusler, Trainer des ABV Stuttgart, hatte nie und nimmer damit gerechnet, „dass wir als Team aus der Kreisliga A und Qualifikant zehn Spiele bestreiten – es ist optimal gelaufen“. Die Truppe von Häusler, der auch schon den FV Mönchberg und den TSV Grafenau coachte und bei der Gala einst das Trikot von GSV Maichingen und SpVgg Holzgerlingen trug, schlug sich äußerst wacker. Für Coach Tim Lehle vom TSV Dagersheim war „das Erreichen der Zwischenrunde etwas wert, auch wenn wir gerne wie 2025 ins Achtelfinale gekommen wären“. Schwacher Trost für Übungsleiter Johannes Pfeiffer vom TSV Ehningen nach dem Viertelfinal-Aus waren die Aussagen mancher Kollegen. „Einige Trainer kamen auf uns zu und meinten, dass wir hier das beste Team stellen“, erzählt er. Für den VfL Sindelfingen, der in den vergangenen zehn Jahren fünfmal ins Endspiel eingezogen war, bildeten bereits die Gruppenspiele des Hauptturniers die Endstation. „Das fühlt sich nicht gut an“, hatte sich der neue Trainer Thomas Siegmund einen anderen Einstand gewünscht.

Einige Trainer kamen auf uns zu und meinten, dass wir hier das beste Team stellen

Johannes Pfeiffer, Trainer des TSV Ehningen, der im Viertelfinale im Zehnmeterschießen am SSV Reutlingen scheiterte

Gesichter der Hallen-Gala: Vor genau einem Jahrzehnt gewann Yannick Toth als Jungspund das Turnier mit der SV Böblingen. „Unvergessen“, meinte der mittlerweile 28-Jährige, der diesmal als Ältester im Kader den Oberligisten SSV Reutlingen auf Rang drei führte. „Jedes Spiel ist wild, jedes Spiel kann man verlieren“, beschrieb er die Leistungsdichte. Toth, der in der Jugend der SpVgg Weil im Schönbuch groß wurde, freute sich am Ende, „dass es unser Mix aus erster Mannschaft und U19 mehr als ordentlich machte“. Fast die gleichen Worte wählte sein Coach von 2016, Bernd Gluiber, der diesmal mit Bezirksligist SpVgg Holzgerlingen im Achtelfinale scheiterte. „Die vielen Momente hier bleiben unvergessen“, schloss sich für Gluiber, der im Sommer bei Hotze Adieu sagt, ein Kreis. Ebenso für Giuseppe Beretta. Der Youngster gewann etliche Male beim Jugend-Städte-Cup den Siegerpott mit der SV Böblingen. Für den ehemaligen U19-Futsal-Nationalspieler reichte es im ersten Jahr als Aktiver im Trikot des Verbandsligisten TSV Weilimdorf zwar nicht zum Sprung aufs Treppchen, „aber dennoch war es ein richtig guter Auftakt ins neue Jahr“. Der 19-Jährige, der in Weilimdorf schon auf 15 Einsätze und einen Treffer kam, hat sich zum Ziel gesetzt, „weiter viel Erfahrung zu sammeln und mich weiterzuentwickeln“. Gleiches gilt für Luka Bozic, der bis vergangenen Sommer für die A-Junioren der SV Böblingen kickte. „Mein erstes Aktiventurnier überhaupt“, war Bozic, der mittlerweile beim SV Fellbach in der Verbandsliga aufläuft, ein wenig baff, wie gut es mit Platz vier fürs Team und für ihn persönlich mit dem Toreschießen lief. „Das ging wie beim Brezelbacken“, schmunzelte er. Für die Rückrunde hat sich der 19-Jährige vorgenommen, „dass zu meinem ersten Verbandsliga-Treffer noch weitere hinzukommen und wir auf einem einstelligen Tabellenplatz landen“.

Nicht gebruddelt ist genug gelobt: Die Schiedsrichter und Mitarbeiter in der Turnieraufsicht lieferten eine tadellose Leistung. Wie oft er schon die Aufsicht bei der K.o.-Runde hatte, wusste der Altdorfer Michael Rathgeb selbst nicht so genau. „Um die 20 Mal werden es sein“, überlegte er. Zu den knapp vier Dutzend Unparteiischen, die während der Hallen-Gala zur Pfeife griffen, gehörten am Finaltag auch Jonathan Woldai (SV Bonlanden) sowie Daniel Buck (TV Gültstein) und Maximilian Jäger (SV Böblingen). „Auch uns hat es Spaß gemacht“, lautete der einhellige Tenor nach einem fairen Turnier.

Stars und Sternchen: Viele Promis werden zwar erst zum Junior-Cups erwartet, doch einige schauten bereits in diesen Tagen in den Glaspalast rein. So kam bei der Frauen-Gala beispielsweise DFB-Schiedsrichter Tobias Reichel vom GSV Maichingen auf eine Stippvisite vorbei. Beim Bezirksligisten SV Westerheim (Bezirk Donau/Iller) mischte gar ein waschechter Reality-Star mit. Lars Maucher wurde von einigen Gegenspielern wiedererkannt. Kein Wunder, denn der 29-Jährige mischte schon bei Shows wie „Die Bachelorette“, „Ex on the Beach“, „Are you the one“, „Reality-Stars in Love“ oder „Match my Ex“ mit und geht 2026 bei der Doku-Soap „Germany Shore“ wieder auf Flirt-Kurs. „Das ist ein netter Nebenverdienst und ein kostenloser Urlaub“, sagte der Industriemechaniker aus Zainingen mit einem Augenzwinkern.

Gala-Geschichte(n): An die eine oder andere Anekdote erinnerte sich Richard Armbruster, der ehemalige Vorsitzende des mittlerweile aufgelösten Bezirks Böblingen/Calw. „In den 80ern habe ich hier selbst gepfiffen“, schilderte der 77-jährige Bondorfer. „Hier war und ist immer was los.“ Genauso wie in seiner aktiven Laufbahn als Referee. Viele Jahre war er in der Bundesliga Linienrichter. „Mehr Technik wäre auf dem Kunstrasen manchmal nicht schlecht“, wünschte sich Armbruster mehr Finesse und Hallen-Rastellis. Als Aktiver war er selbst gern unter dem Hallendach am Ball. „In Herrenberg in der Viehversteigerungshalle kickten wir zu Beginn noch auf Asphaltboden“, winkte er ab.

Quasi ein Heimspiel: Mit den U17-Fußballern der SV Böblingen feierte Ihsan Basaran als Coach etliche Erfolge. Vor kurzem feierte der 30-Jährige, der sich selbst als „Böblinger durch und durch“ bezeichnet, den nächsten Coup in seiner Trainerlaufbahn. Mit der U19 des SGV Freiberg wurde er Herbstmeister in der Oberliga. Sein Co-Trainer Noah Welter ist ebenfalls ehemaliger SVBler. „Er ist essenziell für unseren Erfolg“, so Basaran, dessen Grundsatz lautet: „Eine gute Offensive gewinnt Spiele, eine gute Defensive gewinnt Meisterschaften.“ Bei der Hallen-Gala mischten bei der Freiberger Talentschmiede mit Fabian Schrade, Joel Malungo und Robert Schneider gleich drei frühere Böblinger mit. Für das Trio und die Teamkollegen wird 2026 ganz besonders werden, denn in der DFB-Nachwuchsliga treffen sie auf große Namen. „Da wollen wir uns so teuer wie möglich verkaufen“, betonte Basaran. Wie das Gelingen kann, bewiesen seine Schützlinge, die noch lernen müssen, dass Aktivenfußball ein Ergebnissport ist, schon im Glaspalast. „Es war bitter und unglücklich, im Viertelfinale gegen den späteren Ersten im Zehnmeterschießen zu scheitern“, haderte Basaran. „Trotzdem dürfen auch wir uns wie heimliche Sieger fühlen.“

Weitere Themen