Sittler, Fünderich und Co. „2,0 war damals ziemlich gut“ – Stuttgarter Promis verraten ihre Abinote

Ans Abi können sich die meisten auch Jahrzehnte später noch ziemlich genau erinnern: Der Schauspieler Walter Sittler und die TV-Kommissarin Astrid Fünderich. Foto: Bernd Weißbrod, Lichtgut/Max Kovalenko

Wie gut war der Wilhelma-Direktor in der Schule? Warum hat das Abi Walter Sittlers Arztkarriere verhindert? Wie war Astrid Fünderichs Abischerz? Uns haben sie es verraten.

Auch Stuttgarter Größen aus Fernsehen, Sport und Nachtleben saßen irgendwann schwitzend über ihren Abi-Prüfungsbögen. Heute führen sie einen international bekannten zoologisch-botanischen Garten, stehen als Schauspieler vor der Kamera, organisieren Cage-Fights – oder haben jede Menge Medaillen zu Hause.

 

Aber der Weg dorthin war nicht immer mit Einsern gepflastert. Im Gegenteil: So manche Stuttgarter Karriere startete mit einem Zeugnis, das eher nach „Mut zur Lücke“ als nach Elite-Uni aussah.

Wir haben bei bekannten Stuttgarterinnen und Stuttgartern nachgefragt: Wer war der Klassenclown, wer hat den Direktor in den Wahnsinn getrieben – und wer würde sein Abizeugnis heute am liebsten ganz tief in der Schublade vergraben?

Schauspieler Walter Sittler: Abinote 2,0

Der Stuttgarter Schauspieler Walter Sittler machte sein Abitur in dem bekannten Internat Schloss Salem. Foto: privat

Acht verschiedene Schulen – Walter Sittlers Schulzeit war bewegt. Das lag aber weniger an ihm als daran, dass die Familie Sittler oft umzog. Denn Sittlers Vater lehrte als Linguistik-Professor an verschiedenen Universitäten. „Ich war an vier verschiedenen Grundschulen“, erinnert sich der Stuttgarter Schauspieler. „Dann ging ich auf ein Gymnasium in München, anschließend auf eins in Traunstein. 1966 war ich für anderthalb Jahre auf der Merz-Schule in Stuttgart und mein Abi habe ich schließlich 1972 im Internat Salem gemacht.“

In der schriftlichen Matheprüfung sei er ins Schwitzen gekommen, als plötzlich die Hyperbel viel zu groß gewesen sei – „die hat gar nicht auf mein Blatt gepasst.“ Mit ein bisschen Nachdenken kam Walter Sittler dann aber doch noch auf den richtigen Lösungsweg.

Was rauskam? „Eine 2,0 – das war damals ziemlich gut!“ Aber es reichte nicht für seinen Studienwunsch. Denn eigentlich hätte Walter Sittler gerne Medizin studiert, „aber da lag der Numerus Clausus damals schon bei 1 Komma irgendwas.“ Also ging er auf die Schauspielschule und ist heute ein bekannter Theater-, Film- und TV-Darsteller („Girl Friends“, „Der Kommissar und der See“) und Produzent.

In der Schule mochte er Deutsch und Physik, aber Chemie sei ihm immer „ein Rätsel geblieben“, sagt der 73-Jährige. „Ich mochte den Lehrer nicht und er mich auch nicht“, erinnert sich Sittler bis heute. „Ich habe Chemie mit einer Vier abgewählt.“ Sein Deutschlehrer in Salem habe ihn sehr geprägt, „mit ihm treffe ich mich heute manchmal noch“. Und immer werde er sich an die Worte seines ersten Mathelehrers am Gymnasium in München erinnern: „Der sagte uns, Mathe sei so einfach, dass jeder es kapieren könnte. Das habe ich nie vergessen.“

Die Schülerinnen und Schüler heute täten ihm leid, sagt der dreifache Vater. „Die stehen unter so viel Druck. Wir haben die Schule damals leichter genommen.“

Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin: Abinote 2,5

Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin. Foto: Lichtgut

Thomas Kölpin hat 1988 in Norderstedt in Schleswig-Holstein sein Abitur gemacht. Dort ist der gebürtige Hamburger aufgewachsen. Sein Zeugnis von damals hat er zwar gerade nicht parat, aber seinen Abi-Schnitt kennt er genau: „Es war die Note 2,5.“ Da er nicht der fleißigste Schüler gewesen sei, habe er das damals „mit wenig Aufwand“ geschafft, gibt er zu. „Ich hatte eine gute Teenager-Zeit“, sagt er, dafür sei es ein vernünftiges Abi gewesen, mit dem er zufrieden war. Seine Leistungsfächer waren Geschichte und Biologie und schriftlich wurde er in Englisch und mündlich in Sport fürs Abi geprüft. Bei Sport war das im Volleyballspiel. „Damit konnte man gut punkten“, sagt er. Bis heute macht er regelmäßig Sport, drei bis viermal die Woche im heimischen Fitnesstudio mit Kardio- und Krafttraining.

Das Abi war für Kölpin eine wichtige Voraussetzung fürs Studium: Er hat zunächst zwei Semester Psychologie studiert, dann Biologie und darin auch promoviert. Fürs Studium sei das Abi unabdingbar gewesen. „Ich fand die Schulzeit spannend und bin sehr gerne zur Schule gegangen“, sagt Kölpin. Und in seinem heutigen Job als Wilhelma-Direktor vereint er seine Leistungsfächer, Biologie und Geschichte. „Da schließt sich der Kreis“, sagt er, insbesondere, wenn in Kürze der historische Eingangspavillon eröffnet wird.

Schauspielerin Astrid Fünderich: Abinote 2,2

„Soko Stuttgart“-Kommissarin Astrid Fünderich Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

„Generell war die Abi-Zeit wirklich smooth. Eine 2 minus halt – ein bisschen wie mein Leben“, sagt Astrid Fünderich und lacht. „Es läuft gut, ich habe keinen Oscar gewonnen, aber ich habe immer gearbeitet und bin sehr dankbar dafür. Die gute Mitte einfach.“ Die Schauspielerin, die unter anderem als Kriminalhauptkommissarin Martina Seiffert in der Krimi-Reihe „SOKO Stuttgart“ zu sehen ist, hat 1982 am Theodor-Heuss-Gymnasium in Essen ihr Abitur gemacht – und das recht erfolgreich, mit der Note 2,2.

Abitur schrieb sie in den Leistungskursen Englisch und Erdkunde sowie Physik und Sport. Ansonsten belegte sie Deutsch, Französisch, Kunst, Literatur, Geschichte und Mathematik. „Natürlich habe ich auch Sport gewählt, um den Schnitt zu heben“, sagt Fünderich und lacht. Mit Erfolg: Die Note 1 plus erreichte sie in der Abiturprüfung.

Im Nachhinein hat die Schauspielerin, die damals auch Schülersprecherin war, ihr Abitur und die Schulzeit positiv in Erinnerung. „Für mich war Schule kein Drama. Ich hatte Glück mit den Lehrerinnen und Lehrern – damit steht und fällt ja auch alles.“ Entsprechend selbstbewusst sei sie auch an die Abi-Prüfungen herangegangen. In der Englisch-Prüfung etwa entschied sie sich noch während der Prüfung um: Obwohl sie sich eigentlich auf die Gedichtinterpretation (Shakespeare) vorbereitet hatte, wählte sie kurzerhand doch den Sachtext. Und ihr Bauchgefühl enttäuschte sie nicht: Eine 2 minus gab’s dafür.

Sehr lebendig sind Fünderichs Erinnerungen an den Abi-Streich, bei dem die Abschlussklasse einen riesigen Misthaufen vor den Eingang der Schule schaufelte. „Dafür gab es schon ziemlich Ärger.“ Auch den Abi-Ball hat sie in schöner Erinnerung. Praktisch, denn derzeit dreht das Team der SOKO Stuttgart eine passende Folge: In „Abi 86“ geht es für Fünderichs Figur Martina Seiffert beim Abi-Treffen um die Erinnerungen an die eigene Schulzeit.

Türsteher-Legende, studierter Physiker und Veranstalter Alexander Petrajtis: Abi-Note 2,6

Hat an der Max-Eyth-Schule 2002 das beste Physik-Abi geschrieben: Alexander Petrajtis. Foto: privat

Mit seinem Physik-Lehrer steht Alexander Petrajtis 25 Jahre nach seinem Abitur immer noch in gutem Kontakt. „Wir telefonieren ein paar Mal im Jahr, tauschen uns aus. Ich bin froh, so einen Lehrer und Mentor gehabt und gefunden zu haben“, schwärmt der 44-Jährige, der 1996 als Spätaussiedler aus Georgien nach Stuttgart kam. Der deutschen Sprache nicht mächtig, führte ihn seine Schullaufbahn über die Sprachschule an die Realschule Ostheim, wo er 1999 seine Mittlere Reife absolvierte – mit einem Schnitt von 3,3.

Das nächste Ziel des ehrgeizigen Stuttgarters, der aus einem Akademikerhaushalt stammt, war bis 2002 das Abitur am technischen Gymnasium, der Max-Eyth-Schule. Dort entschied sich Petrajtis für das Wahlpflichtfach Physik, vor allem aufgrund des oben genannten Lehrers. „Solche Lehrkräfte gibt es heute nicht mehr – er war einer von der alten Schule.“ Zitate von den Klassenzimmerwänden wie „Keiner wird zum Schwimmer, wenn er einmal die Woche duscht“ leiten und begleiten den Unternehmer bis heute. „Außerdem habe er dort auch viele „Freunde fürs Leben“ gefunden, betont er – „es war eine tolle, unbekümmerte Zeit“.

Nicht immer hat sich der 44-jährige Kampfsportler während der Schulzeit viel Mühe mit dem Lernen gegeben. „Also musste ich im letzten halben Jahr vor dem Abitur ordentlich Gas gegeben und habe am Ende in Physik das beste Abi geschrieben“, sagt er schmunzelnd. Dies sei schließlich auch der Grund gewesen, warum er Physik studiert habe – mit einer Abschluss-Note von 1,8. Danach ging es in die Forschung an einem der Institute der Universität Stuttgart, wo er drei Jahre arbeitete.

Und auf Anfrage eines Kampfsport-Kumpels eben auch an die Türen der Stuttgarter Clubs, wo er sich als Türsteher schnell einen Namen machte. Ob am Wurst & Fleisch, Freund & Kupferstecher oder Kap Tormentoso – der Physiker an der Tür war bekannt wie der bunte Hund und fing schließlich an, selbst Events zu veranstalten: Im Kampfsportbereich, mit Age of Cage und The Stryving, ist er heute sehr erfolgreich.

Was Petrajtis hingegen sehr schade findet, ist, dass sein Französisch nicht besonders gut ist, trotz drei Jahren Unterricht. „Das hätte ich auf dem Jakobsweg durch Frankreich gut gebrauchen können“, bedauert er das Sprach-Defizit. Dabei habe ihm nicht einmal der Bruder des ehemaligen Außenministers Klaus Kinkel helfen können, der damals sein Französisch-Lehrer gewesen ist.

Turnerin und Athletenvertreterin Kim Bui

Kim Bui mit ihrem Abizeugnis Foto: Kim Bui

Nach 13 Jahren Schulzeit hielt ich endlich mein Abiturzeugnis in den Händen! Etwas verspätet, weil ich aufgrund der Olympischen Spiele 2008 in Peking und dem damit verbundenen Verletzungsrisiko meine praktische Sportprüfung erst beim Nachholtermin abgelegt habe. Das Abiturzeugnis fühlte sich ein bisschen wie Freiheit an oder auch wie das Ende eines langen Films – glücklich, stolz, aber auch ein wenig wehmütig. Rückblickend war ich wohl ziemlich blauäugig, wie unbesorgt diese Schulzeit lief, bevor der eigentliche Ernst des Lebens begann. Ich habe mich damals enorm angestrengt, Leistungssport und Schule unter einen Hut zu bekommen, auch um meine Eltern stolz zu machen, und heute sehe ich, dass sich die harte Arbeit gelohnt hat. Was bleibt? Ein Stück Wehmut, manchmal sehne ich mich zurück. Aber vor allem das Glück, dass meine Mädels von damals auch heute noch meine engsten Freundinnen sind.

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