Smart Home im Kreis Esslingen In diesem Haus wird alles zentral gesteuert: Leben in einem prämierten Neubau

Sascha Patka hält das Tablet in der Hand – damit lassen sich Haustechnik und Elektrogeräte steuern. Foto: Markus Brändli

Sascha Patkas Eigenheim in Kohlberg (Kreis Esslingen) wurde mit dem Gütesiegel „Klimahaus Baden-Württemberg“ prämiert. Was es so besonders macht.

Reporter: Elke Hauptmann (eh)

Gas, Öl und Strom werden immer teurer. Sascha Patka bereitet das wenig Sorgen. Sein Einfamilienhaus in Kohlberg ist nämlich so innovativ gebaut und ausgestattet, dass es die Bewohner unabhängiger von externen Energieanbietern macht. Der Neubau gilt als vorbildhaft und darf nun das Gütesiegel „Klimahaus Baden-Württemberg“ tragen.

 

Die spezielle Hausnummer, die Sascha Patka jüngst bei einer Feierstunde im Esslinger Landratsamt entgegennehmen durfte, prangt schon an der hell verputzten Fassade. Sein Stolz über die Auszeichnung ist ihm anzusehen, als er die Tür für eine Führung durch das Wohngebäude öffnet – ein Fertighaus, das den Energiestandard Effizienzhaus 40 plus erfüllt. Es ist also deutlich sparsamer und klimaschonender als ein klassisches Wohngebäude. Das, so klärt der Hausherr auf, wird durch eine Kombination aus einer ökologischen Gebäudehülle, einer effizienten Heiztechnik sowie dem Einsatz von erneuerbaren Energien erreicht.

Einst stand hier im Ortskern der 2300-Seelen-Gemeinde das Wohnhaus seiner verstorbenen Großeltern. Ein aus den 1950er Jahren stammendes Gebäude mit feuchtem Keller, alten Leitungen und verwinkeltem Grundriss, berichtet der 38-Jährige. „Das war nicht mehr zeitgemäß.“ Sanieren oder neu bauen? „Ich habe beides durchgerechnet und mich 2019 für einen Neubau entschieden.“ Trotz der Mehrkosten von gut 150 000 Euro. Damals, fügt er hinzu, waren die Zinsen noch niedrig und es gab diverse Förderprogramme.

Ein Neubau mit allem Drum und Dran sollte es werden. Das war Sascha Patka, der damals in einer großen IT-Dienstleitungsfirma auch das Thema Nachhaltigkeit verantwortete, ganz wichtig. „Ich wollte für die Zukunft bauen.“ Inspiration für sein Traumhaus holte er sich in der Fellbacher Fertighausausstellung, dort fand er in der Firma Weber-Haus einen passenden Baupartner.

„Egal wo ich gerade bin, ich kann nachschauen, ob zum Beispiel vergessen wurde, das Bügeleisen abzuschalten.“

Sascha Patka, Hauseigentümer
Der Neubau in Kohlberg erfüllt den Energiestandard Effizienzhaus 40 plus. Foto: Markus Brändli

Der Altbau am Hang wurde abgerissen, das Fundament vorbereitet und die Bodenplatte mit einer „weißen Wanne“ aus Beton gegossen. Im Dezember 2021 schließlich wurden die vormontierten Bauteile des Holzständerhauses nach Kohlberg geliefert, schon Ende März 2022 konnten Sascha Patka – und später auch seine Freundin Nadine Münds – in die eigenen vier Wände mit 260 Quadratmetern Wohnfläche ziehen. Dass sie sich hier so wohl fühlen, liegt auch daran, dass sie sich ein „intelligentes“ Zuhause gestaltet haben.

Auf dem Dach befindet sich eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von neun Kilowatt-Peak (kWp). Sie produziert Solarstrom zum Heizen, zum Betrieb von Haushaltsgeräten und zum Auftanken eines Elektroautos. Was nicht gleich benötigt wird, landet im Batteriespeicher – um zeitversetzt zum Einsatz zu kommen. Das Haus erzeugt 75 Prozent seines Stromverbrauchs selbst. „Wir müssen nur wenig Strom, vorwiegend im Winter, zukaufen.“ Laut Sascha Patka liegt der zusätzliche Energiebedarf bei rund 2500 Kilowattstunden im Jahr.

Die individuelle Hausnummer kennzeichnet das Wohngebäude von Sascha Patka als „Klimahaus Baden-Württemberg“. Foto: MARKUS BRAENDLI / Markus Brändli

In seiner Altbau-Mietwohnung war das ganz anders, erinnert sich Sascha Patka. „Die erste Nebenkostenabrechnung war ein richtiger Schock.“ Deshalb hat er schon vor Jahren angefangen, den Stromverbrauch von Fernseher, Kaffeemaschine und Co. mit cleveren Lösungen zu minimieren. Daraus wurde dann eine Passion, räumt der studierte Wirtschaftsinformatiker ein.

Geballte Technik im Klimahaus

„Das hier“, sagt Sascha Patka beim Betreten des Technikraums schmunzelnd, „ist mein Lieblingsbereich im Haus.“ Auf 18 Quadratmeter Fläche befinden sich unter anderem der Wechselrichter für die PV-Anlage samt Batteriespeicher und die Luft-Wasser-Wärmepumpe für Fußbodenheizung und Lüftungsanlage, die zugleich einen Pufferspeicher für das Warmwasser beinhaltet. Es gibt auch eine Wasserenthärtungsanlage, einen riesigen Schaltschrank für die Haustechnik und das erklärte „Herz des Hauses“, das zentrale Smart-Home-System.

Über den großen Touch-Bildschirm im Wohnzimmer lassen sich auch die Energieflüsse in allen Räumen individuell regeln. Foto: Markus Brändli

Der IT-Fachmann hat sein Eigenheim nämlich komplett automatisiert. „Wir haben dafür zig Kilometer Netzwerkkabel verlegt.“ So können alle Stromverbraucher im Gebäude per App ein- und ausgeschaltet werden – auch aus der Ferne. Das findet Sascha Patka nicht nur praktisch. Es vermittelt ihm auch das Gefühl von Sicherheit. „Egal wo ich gerade bin, ich kann nachschauen, ob zum Beispiel vergessen wurde, das Bügeleisen abzuschalten.“ Geräte im Standby gibt es in seinem Haus nicht. Denn: Sie vom Netz zu nehmen, wenn sie nicht gebraucht werden, spart jede Menge Strom. „Und es verringert die Brandgefahr erheblich“, weiß der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Kohlberg aus Erfahrung.

Automatisiertes Eigenheim in Kohlberg

Das intelligente Haus kann aber noch viel mehr. Am Tablet, Smartphone oder über den großen Touch-Bildschirm im Wohnzimmer lassen sich die Energieflüsse in allen Räumen individuell regeln. Visualisierungen zeigen den Luftaustausch, den Batteriestatus, den Ertrag der Solaranlage sowie den Stromverbrauch an – in Echtzeit.

Dabei kann das System auch auf Daten des Wettersensors zugreifen: Soll der Tag sonnig werden, startet die Waschmaschine erst dann, wenn der Stromspeicher voll ist. Die Jalousien schließen sich automatisch, wenn zu viel Sonne scheint. Zudem sorgen Bewegungsmelder dafür, dass nur dort Licht an ist, wo sich jemand aufhält. Sie dienen zugleich dem Einbruchsschutz.

Ganz bequem lässt sich vieles im Haus auch per Sprachsteuerung regeln. Die digitale Assistentin führt nicht nur Anweisungen aus, sie denkt auch mit. Sascha Patka spielt eine Nachricht von ihr ab: „Der Geschirrspüler ist fertig. Der Klarspüler ist alle. Soll ich ihn auf die Einkaufsliste setzen?“ Das mag für manche Leute eine Spinnerei sein, räumt er ein. Für ihn und seine Freundin indes bedeutet die Automatisierung mehr Wohnkomfort.

Was aber ist, wenn das Internet komplett ausfällt? Für diesen Fall hat Sascha Patka vorgesorgt und eine Starlink-Antenne auf dem Dach installiert. Und falls der Strom mal für längere Zeit weg sein sollte: Dafür gibt es neben der PV-Anlage und dem Batteriespeicher auch noch einen Notstromerzeuger und einen Kaminofen.

Innovative Gebäude gesucht

Klimahaus
Bei dem seit 2022 jährlich ausgelobten Wettbewerb „Klimahaus Baden-Württemberg“ werden Gebäude gesucht, die durch energieeffizientes Bauen, den Einsatz erneuerbarer Energien und nachhaltiger Baustoffe überzeugen, sowohl beim Einfamilien- oder Mehrfamilienhaus, im Neubau oder bei Sanierungen. Gebäudeeigentümer, Architekten und Energieberater können energetische Vorzeigeprojekte einreichen.

Haus der Zukunft
Der Kreis Esslingen richtete 2023 erstmals den Wettbewerb „Haus der Zukunft“ aus. In diesem Jahr findet die nächste Runde statt, die Auslobung erfolgt im Herbst. Eingeladen zur Teilnahme sind Eigentümer von Gebäuden, die in den vergangenen drei Jahren als „Klimahaus“ prämiert wurden. Eine mit Experten besetzte Fachjury wählt daraus die innovativsten Neubau- und Sanierungslösungen aus.

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