Im Jahr 2025 sind laut offiziellen Zahlen knapp 60.000 Balkonkraftwerke in Baden-Württemberg hinzugekommen. Der Verein Balkon-Solar zieht diese Angabe nun in Zweifel.

Klima & Nachhaltigkeit: Judith A. Sägesser (ana)

Wie viele Balkonkraftwerke gibt es mittlerweile in Baden-Württemberg? Darüber gibt es aktuell Unstimmigkeiten. Das Solarcluster Baden-Württemberg sowie die Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA) würden die tatsächliche Zahl an Steckersolar-Geräten unterschätzen, sagt Sebastian Müller vom Verein Balkon-Solar in Freiburg.

 

Am 23. Januar hatten Solarcluster und KEA per Pressemitteilung erklärt, in Baden-Württemberg seien 59.234 zusätzliche Balkonkraftwerke im Land dazugekommen. Müller von Balkon-Solar dazu: „Die Aussage einer genauen Zahl ist irreführend.“

Geht auch im großen Stil: Balkonkraftwerke an einem Mehrfamilienhaus. Foto: Martin Schutt/dpa

Solarcluster und KEA stützen sich bei der Angabe auf die beim Marktstammdatenregister angemeldeten Balkonkraftwerke. Demnach seien „in Baden-Württemberg nun 161.141 Steckersolaranlagen im Marktstammdatenregister angemeldet, die gesamte installierte Leistung beträgt 160 Megawatt“, heißt es.

Verein aus Freiburg: Nicht alle Balkonkraftwerke registriert

Dass diese Zahlen der Realität entsprechen, bezweifelt der Balkon-Solar-Verein. „Nach unserer Einschätzung werden etwa ein Viertel bis ein Drittel der installierten Anlagen überhaupt beim Marktstammdatenregister angemeldet“, sagt Müller. Diese große Dunkelziffer einberechnet, „wären in Baden-Württemberg irgendwas zwischen 177.000 und 236.936 Anlagen dazu kommen“.

Wer ein Balkonkraftwerk installiert, muss bestimmte Regeln befolgen. Es ist zwar durch gesetzliche Erleichterungen einfacher geworden, mit einem Steckersolar-Gerät Strom zu produzieren, aber dennoch gibt es Vorgaben. So muss die Anlage beim Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur angemeldet werden. Doch es gilt als offenes Geheimnis, dass dies nur einen Teil der Wirklichkeit abbilden dürfte, dass es eine Art „Solarguerilla“ gibt. Also Leute, die das Balkonkraftwerk installieren, ohne es registrieren zu lassen.

Der Verein Balkon-Solar verweist in diesem Zusammenhang auf die Verkaufszahlen und Marktanalysen. Diese würden zeigen, dass weit mehr Balkonkraftwerke installiert sein müssen. „Einfach nur die Zahlen aus der Marktstammdatenregister-Abfrage abzutippen, reicht zur Einordnung nicht aus“, so Müller.